Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Leonardo Del Vecchio Luxottica-Gründer beendet den Brillen-Krieg

Der Gründer von Luxottica versöhnt sich mit dem Fusionspartner Essilor und zieht sein Schlichtungsgesuch an die Internationale Handelskammer zurück.
Kommentieren
Der Luxottica-Gründer hat – auch mit Hilfe zahlreicher Zukäufe – ein Brillen-Imperium geschaffen. Quelle: Francois Bouchon/Le Figaro/laif
Leonardo Del Vecchio

Der Luxottica-Gründer hat – auch mit Hilfe zahlreicher Zukäufe – ein Brillen-Imperium geschaffen.

(Foto: Francois Bouchon/Le Figaro/laif)

RomWir haben heute eine Lösung gefunden, um die strategische Integration zu realisieren und das Prinzip ‚gleiche Rechte‘ zu berücksichtigen.“ Das erklärte Leonardo Del Vecchio, der Gründer des italienischen Brillenimperiums Luxottica, überraschend zum Wochenbeginn.

Damit endet nach knapp zwei Monaten die heftige Auseinandersetzung zwischen den beiden Chefs des vor zwei Jahren aus der Taufe gehobenen italienisch-französischen Optikriesen Essilor-Luxottica. Der Milliardendeal des Zusammenschlusses des weltgrößten Brillenherstellers mit dem französischen Spezialisten für Brillengläser war die Krönung des Lebenswerks des italienischen Managers.

Und auch Del Vecchios Gegenpart Hubert Sagnières gab sich zufrieden. „Mit dieser Entscheidung, die zu einem besseren Zusammenhalt führt, kann Essilor-Luxottica seinen Wachstumskurs beschleunigen“, sagte der Franzose.

Del Vecchio, der nächste Woche 84 wird, zog über seine Familienholdung Delfin die Anrufung der Internationalen Handelskammer für ein Schlichtungsverfahren zurück, das er Ende März auf dem Höhepunkt des heftigen Streits eingereicht hatte. Das Verfahren hätte Jahre gedauert.

Außerdem vereinbarten die beiden, jeweils den Managern ihres Vertrauens, Francesco Milleri und Laurent Vacherot, mehr Macht zu geben, damit die Integration beschleunigt werden kann, und zudem einen neuen CEO zu suchen.

Die Nachricht kommt kurz vor der Hauptversammlung des Imperiums am Donnerstag. Der Verwaltungsrat habe das Abkommen zwischen Essilor-Luxottica und Delfin einstimmig gebilligt, damit das Unternehmen sofort handlungsfähig werde, heißt es in einer Mitteilung.

Bei dem Streit der Giganten war nicht nur im direkten Kontakt viel Porzellan zerschlagen worden, es wurden auch Milliarden an Wert vernichtet. Ausgebrochen war der Brillen-Krieg, weil der „patron“, wie Del Vecchio im venezianischen Dialekt in Italien genannt wird, den Franzosen vorgeworfen hatte, das Fusionsabkommen der beiden von 2017 verletzt zu haben. Es habe der Respekt gegenüber den Verpflichtungen zu loyaler Zusammenarbeit in gutem Glauben gefehlt.

Dann folgte ein Interviewkrieg mit gegenseitigen Vorwürfen. Der Aktienkurs des in Paris gelisteten Konzerns mit rund 150.000 Angestellten und einem Erlös von 16 Milliarden Euro im Jahr 2018 ging in den Keller. Am Montag schlug die Nachricht vom Friedensschluss sofort mit einem Plus von 3,1 Prozent zu Buche.

Zahlreiche Zukäufe

Der „patron“, der sein Brillenimperium 1961 mit zehn Angestellten aus dem Nichts geschaffen hatte und heute nach Giovanni Ferrero der zweitreichste Mann in Italien ist mit einem von Forbes geschätzten Privatvermögen von 19,8 Milliarden US-Dollar, hat sich durchgesetzt. Das ist die Lesart in Italien.

Der Selfmademan gilt als Manager mit eigenem Kopf, der schwer das Kommando abgeben kann. Nach und nach verließen in den vergangenen Jahren vier CEOs Luxottica, bis er 2016 wieder selbst an die Spitze rückte – wie auch Luciano Benetton mit mehr als 80 Jahren wieder sein Unternehmen in die Hand nahm.

Nur in einem Punkt musste er nachgeben: Wie der Franzose Vacherot steht auch sein Luxottica-Intimus Milleri nun nicht mehr als künftiger CEO des Großkonzerns zur Verfügung. Ihn hätte er gern als Nachfolger gesehen, heißt es in Branchenkreisen. Doch Sagnières hatte sich in einem offenen Brief dagegen gewehrt. Jetzt soll gemeinsam gesucht werden. Die Mandate von Del Vecchio und Sagnières als Exekutiv- und Vizeexekutivdirektoren laufen bis Mai 2021.

Im eigenen Unternehmen laufen die Dinge bestens. Im ersten Quartal verbuchte Luxottica ein Plus von 7,5 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Vor allem in Nordamerika sind die Italiener erfolgreich. Del Vecchio hat seit Ende der Neunzigerjahre nach und nach immer mehr zugekauft.

So gehören zu Luxottica die Marken Persol, Vogue und Ray Ban sowie die Ketten Lenscrafters und Sunglass Hut. Vor der Firmenzentrale in Agordo im Kreis Belluno steht ein überdimensional großes Brillengestell einer klassischen Wayfarer.

Und erst vor ein paar Tagen war Facebook-Chef Mark Zuckerberg in Agordo. Del Vecchio flog mit ihm aus Mailand im Hubschrauber ein und zeigte ihm die Firmenzentrale. Offizielle Statements gab es nicht, aber mit Sicherheit ging es um künftige Geschäfte. Regina Krieger

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: Leonardo Del Vecchio - Luxottica-Gründer beendet den Brillen-Krieg

0 Kommentare zu "Leonardo Del Vecchio: Luxottica-Gründer beendet den Brillen-Krieg"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote