Lebensmittel-Lieferdienst Elektrisch und minutengenau – Wie Frederic Knaudt Picnic groß machen will

Deutschland-Chef Frederic Knaudt will den Lebensmittellieferanten profitabel machen. Das Rüstzeug dazu hat er bei Rocket Internet erworben.
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Bei Rocket Internet arbeitete er an Projekten für Zalando und Glossybox. Quelle: dpa
Frederic Knaudt

Bei Rocket Internet arbeitete er an Projekten für Zalando und Glossybox.

(Foto: dpa)

Für den Geschäftserfolg tut Frederic Knaudt fast alles. Am kommenden Sonntag wird der Fan des 1. FC Köln in ein Trikot des ärgsten Rivalen Borussia Mönchengladbach schlüpfen und bei der Saisoneröffnungsfeier im Borussia Park Werbung für den Lebensmittellieferdienst Picnic machen. Auch eine Hüpfburg hat er organisiert, um seine wichtigste Zielgruppe, die jungen Familien, zu erreichen.

„Der persönliche Kontakt zu den Kunden bringt den Stein ins Rollen“, weiß Knaudt, der als Deutschlandchef des holländischen Start-ups Picnic etwas versucht, was viele in der Branche für praktisch unmöglich halten: deutsche Konsumenten für den Onlinekauf von Lebensmitteln zu begeistern. Denn bisher wird gerade mal ein Prozent aller Lebensmittel hierzulande übers Netz verkauft.

Picnic lässt sich davon nicht abschrecken. Mit Mönchengladbach nimmt das junge Unternehmen jetzt sein fünftes Liefergebiet in Deutschland in Angriff. Erst vor vier Monaten in Nordrhein-Westfalen gestartet, beliefert es in Meerbusch, Kaarst, Neuss und Düsseldorf-Oberkassel schon mehr als 5000 Haushalte, viele davon wöchentlich. Rund 30.000 potenzielle Kunden haben sich in Deutschland schon außerhalb des Liefergebiets registrieren lassen.

Knaudt hat dafür viel Überzeugungsarbeit geleistet. Auf Nachbarschaftsversammlungen hat der jugendlich wirkende 33-Jährige die Vorteile des Lieferdienstes erklärt, ist mit den Fahrern, die Picnic „Runner“ nennt, auf Tour gegangen. Aber das wichtigste Argument, sagt er, ist die Gratislieferung. Denn bei Picnic ist die Zustellung im Gegensatz zu Konkurrenten wie Rewe oder Amazon Fresh stets kostenlos. Er ist davon überzeugt, dass der Dienst trotzdem schwarze Zahlen schreiben kann.

In den Niederlanden, wo das Unternehmen schon kurz nach dem Start eine 100-Millionen-Euro-Finanzierung von mehreren Family-Offices bekam, arbeitet es in einigen seiner 55 Liefer-Städte schon profitabel.

Picnic geht zunächst in kleinere Städte

Der entscheidende Punkt: Picnic bietet keine Wunschzeiten, sondern liefert in jeder Straße nur einmal am Tag aus. So kann es die Bestellungen bündeln und damit die Kosten senken. Dafür wissen die Kunden über die App minutengenau, wann die Ware eintrifft. Ausgeliefert wird mit selbst entwickelten Elektrovans.

Udo Kießlich, Partner der E-Commerce-Beratung eTribes, sieht einen „erfolgreichen Markteintritt in Deutschland“. Was ihn überrascht: „Die Sortimentsbreite bei Picnic hat erstaunlich zugenommen seit dem Start im Frühjahr.“ Er hält es auch für klug, dass Picnic zumindest am Anfang eher in kleinere Städte geht, wo die Konkurrenz nicht so stark ist wie beispielsweise in Metropolen wie Berlin oder München.

Wie schwierig es ist, Onlinelieferdienste profitabel zu betreiben, weiß Deutschlandchef Knaudt nur zu gut. Er arbeitete nach dem Studium an der European Business School in Oestrich-Winkel ein Jahr beim Start-up-Inkubator Rocket Internet. Er betreute dort unter anderem Projekte für Zalando und Glossybox. 2012 war er Mitgründer des Kochboxenversenders Kochzauber. Doch drei Jahre später zogen sich die Investoren zurück, weil keine Gewinne in Sicht waren. Nur eine Übernahme durch Lidl rettete das Unternehmen vor dem kompletten Aus.

Bei Picnic geht das Team von Frederic Knaudt die Expansion deshalb behutsam an. Ob dieses Jahr noch eine weitere Stadt dazukommt, ist nicht sicher. Aber spätestens nächstes Jahr sind neue Trikots fällig – vielleicht vom MSV Duisburg oder den Krefeld Pinguinen.

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