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Logistik Hermes macht Liefertochter dicht – zum Ärger von Kunden wie Hellofresh und Apple

Liefery hat sich zum begehrten Spezialisten für die Expresslieferung im Handel entwickelt. Doch der Dienst wird eingestellt – „aus strategischen Gründen“.
27.11.2020 - 20:54 Uhr Kommentieren
Das Ende der Hermes-Tochter kam sehr überraschend. Foto: Liefery
Liefery-Transporter

Das Ende der Hermes-Tochter kam sehr überraschend.

Foto: Liefery

Düsseldorf, Hamburg Den Mitarbeitern von Liefery stand das blanke Entsetzen im Gesicht, als die Geschäftsführung per digitaler Betriebsversammlung am Freitag das Aus verkündete. Die Muttergesellschaft Hermes hatte überraschend entschieden, dass der Spezialist für die taggleiche Lieferung nicht mehr in die strategische Ausrichtung passt und Ende Februar 2021 geschlossen wird. Rund 170 Jobs sind betroffen.

Dabei hatte Liefery zuletzt noch mit guten Zahlen geglänzt: Geschäftsführer Nils Fischer hatte Mitte Oktober in einem Interview gesagt, dass der Umsatz in diesem Jahr um 40 bis 50 Prozent steigen dürfte und das Unternehmen operativ profitabel arbeite.

Durch die Auswirkungen der Pandemie war die Nachfrage nach Zustellungen so stark gewachsen, dass Liefery gerade noch 20 neue Mitarbeiter eingestellt hatte. Auch eine Hermes-Sprecherin räumte am Freitag auf Nachfrage ein: „Ja, wesentliche Kennzahlen haben sich bei Liefery positiv entwickelt – zuletzt auch bedingt durch die Corona-Situation.“

Trotzdem erfolgt nun der Strategieschwenk. Die Hermes-Geschäftsführung begründet den Schritt mit „strategischen Erwägungen“. Dabei spart das Unternehmen in einer Mitteilung nicht mit Lob für das Tochterunternehmen und betont, dass Liefery „namhafte Händler überzeugen“ und insbesondere „mit digitalen Services und transparenter Empfängerkommunikation“ punkten konnte. Doch dieses Geschäft soll nun ausschließlich „aus der Hermes Germany heraus gestaltet“ werden.

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    Viele Geschäftspartner sind von der Entscheidung vor den Kopf gestoßen. Händler wie Rewe, Hellofresh, Nespresso, Apple, Würth oder Zalando vertrauen mit einem großen Teil ihrer Lieferungen auf das 2014 von den heutigen Geschäftsführern Nils Fischer und Jan Onneberg gegründete Start-up. Eine vergleichbare Alternative bis Ende Februar zu finden dürfte praktisch unmöglich sein.

    Hermes hatte Liefery wohl zunehmend als Konkurrenz im eigenen Haus empfunden. Zumindest betont Hermes Germany in der Mitteilung, dass es mit der Investition dreistelliger Millionenbeträge in zusätzliche Standorte und Sortiertechnologie die eigene Leistungsfähigkeit in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut habe – und zwar im Bereich der Lieferung am Folgetag, wo auch Liefery seinen Schwerpunkt hat.

    Hermes selbst kann den Service der Tochter nicht ersetzen

    Hermes selbst sei jedoch nicht im Geringsten in der Lage, den Service zu ersetzen, den Liefery heute leistet, sagt ein Insider. „Dort, wo es sinnvoll ist und operativ in Betracht kommt, werden wir Angebote für Auftragsvergaben durch Hermes prüfen und natürlich generell mit den Auftraggebern das Gespräch suchen“, sagte eine Hermes-Sprecherin vage auf Nachfrage. Sie bestätigte aber zugleich, dass Hermes den Kunden keine klare Perspektive geben könne: „Stand heute können wir dazu noch keine abschließende Aussage treffen.“

    Besonders hart trifft das den Modehändler Asos. Als exklusiver Lieferpartner stellt Liefery für den Onlinehändler in allen deutschen Ballungsgebieten die Pakete zu, teils noch am Tag der Bestellung. In Berlin verteilt es dafür in einem besonders beachteten Pilotprojekt die Ware mit Elektrofahrzeugen, die mit dem Logo von Asos versehen sind. Im Markt gibt es nur wenige Spezialisten, die diesen zeitkritischen Service so leisten könnten – und deren Kapazitäten sind ausgebucht.

    Im Unternehmen wird vermutet, dass die Einstellung von Liefery auch mit dem Einstieg eines neuen Investors bei Hermes zusammenhängt: Die Hermes-Mutter Otto Group hatte 25 Prozent von Hermes Germany an den Finanzinvestor Advent verkauft. Nun solle die Organisation gestrafft und sollen die Investitionen auf Hermes konzentriert werden. Da störte Liefery offenbar, das unter dem Strich zurzeit noch keine Gewinne macht.

    „Die Partnerschaft mit Advent und der Marktaustritt von Liefery sind voneinander unabhängig zu betrachten“, sagte die Hermes-Sprecherin. Sie betonte aber auch: „Beide Entscheidungen zahlen auf das Ziel ein, das Kerngeschäft von Hermes innerhalb eines hochdynamischen und wettbewerbsintensiven Marktumfeldes weiterzuentwickeln, um erfolgreich wachsen zu können.“

    Von Kunden ist zu hören, dass sie spontan überlegt hatten, die Dienste von Liefery zu übernehmen und in Eigenregie weiterzuführen. Möglich sei das durchaus gewesen, wird doch der eigentliche Transport von einem Netzwerk von 5000 Paketfahrern geleistet, die als Subunternehmer organisiert sind. Doch da habe es aufseiten von Hermes kein Entgegenkommen gegeben. Offenbar war die Angst vor Konkurrenz zu groß, heißt es.

    Mehr: Versandhändler Otto findet Partner für die Logistiktochter Hermes

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