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Lebensmittelkonzern Ende einer Ära: August Oetker verabschiedet sich in den Ruhestand

Zum 75. Geburtstag muss der Firmenpatriarch den Posten als Aufseher der Oetker-Gruppe räumen. Eine Erfolgsgeschichte, die im Familienstreit endete.
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Der Unternehmer war seit 2010 oberster Aufseher des Gütersloher Konzerns. Quelle: dpa
August Oetker

Der Unternehmer war seit 2010 oberster Aufseher des Gütersloher Konzerns.

(Foto: dpa)

HamburgDieser Sonntag wird für August Oetker ein einschneidender Tag: Der leidenschaftliche Unternehmer wird 75 Jahre alt. Damit muss er laut Satzung der Oetker-Gruppe in diesem Monat seinen Posten im Beirat, dem obersten Aufsichtsgremium, aufgeben.

Einer der profiliertesten deutschen Familienunternehmer verabschiedet sich damit endgültig in den Ruhestand – nach 28 Jahren als operativer Chef und seit 2010 als oberster Aufseher. Oetker hat das Familienunternehmen in dieser Zeit erfolgreich internationalisiert und die Gruppe um den Puddinghersteller, die Radeberger-Brauereigruppe und die Lampe-Bank mehrfach neu fokussiert.

Getrübt wird die Erfolgsbilanz des Urenkels des Firmengründers allerdings durch einen Streit mit seinen Halbbrüdern Alfred und Ferdinand Oetker, der seine Arbeit in den letzten Jahren seiner Amtszeit erschwerte.

Zuletzt hatte August Oetker durchgesetzt, dass erstmals in der Unternehmensgeschichte mit Albert Christmann ein familienfremder Manager an der operativen Spitze des Unternehmens steht. Die Entscheidung, Qualifikation vor Familie zu setzen, düpierte die jüngeren Halbgeschwister, die sich selbst Chancen auf den Posten ausgerechnet hatten.

Zuletzt sah es so aus, als könne der Streit sogar dazu führen, dass ein Nachfolger für August Oetker nicht rechtzeitig benannt werden könnte. Doch inzwischen zeichnet sich eine Lösung ab. Offenbar läuft es darauf hinaus, dass Rudolf Louis Schweizer neuer Beiratschef der Gruppe mit ihren gut sechs Milliarden Euro Umsatz wird. Nach Informationen des Handelsblatts wollen die jüngeren Gesellschafter den Kandidaten nicht verhindern.

Die Zahl der infrage kommenden Kandidaten ist sowieso stark beschränkt. Der Vorsitzende muss aus dem Kreis der sechs verbleibenden Beiratsmitglieder stammen. Davon stammen vier nicht aus der Familie: Christoph von Grolman, Chef der Holding TBG der Familie Thyssen-Bornemisza, Andreas Jacobs aus der Kaffeeerben-Familie, der ehemalige Otto-Gruppen-Chef Hans-Otto Schrader sowie die designierte Chefin des Medizintechnik-Unternehmens B. Braun, Anna Maria Braun.

Für den Vorsitz infrage kommt eigentlich nur eines der beiden Familienmitglieder: Neben Schweizer ist das Alfred Oetker. Die Konfliktlinien innerhalb der Familie begünstigen eindeutig Schweizer. Denn es haben sich spätestens seit einem Streit über den Verkauf der Reederei Hamburg-Süd an Maersk in den vergangenen Jahren zwei Lager gebildet: Auf der einen Seite stehen die drei jüngsten Geschwister aus der dritten, letzten Ehe von Rudolf-August. Zu ihnen gehört Alfred Oetker.

Auf der anderen Seite stehen die fünf ältesten Kinder des verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker, darunter neben dem bisherigen Familienoberhaupt August Oetker auch Schweizer.

Der 51-jährige Unternehmer ist der Sohn von Rosely Schweizer, der älteren Halbschwester von August Oetker aus der ersten Ehe von Rudolf-August Oetker. Der Miterbe des Automobilunternehmens Schweizer Group Murrhardt aus Baden-Württemberg folgte seiner Mutter in den Beirat nach, die 2010 ausgeschieden war. Er vertritt also die Mehrheit der acht gleichberechtigten Anteilseigner und dürfte daher auch die Stimmen der externen Beiräte bekommen.

