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LED-Technik Lichtdesigner Tobias Grau strahlt im Erfolg

Der Hamburger Leuchtendesigner Tobias Grau hat schon früh auf LED-Technik gesetzt. Das zahlt sich jetzt aus: Der Markt boomt wie nie.
15.07.2018 - 18:20 Uhr Kommentieren
Das Ehepaar führt die Firma von Beginn an gemeinsam. Quelle: PR
Franziska und Tobias Grau

Das Ehepaar führt die Firma von Beginn an gemeinsam.

(Foto: PR)

Rellingen Nur ganz selten muss Tobias Grau es noch ertragen, dieses grelle Licht der Energiesparlampen. Manchmal, da hängt diese Randnotiz der Leuchtengeschichte noch in Hotels oder Restaurants. Wer heute aber neue Lampen kauft, kommt um LEDs kaum mehr herum.

Tobias Grau, 61 Jahre alt, Chefdesigner der gleichnamigen Marke, hat schon früh auf die neue Technik gesetzt. Als die EU-Kommission 2009 den Deutschen ihre heiße wie heiß geliebte Glühbirne verbot, verkaufte Grau bereits seine erste LED-Schreibtischleuchte in Serie. In wenigen Jahren hat der Hamburger seine Firma einmal komplett umgedreht. Halogen, bis dato größter Verkaufsschlager, ist verschwunden. Abgesehen von ein paar Büroleuchten produziert Grau nur noch LED-Lampen.

„Mittlerweile übertrifft die Qualität unseres LED-Lichts in Teilen das der Halogenlampe“, sagt Grau an seinem großen Holzschreibtisch in Rellingen im Hamburger Speckgürtel, wo er die Entwürfe für alle seine Leuchten mit Bleistift zeichnet. Seine Produkte sind derzeit gefragt wie nie. Denn Licht spielt eine immer wichtigere Rolle – sei es in der Gastronomie, in Hotels oder in Flagship-Stores der großen Marken.

Wiedererkennbare Beleuchtungskonzepte und Lichtdesign gehören heute zur Corporate Identity dazu wie das Firmenlogo auf der Visitenkarte. Der LED gehört dabei die Zukunft. Die gesamte Branche rüstet gerade um.

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    Grau war bei LED-Technik zunächst skeptisch

    Auch, weil immer mehr Privatleute umsteigen – vom künstlich wirkenden Energiesparlicht und der alten Halogentechnik auf die LED. Mittlerweile kommen die Leuchtdioden viel natürlicher daher als früher, sie sind sparsam – und halten ewig. „Wer ein Radio kauft, fragt nicht, wann es kaputtgeht“, meint Grau. Bei einer Leuchte würden die Kunden manchmal noch fragen, wie man das Leuchtmittel wechseln könne. „Aber das ändert sich gerade.“

    Auch Grau war skeptisch. Er fand das Licht anfangs nicht schön. Doch die Aussicht, dass es irgendwann schön werden kann, hat ihn angetrieben. Grau denkt immer vom Design her. Und das einer LED-Leuchte brauchte einfach seine Zeit. „Ein Smartphone sieht anders aus als die ersten Handys. Ein Elektroauto anders als ein Benziner“, sagt er. „Man weiß als Designer nicht sofort, wie die Formsprache der Zukunft aussieht, man muss daher sehr viel zeichnen.“ Während viele Hersteller das Design überfrachten, stehen Graus Entwürfe eher für Schlichtheit. „Ich finde nicht, dass man eine LED-Leuchte an ihrem Äußeren erkennen muss.“

    Bei den Konsumenten ist die neue Technik längst angekommen. Knapp drei Viertel aller deutschen Haushalte verwenden laut Statistischem Bundesamt LED-Leuchten. Auch Lampen mit Farbtemperatursteuerung – blaue Farbtöne zum Wachwerden, Rottöne am Abend – sind immer gefragter. Die LED boomt wie nie. Und Grau ist von Anfang an dabei.

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    Entwicklung, Montage, Versand: Alles wird in Rellingen gemacht. Auch die Formen der Leuchten entstehen hier, die Konstruktion, die Entwicklung der Gießwerkzeuge. All die Daten werden dann zu Spezialisten geschickt, die die Produktion der Einzelteile umsetzen. Mit bis zu 400 Zulieferern arbeitet das Unternehmen zusammen. Auf 65.000 bis 70.000 Leuchten pro Jahr kommt Tobias Grau mittlerweile, beschäftigt 150 Mitarbeiter. Der Umsatz lag zuletzt bei 18 Millionen Euro.

