Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Leonard Diepenbrock Aus dem Boulevard-Journalismus in die Shampoo- und Duftwelt

Der frühere Boulevard-Moderator hat mit seiner Shampoo-Marke Jean & Len und dem Motto „ohne Gedöns“ innerhalb weniger Jahre die Regalmeter bei Rossmann & dm erobert.
Kommentieren
„Ich liebe es, Dingen Gestalt zu geben.“ Quelle: Julian Huke
Leonard Diepenbrock in seinem Flagshipstore in Köln

„Ich liebe es, Dingen Gestalt zu geben.“

(Foto: Julian Huke)

Köln Es ist nicht allzu lange her, da saß Leonard Diepenbrock noch in der Redaktionskonferenz bei RTL und diskutierte leidenschaftlich darüber, ob ein Beitrag über den Hund von Paris Hilton einen siebenminütigen Beitrag bei „Exclusiv“ tragen könnte.

Nun steht der 47-Jährige in einer Einkaufspassage am Kölner Neumarkt neben einem Regal blumenverzierter Shampoo-Flaschen, spricht über Nachfüllstationen für Flüssigseife und vegane Handtaschen – die will er bald in sein wachsendes Sortiment aufnehmen.

Es ist eine andere Welt, in der sich der frühere Boulevard- und Nachrichtenmoderator eingefunden hat. Klar, um Schein und Schönheit geht es jetzt auch noch, aber quasi auf der anderen Seite des Tresens. Auch Intuition und Leidenschaft sowie Diepenbrocks Gespür für Trends und sein Faible für Überraschungen sind hier essenziell für seinen Erfolg: 2013 hat er das Unternehmen Jean & Len gegründet – zuerst gab es ein Feuerwehrshampoo für Kinder, es folgten diverse Haar- und Hautpflegeprodukte, mittlerweile gibt es auch Reinigungsmittel, Duftkerzen, von Diepenbrock selbst kreierte Düfte.

Verbindendes Element: „ohne Gedöns“. Die Produkte punkten beim Trend, zu entsagen und zu verzichten: Sie sind vegan, „naturnah“, das heißt, sie kommen mit relativ wenig Chemie, Verpackung und Plastikanteilen aus. Und das schon zu Zeiten, „als Leute noch mailten: Ich mag euer Shampoo, obwohl ihr vegan sein“, sagt Diepenbrock und lacht.

Die Idee fürs eigene Geschäft hatte der Vater von zwei Söhnen irgendwann mittendrin im Leben, nachdem vor 13 Jahren plötzlich sein Schwiegervater gestorben war, der Eigner von Tox-Dübel-Technik im baden-württembergischen Krauchenwies. Diepenbrocks Frau Isabelle und er sprangen ein in der Geschäftsführung, pendeln nun wochenweise zwischen Köln und Baden-Württemberg. Sie schafften den Turnaround bei der im Wettbewerb bedrängten Firma mit 20 Millionen Euro Jahresumsatz.

Das Motto: einfach ausprobieren

Dann nutzte Diepenbrock die Chance, an einem dreijährigen Curriculum der Harvard Business School teilzunehmen. Der Austausch mit Top-Professoren und 120 CEOs aus der ganzen Welt „war für mich life-changing“, sagt Diepenbrock, „ich habe viel gelernt“. Die US-geprägten Manager vermittelten ihm dann die Haltung: „Ok, die eine Firma hast du in die Spur gebracht – aber hör nicht auf, such dir das nächste Ding.“

Selbstbewusst sagt er: „Mit Markenaufbau und Branding kenne ich mich aus.“ Er sei ja quasi in der Hamburger Werbeagentur seines Vaters aufgewachsen. „Als Kind lief ich durchs Atelier und konnte dort die Entwürfe für neue Packungen für Vivil-Bonbons sehen. Oder den Pitch für Bahlsen.“ Als er neun war, habe sein Vater mal nach der Werbepause den Fernseher ausgeschaltet und gesagt: „Schreib auf, an welche Spots du dich erinnerst.“

Diese Schule prägt ihn bis heute und ist auf den Packungen von Jean & Len abzulesen, deren Design er selbst verantwortet. „Ich liebe es, Dingen Gestalt zu geben.“ Ein kanadischer CEO mit Namen Jean – eine Bekanntschaft aus dem Harvard-Curriculum – belieferte ihn anfangs. In Kombination mit Diepenbrocks Spitznamen „Len“ war der Firmenname geboren, der heute mit einer Zeichnung zweier Gesichter die Packungen schmückt.