Machtbalance soll gewahrt werden

Offenbar haben sich die drei jüngeren Geschwister um Alfred Oetker mit den Machtverhältnissen vorläufig abgefunden. Sie wollten die Mehrheitsverhältnisse im Beirat respektieren, heißt es aus dem Umfeld der Eigentümer.

Wenn Schweizer tatsächlich gewählt wird, kann Alfred Oetker zudem den Stellvertreter-Posten behalten. Damit würde die Machtbalance, die sich die Familie in den vergangenen Jahren des Ringens vor Schiedsgerichten gegeben hat, gewahrt.

Alfred Oetker setzt wohl seine Hoffnung darin, dass Schweizer der Enkelgeneration des verstorbenen Rudolf-August Oetker angehört und damit dessen jüngsten Söhnen Alfred (51) und Ferdinand Oetker (46) altersmäßig nähersteht als seinem ältesten Sohn August Oetker.

Die Erwartung ist, dass der Unternehmer eine größere Distanz zu dem Geschwisterkonflikt hat, in den wohl auch die für die Kinder unvermeidlich belastenden Trennungen und Wiederverheiratungen von Rudolf-August Oetker hineinspielen.

Offenbar wollen sich beide Seiten nach dem Ausscheiden von August Oetker wieder annähern. Für diesen in den Beirat nachrücken soll im April sein Sohn Philip Oetker. Der Oxford-Absolvent ist Vertriebschef bei der gegen die Überzeugung seines Vaters verkauften Reederei Hamburg Süd, bei der er seit 14 Jahren arbeitet.

Allerdings gibt es noch Risiken, da die Beiratssitzungen turbulent verlaufen können. Das zeigte sich zuletzt bei der Wahl der Unternehmerin Braun in das Gremium. Dabei kam es im Gremium offenbar zum Streit. August Oetker wertete angeblich Gegenstimmen der jüngeren Familienvertreter als Zustimmung.

Nur so sei das notwendige Quorum für die Personalie erreicht worden, bemängelten die jüngeren Geschwister. Sie gingen vor dem Landgericht Bielefeld gegen die Entscheidung des Beirats von Ende 2018 vor. Inzwischen soll der Streit offenbar runtergekocht werden.

Der Schritt vor das Gericht richte sich nicht gegen Braun persönlich, heißt es aus dem Umfeld der Oetker-Gesellschafter. Zudem ruhe das Verfahren. Ein Oetker-Sprecher sagte auf Anfrage, es sei noch nicht über die Nachfolge August Oetkers im Beirat entschieden. Das sei alleinige Aufgabe des Beirats, der nach seiner Sitzung „Ende März“ die Öffentlichkeit informieren wolle.

Klar ist: Keiner der künftigen Aufseher wird so tief im Unternehmen verwurzelt sein wie August Oetker, der sein ganzes Leben der Gruppe gewidmet hat. Er begann sein Berufsleben schon vor dem Studium mit einer Ausbildung in der damals noch familieneigenen Reederei.

Der Neue kommt aus der Autobranche

Der wahrscheinliche Nachfolger Schweizer strahlt mit seinen fast zwei Meter Körpergröße eine natürliche Autorität aus. Allerdings übt er diese im ererbten Automobilzulieferer aus. In Baden-Württemberg trat er gelegentlich in Erscheinung, wenn er sich etwa für eine Reform der EEG-Umlage einsetzte, die auch für sein Unternehmen die Energierechnung verteuert. Bislang hatte er eher mit Geschäftskunden wie Daimler zu tun, als Beiratschef von Oetker muss er die Trends im Handel und bei den Verbrauchern im Blick haben.

Indessen reformiert der von August Oetker berufene familienfremde Manager Albert Christmann trotz der schwelenden Konflikte die Gruppe derzeit recht erfolgreich. Dabei wirft er alte Glaubenssätze der Familie über Bord. So könnte Oetker bald auch Handelsmarken produzieren.

Zudem entdeckt die Gruppe plötzlich digitale Geschäftsmodelle – etwa im Getränkehandel per App. Es läuft operativ also auch ohne ein Familienmitglied im Chefbüro.

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