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Lanserhof 100 Millionen Euro für 68 Zimmer auf Sylt – Neues vom teuersten Hotel-Projekt der Republik

Der Österreicher Christian Harisch muss mehr eigenes Geld in den neuen Lanserhof investieren als ursprünglich gedacht. Er hat aber auch prominente Hilfe.
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Harisch setzt mit dem Lanserhof auf Sylt sein bisher größtes Bauprojekt um. 100 Millionen Euro soll das Gesundheitsresort kosten. Quelle: Carsten Dammann für Handelsblatt
Christian Harisch

Harisch setzt mit dem Lanserhof auf Sylt sein bisher größtes Bauprojekt um. 100 Millionen Euro soll das Gesundheitsresort kosten.

(Foto: Carsten Dammann für Handelsblatt)

Hamburg Wenn man sich nicht gerade auf der „Whiskymeile“ in Kampen herumtreibt, ist Sylt ein wunderbares Synonym für Entschleunigung: die Ruhe, die Stille, das ewige Mäandern der Gezeiten ...

Für einen wie Christian Harisch muss das manchmal zum Wahnsinnigwerden sein, auch wenn er das größte Bauprojekt seines Lebens ja genau wegen dieser formidablen Rahmenbedingungen in den Nordseesand am Lister Wattenmeer setzen will.

100 Millionen Euro soll sein 68-Zimmer-Lanserhof kosten, der jüngste und zugleich kostspieligste Spross seiner ebenso kleinen wie exklusiven Hotelkette. Wobei auch das schon wieder ein Etikett ist, das nicht so richtig passen will. „Gesundheitsresort“ trifft es eher, was Harisch bereits in Lans in Tirol, am Tegernsee und seit geraumer Zeit auch in Hamburg betreibt.

Nur gehen die Uhren auf Sylt einfach anders, sodass zuletzt Gerüchte über die Insel wehten über Baustopps, Finanzierungsprobleme und technische Schwierigkeiten. Alles Bullshit, wenn man Harisch fragt, den das richtig aufregen kann: „Der Lanserhof auf Sylt ist eine der größten Baustellen, die die Insel je gesehen hat. Da ist eine gesunde Skepsis der Bevölkerung doch völlig verständlich.“ Er versichert: „Die Arbeiten laufen trotz aller inselüblichen Probleme normal, und die Finanzierung ist gesichert.“ Einerseits.

Es sei ja eher dem Respekt vor den Insulanern geschuldet gewesen, dass man in den heißen Hauptsaison-Monaten die mit Lärm und Dreck verbundenen Bauarbeiten habe ruhen lassen. Andererseits: Eine „einzige Modifikation“ habe es tatsächlich gegeben: „Es war unvermeidbar, mehr eigenes Geld in die Hand zu nehmen, als wir ursprünglich geplant hatten. Da mussten wir alle unseren Sparschweinen tief in die Augen schauen“, verrät der gebürtige Tiroler dem Handelsblatt. „Auch mein Freund Johannes B. Kerner ist in der Errichtungsgesellschaft (nicht jedoch dem Lanserhof) als Investor dabei.“

68 Zimmer sollen in den geplanten Lanserhof entstehen. Quelle: ingenhoven architects
Lanserhof

68 Zimmer sollen in den geplanten Lanserhof entstehen.

(Foto: ingenhoven architects)

Ursprünglich war geplant, dass Kerner, Harisch und dessen langjähriger Freund und Geschäftspartner Stefan Rutter (mit dem Harisch in Österreich große Shoppingcenter betreibt) nur mit zehn Millionen Euro eigener Barschaft einsteigen. „Nun sind wir als Dreiergespann mit mehr als 30 Millionen Euro involviert. Die restlichen rund 70 Millionen werden von einem österreichischen Bankenkonsortium aufgebracht.“

Der Lanserhof sei aber „ausfinanziert, jetzt geht es darum, den Bau geordnet umzusetzen“. Das ist auch im Sinne von TV-Star und Co-Investor Kerner: „Als Christian Harisch mit der Idee auf mich zukam, in List einen Lanserhof zu bauen, war ich schnell begeistert – und bin gern beteiligt. Ich komme da quasi von der Produktseite: Mehrfach war ich Gast in den Lanserhöfen am Tegernsee und in Lans, daher bin ich vom Konzept wirklich überzeugt.“

Das wiederum beschreiben Spötter als raffiniert: sehr wenig Essen für sehr viel Geld. Doch damit ist die Lanserhof’sche Melange aus Eleganz, Luxus, Medizin und Ernährung, die in der klassischen Mayr-Kur wurzelt, wohl nur unzureichend beschrieben. Und erfolgreich ist es ja, aber geht es auf Sylt auch schnell genug voran?

Zuletzt machte ausgerechnet der Sand Probleme, der auf der gigantischen Baustelle ausgehoben und in der Inselnachbarschaft Munkmarsch wieder verteilt wurde. Die 70.000 Kubikmeter Aushub waren zu grob gefiltert worden und mit Bauschutt belastet. Also musste man die Prozedur wiederholen, was für die Zeitpläne zumindest nicht hilfreich ist: „Ob das Hotel Ende 2020 wie avisiert fertig wird oder ein bisschen später, ist nicht entscheidend“, steuert Harisch mittlerweile leicht um. „Wichtiger als die Schnelligkeit ist uns die Qualität. Insofern wäre Anfang 2021 auch kein Beinbruch.“

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Der Jurist, Immobilienfachmann und Gastronom aus ältestem Kitzbüheler Hotel-Adel (zu seinem Reich gehören in dem Wintersportort unter anderem das „Weisse Rössl“ und der „Schwarze Adler“) hat durchaus Erfahrung mit Fehlern: „Seien wir ehrlich: Beim innerstädtischen Lans Medicum in Hamburg haben wir anfangs so gut wie alles falsch gemacht, was man mit einem solchen Projekt falsch machen kann“, lacht er in seiner Hamburger Villendependance.

Zweimal musste er bei seinem ersten Innenstadtprojekt die Strategie anpassen. Nun aber laufe Hamburg mit dem Konzept ambulanter Medizin „hervorragend“. Ein Lanserhof in der Stadt ohne stationären Aufenthalt müsse schneller agieren als etwa am Tegernsee, wo Gäste eher zwei Wochen bleiben.

Dieses City-Konzept will Harisch 2019 auch in London realisieren, mit seinem dortigen Partner Arts Club, mit dem er die Idee dann auch endlich „im Ausland weiter ausrollen“ möchte. Zugleich ächzt Harisch, dass Sylt „derzeit sicher mehr als 50 Prozent meiner Arbeitszeit ausmacht“. Dabei will er eigentlich kürzertreten.

Er sei ja „keine One-Man-Show“. „Im Idealfall sollte es möglich sein, dass ich bereits in fünf Jahren das operative Geschäft wesentlich reduziere, wenn der Start des Sylter Lanserhofes sowie London erfolgreich läuft.“ Spätestens dann könnte er sicher mal Urlaub gebrauchen. Vielleicht in Gstaad oder St. Moritz. Dort würde Harisch mit dem Lanserhof auch noch gern starten.

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