    Für 2018 rechnet Grau „mit einem guten Wachstum“, auch die Zahl der verkauften Leuchten soll steigen. Erst Anfang des Jahres erweiterte Grau seine Produktion, baute eine zusätzliche Halle neben seine von Holz und Glas geprägte Firmenzentrale, die selbst wie ein Designerstück im sonst tristen Gewerbegebiet daherkommt.

    Design statt BWL

    Ursprünglich studiert Grau Betriebswirtschaft in München, aus Verlegenheit. Doch die Gestaltung fasziniert ihn mehr. An der Parsons School in New York belegt er Abendkurse, macht sich in den Achtzigern als Inneneinrichter selbstständig. Seine Kunden sind vor allem Werbeagenturen und Modeläden. „Damals habe ich nicht nur die Möbel selbst gezeichnet, sondern auch mit eigenen Leuchten begonnen“, erinnert er sich.

    Es ist die Anfangszeit der Halogenlampe. Grau spürt die Veränderung im Markt, fängt an, seine Leuchten in kleinen Auflagen zu verkaufen. 1987 stellt er zum ersten Mal auf der Möbelmesse in Köln aus. „Immer wenn es Techniksprünge gibt, ist es für kleinere Unternehmen eine Riesenchance.“

    Seine Leuchten vertreibt Grau heute deutschlandweit in sieben Shops. Alle Läden tragen sich selbst, betont er. „Sie haben stark dazu beigetragen, uns bekannter zu machen.“ Über das Internet und ausgesuchte Fachhändler ist er in 40 Ländern vertreten. Deutschland ist der stärkste Markt, dahinter kommen die Schweiz und die Niederlande. Neben dem Verkauf an Privatkunden boomt auch das B2B-Geschäft. Immer mehr Unternehmen buchen Grau für die gesamte Projektplanung, die Bestellung von Tausenden Leuchten inklusive. Wie etwa zuletzt bei KPMG in Berlin, beim Lanxess-Turm in Köln, beim Roche-Tower in Basel. Privat und Office – bei Grau macht es je ungefähr die Hälfte aus.

    Bei den Mitbewerbern schaut man mit Respekt auf den kleinen, aber feinen Leuchtendesigner. „Die Bekanntheit der starken Marke Tobias Grau aus dem Privatbereich hat den Einstieg in den B2B-Bereich beflügelt“, sagt Gerhard Waldmann, dessen Firma Waldmann im Bürobereich zu den größten Konkurrenten zählt. „Tobias Grau hat tolle Nischenprodukte“, sagt der Inhaber weiter, könne aber im Projektgeschäft „immer nur Teilbereiche mit dem bestehenden Portfolio abdecken“.

    Für Karsten Vierke, Geschäftsführer von Philips Lighting im deutschsprachigen Raum, haben die Grau-Leuchten „eine große Wiedererkennbarkeit“, sie zeichneten sich durch „norddeutsche Klarheit und den schnörkellosen, reduzierten Ansatz aus“. Zu Recht habe die Marke großen Erfolg.

    Immer neu erfinden

    Um am Markt zu bestehen, muss Grau sich ständig neu erfinden. Fünf bis sechs Produkte kommen pro Jahr dazu. Ein bis zwei Jahre dauert es bis zur Marktreife. Die erste Idee, die erste Zeichnung zeigt Grau immer seiner Frau Franziska, 53. Die beiden führen die Firma von Anfang an als Team, beide sind Geschäftsführer und Eigentümer. Er entwirft die Lampen, sie sorgt dafür, dass sie in den Handel kommen. Viel Freizeit haben die beiden nicht. Ab und an gehen sie ins Theater oder in die Oper, besuchen Konzerte. Zum Sport kommt Grau kaum, radelt, sooft es geht, die zehn Kilometer Dienstweg aus Hamburg raus.

    Vier Kinder haben die beiden. Zwei Söhne studieren Kunst, die Tochter Modedesign, der Jüngste Wirtschaft. Klingt nach der perfekten Geschäftsführung in ein paar Jahren. „Unsere älteren Kinder beraten uns schon jetzt und engagieren sich stark im Bereich der Kommunikation“, sagt Franziska Grau. Ein erster Leuchtenentwurf ihrer älteren Söhne wurde gar auf der letzten Leuchtenmesse in Frankfurt vorgestellt – „mit viel positiver Resonanz“. Druck aufbauen für die Nachfolge, das wollen die Graus aber nicht.

    Dafür macht es den Eltern ohnehin zu viel Spaß: Die Leuchten gewinnen einen Designpreis nach dem anderen, die Marke taucht in allen Luxusrankings auf. Und auch auf der großen Leinwand ist Tobias Grau längst angekommen. 2012 trudelte eine Mail vom Filmset ein: „Bill looks great in James Bond“. Bill, eine Schreibtischlampe von Grau, stand im Film „Skyfall“ bei Erfinder Q im Büro.

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