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Logistik Online-Spedition Instafreight startet Lkw-Linie nach China

In Chinas Häfen und Bahnhöfen staut sich die Ware, den Preis für Luftfracht hat die Coronakrise in die Höhe getrieben. Das will ein deutsches Start-up ausnutzen.
11.05.2020 - 10:17 Uhr Kommentieren
Bis zu 5000 Tonnen Fracht sollen in den nächsten Wochen per Lkw nach China gehen. Quelle: Marcus Reichmann
Online-Spediteur Philipp Ortwein

Bis zu 5000 Tonnen Fracht sollen in den nächsten Wochen per Lkw nach China gehen.

(Foto: Marcus Reichmann)

Düsseldorf Privat fährt Philipp Ortwein am liebsten Zweirad, wenn er Zeit dazu findet. Beruflich dagegen stößt sein Hang zu ökologischer Fortbewegung an enge Grenzen: Seit 2016 verdient der Gründer des Berliner Logistik-Start-ups Instafreight sein Geld damit, möglichst viel Schwerlastverkehr auf die Straße zu bringen.

Seit Mitte April geht die von ihm geführte Online-Spedition, eine Beteiligungsfirma der Start-up-Schmiede Rocket Internet, darüber hinaus auf Rekordjagd. Die bis zu 10.800 Kilometer lange Transportstrecke von Deutschland bis in den Osten Chinas, so unterbreitet es Ortwein nun Industrie und Handel, soll bis auf Weiteres mit dem Lkw gemeistert werden – und das in rund 16 Tagen.

Mit der Offerte attackiert der 35-Jährige den Verbund internationaler Schienenverkehrs-Unternehmen, die Chinas Metropolen per Güterzug mit Deutschland verbinden. Ihn nutzt etwa BASF, um Chemieladungen zwischen Ludwigshafen und der zentralchinesischen Stadt Xi‘an auszutauschen, BMW schickt von Leipzig aus komplett zerlegte 1er-Modelle auf der Schiene ins Reich der Mitte.

Nun erhält die eiserne Seidenstraße eine mächtige Konkurrenz auf Gummireifen. „Unsere Frachtführer transportieren die Ladung stets von Tür zu Tür“, wirbt Instafreight-Geschäftsführer Ortwein für sein Logistikkonzept. „Der zeitaufwendige Vor- und Nachlauf vom und zum Bahnterminal entfällt.“ Mehrere Hundert Lkw schickte er in den letzten Tagen bereits auf die Reise.

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    Es sind die Verwerfungen durch die Corona-Pandemie, die den ehemaligen Bain-Berater auf das Angebot brachten. „Die Produktionsunterbrechung in China hat enorme Lieferrückstände verursacht“, beobachtet der Mannheimer Uniabsolvent. Nicht nur in den chinesischen Häfen staue sich die Ware, auch an den Verladerampen der Eisenbahnverbindung werde es eng.

    15.000 Euro für eine Transportfahrt

    Gleichzeitig hofft er, Luftfrachtanbietern Marktanteile entreißen zu können. Wegen der gestrichenen Passagierflug-Verbindungen – fast die Hälfte der Fracht wird in den Bäuchen der Personenjets transportiert – wurden sie in den vergangenen Wochen zum Flaschenhals. „Dort sind die Preise derzeit absurd hoch“, berichtet Ortwein. „Für 100 Tonnen Luftfracht werden mitunter eine Million Euro fällig.“

    Die Lücke soll nun der Lkw schließen. Die Routen führen über Polen, Weißrussland, Russland, Kasachstan oder die Mongolei. An Chinas Grenze erwartet die Spedition zudem ein Fahrer- und meist auch Fahrzeugwechsel. Die wegen Corona durch Pekings Regierung verhängten Ein- und Ausreiseregelungen verlangen es so. Eine Transportfahrt mit dem 24-Tonner kostet knapp 15.000 Euro – und verschlingt damit nicht einmal ein Zehntel dessen, was ein Frachtflieger verlangt.

    Ein Schnäppchen ist das Angebot dennoch nicht, weshalb Lkw auf dieser Route bislang meist nur Lithium-Batterien oder andere Gefahrgüter beförderten, denen der Schienentransport verwehrt ist. Traditionelle Speditionen berichten, der Zug koste – trotz derzeit steigender Tarife – im Vergleich nicht einmal die Hälfte.

    Wie sie bewirbt sich Ortweins Start-up immer dann um Aufträge, wenn große Verlader wie Siemens oder Ikea einzelne Tender ausschreiben. Über ein eigenes Onlinesystem, an das rund 12.000 selbstständige Fuhrunternehmen angeschlossen sind, vermitteln die Berliner das Transportvolumen anschließend weiter. Die Handelsmarge von acht bis zehn Prozent reichte bislang allerdings nicht, das Start-up in die schwarzen Zahlen zu befördern.

    2018 kamen 3,6 Millionen Euro Verlust zusammen, was im Juni 2019 eine erneute Finanzierungsrunde mehr als ausglich. „In den nächsten ein bis zwei Jahren dürften wir die Gewinnschwelle erreichen“, hofft der Geschäftsführer. Das neue Engagement auf der Seidenstraße könnte nun dabei helfen.

    Mehr: Die Coronakrise treibt Trucks auf die Seidenstraße.

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