Das Muster, Dinge ohne langes Zaudern einfach auszuprobieren, ob es Produkte sind oder die Zusammenarbeit mit neuen Geschäftspartnern, zieht sich durch Diepenbrocks Schaffen. Seinen heutigen Lieferanten für Reinigungsmittel traf er zufällig im Zug und bat um Kooperation, als der ihm erzählte: Er habe ein Mittel, mit dem er das stinkendste Klo der Deutschen Bahn – übrigens in Frankfurt am Main angesiedelt – geruchsfrei gekriegt habe.

Von einem Spanier, dem er ebenso zufällig begegnete, nahm er Duftkerzen mit sizilianischem Zitronenaroma ins Programm. Und als Kunden den Geruch der Rosmarin-Ingwer-Seife lobten und nach Parfum fragten, mixte Diepenbrock den Duft – und verkauft es.

Das hört sich zuweilen beliebig an. Doch in Diepenbrocks erst vor wenigen Wochen neu eingerichtetem Flagship-Store in Köln fügt sich alles stimmig – liebevoll arrangiert, von ihm selbst. „Er ist hochkreativ und erkennt Marktpotenziale sehr zielsicher“, sagt Ulrich Maith, früherer Geschäftsführer für Markenbildung bei Rossmann, über Diepenbrock.

Und Xing-Gründer Lars Hinrichs, den er schon lange kennt, nennt Diepenbrock einen „Geschäftspartner wie im Bilderbuch, der nie mit dem Status quo zufrieden ist, eine unbändige gestaltende Kreativität hat – gepaart mit ganz viel Herz.“ Diepenbrock sei ein „rastloser Tausendsassa, der immer mit zehn Tellern in der Luft neue Firmen entwickelt, neu aufbaut und nebenbei Produkte erfindet und marktreif macht“, dabei „ein vorbildlicher Familienvater“. Seine Söhne hat er schon mit Unternehmergeist angesteckt: Sie backen alle zwei Wochen samstags in aller Frühe Brot im Steinofen, das sie dann in der Kölner Nachbarschaft ausliefern.

Rasantes Wachstum

Kulinarisches hat Diepenbrock noch nicht im Angebot, aber wahrscheinlich im Sinn. Mittlerweile umfasst sein Sortiment etwa 300 Artikel, von Haar- bis Zahnpflege, über Kinder- und Herrenprodukte bis hin zu Tees, zu Preisen von 2,99 bis 129 Euro. Zu kaufen sind die Artikel online sowie – immer ausgewählte Produkte – in 6000 Filialen bei dm, Rossmann, Rewe, Budnikowski und Edeka. Derzeit bedient er Kunden in der Dach-Region, in den Niederlanden und Frankreich, 2020 will er auch in Großbritannien eine Niederlassung haben.

Es ist ein rasantes Wachstum für einen Außenseiter. Und das in einem Markt, wo viele Beauty- und Pflegemarken-Riesen über Stagnation klagen. Wenige Jahre lang legte Jean & Len beim Umsatz um mehr als 50 Prozent zu, 2019 hat das Unternehmen mit 20 Mitarbeitern den Umsatz im Vorjahresvergleich noch mal um 15 Prozent auf 7,5 Millionen Euro gesteigert, im kommenden Jahr sollen es dann zehn Millionen Euro werden.

Wenn Diepenbrock, der einstige Paris-Hilton-Experte, solche Zahlen runterbetet, hört sich das lapidar, fast einfach an. Dabei gibt es ja auch noch das zweite Familienunternehmen, die Dübelfirma. Aber auch, wenn er meint, Jean & Len sei doch „eher eine Bewegung denn ein Unternehmen“, merkt man, welchen Spaß er am Unternehmersein hat.

„Es ist vor allem die Freiheit und die Kompromisslosigkeit, mit der ich Ideen einfach umsetzen kann, ohne jemanden zu fragen“, erzählt er. Er hebt einen seiner Bestseller hoch, die „Geile Rochen-Handcreme“, deren Namen an die glatte Haut der Tiere erinnern soll. „Wer kann so etwas einfach so nennen? Ich wüsste, wenn ich so etwas zum Beispiel als Werbeagentur vorschlagen würde – das ginge niemals durch.“

Mehr: Dieser Gründer wagt den veganen Neustart mit Naturkosmetik.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

0 Kommentare zu "Leonard Diepenbrock: Aus dem Boulevard-Journalismus in die Shampoo- und Duftwelt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.