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Kunststar im Baumarkt Warum der chinesische Künstler Ai Weiwei mit Hornbach zusammenarbeitet

Der Kunststar bietet neuerdings ein Werk bei Hornbach zum Selberbauen an. Die öffentliche Aufregung ist dabei im Marketing bereits einkalkuliert.
20.02.2020 - 14:38 Uhr Kommentieren
Seine gezielten Provokationen stehen bei dem Künstler häufig auch im Dienste einer geschickten Selbstvermarktung. Quelle: dpa
Ai Weiwei

Seine gezielten Provokationen stehen bei dem Künstler häufig auch im Dienste einer geschickten Selbstvermarktung.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Das Echo war zu erwarten. „Seid ihr verrückt geworden, mit einem Künstler zu werben, dem Deutschland Asyl gewährt hat und der dann Deutschland mit Dreck bewirft?“, fragt ein Nutzer auf der Facebook-Seite von Hornbach. Und ein anderer schimpft: „Wer meint, mit einem Menschen Werbung zu machen, der uns in Deutschland beschimpft, der muss damit rechnen, dass andere Menschen hier nie mehr einkaufen.“

Der Baumarktbetreiber Hornbach, bekannt für seine provokanten und originellen Werbeideen, hat mal wieder Mut bewiesen. Er bietet seinen Kunden ein Kunstwerk des chinesischen Künstlers Ai Weiwei zum Selberbauen an – ganz in der Tradition des Readymade, also der Umwidmung von Alltagsgegenständen in Kunst.

Für Ai Weiwei selber ist es die Demokratisierung von Kunst. „Jeder hat die Fähigkeit, Kunst zu machen“, sagt er. Ai Weiwei gilt als einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart. Seine Installationen bestehen oft aus Massen von gefundenem Material. So hat er Hunderte von zurückgelassenen Hosen, Hemden und Kinderkleidern in dem griechischen Flüchtlingslager Idomeni einsammeln, waschen und flicken lassen.

Auf Drahtkleiderbügel gehängt, wie sie Reinigungen verwenden, erfährt die Kleidung im Museum eine Würdigung. Eine Wertschätzung und Sorgfalt, die ihren ehemaligen Besitzern auf der Flucht ständig verwehrt wird. Mit Tausenden von Fotos, die Ai während seiner Besuche von Flüchtlingslagern schoss, formieren sie sich zu einer Anklage gegen Ignoranz und Kälte.

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    Damit passt der international bekannte Künstler besser zum traditionellen deutschen Familienunternehmen Hornbach, als es auf den ersten Blick wirkt. Im Interview mit dem Handelsblatt Magazin hat Ai schon 2019 klargestellt, dass er von dem geschützten Raum, wie ihn Museen bieten, wenig hält: „Dieser Raum ist zu klein. Ich will authentisches Publikum wie auf einem Marktplatz oder in einem Gefängnis.“

    Ai möchte sich nicht nur mit dem relativ kleinen Kreis der Museumsgänger begnügen.

    Kritik an der Elite der reichen Kunstsammler

    Da ist es nur konsequent, wenn er jetzt Kunst für alle anbietet. Im Onlineshop von Hornbach ist das Kunstwerk „Safety Jacket Zipped the Other Way“ in verschiedenen Varianten schon ab knapp 150 Euro zu haben. Es besteht im Wesentlichen aus knallorangen Sicherheitswesten, die per Reißverschluss verbunden und dann entweder mit Haken an die Wand oder auf Stangen gehängt werden.

    Das Werk wird zum reinen Materialpreis angeboten, soll also bewusst für jedermann erschwinglich sein. Ai sieht das als Kritik an der Elite der vermögenden Kunstsammler. Wer das Set im Onlineshop von Hornbach bestellt, bekommt noch eine Bauanleitung, ein Echtheitszertifikat und eine Publikation, die das Werk kunsthistorisch einordnet.

    Den Zusammenbau überlässt der Künstler dem Do-it-yourself-Kunden – genauso wie die Interpretation des Kunstwerks. Und Hornbach genießt die Aufmerksamkeit. Ai Weiwei gefällt sich immer wieder in der Rolle des Provokateurs. Die Kooperation mit Hornbach gibt ihm Gelegenheit, gegen die in seinen Augen elitären Kunstzirkel zu wettern, von deren Engagement er dennoch lebt.

    Aber Ai Weiwei ist immer gegen etwas. Er fühlt sich gut, wenn er Opposition ist: gegen die undemokratische Regierung in China, gegen die Flüchtlingspolitik der EU, gegen die Berlinale, gegen die unfreundlichen Berliner und die angeblich faulen Studierenden. Häufig stehen diese gezielten Provokationen bei Ai auch im Dienste einer geschickten Selbstvermarktung.

    Zuletzt brachte er viele Deutsche gegen sich auf, als er in einem Interview an seinem neuen Wohnsitz in England sagte, im deutschen Alltag existiere weiterhin Nazismus, die Deutschen seien sehr rüde und würden Fremde überhaupt nicht mögen. Dabei hatte ihm die Hochschule der Künste nach seiner Übersiedlung nach Berlin 2015 sogar eine Professur angeboten.

    Hornbach-Chef Albrecht Hornbach wird die öffentliche Aufregung über die Aktion einkalkuliert haben. Das Unternehmen ist mit einem Gruppenumsatz von knapp 4,4 Milliarden Euro und 160 Läden einer der großen Baumarktbetreiber in Europa.

    In Deutschland liegt Hornbach mit einem Marktanteil von elf Prozent jedoch nur auf Platz fünf hinter den Konkurrenten Obi, Bauhaus, Hagebau und Toom. Da ist es wichtig, die Bekanntheit weiter zu steigern. Verantwortlich für die provokanten Kampagnen von Hornbach ist die Werbeagentur Heimat. Und die hat Erfahrung mit solchen Shitstorms.

    Im vergangenen Jahr musste Hornbach einen Werbespot wegen angeblich rassistischer Klischees nach einer Beanstandung des Werberats sogar zurückziehen. Das dürfte dem Unternehmen beim Ai-Weiwei-Kunstwerk wohl eher nicht drohen.

    Mehr: Hornbach sieht sich wegen eines Werbespots mit Diskriminierungsvorwürfen konfrontiert.

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    0 Kommentare zu "Kunststar im Baumarkt: Warum der chinesische Künstler Ai Weiwei mit Hornbach zusammenarbeitet"

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