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Logistikhelfer Wie das Start-up Forto in der Krise wachsen konnte

Forto-Mitgründer Ferry Heilemann will sich künftig stärker dem Klima zuwenden. Ein ehemaliger Amazon-Manager berät künftig den Vorstand.
28.05.2020 - 13:32 Uhr 1 Kommentar
Von links: Michael Wax (CCO), Ferry Heilemann, Erik Muttersbach (CTO) und Michael Ardelt.
Die bisherige Forto-Führung

Von links: Michael Wax (CCO), Ferry Heilemann, Erik Muttersbach (CTO) und Michael Ardelt.

Düsseldorf Das Logistik-Start-up Forto, das bis vor einigen Wochen noch als Freighthub firmierte, stellt seine Geschäftsleitung neu auf. Dazu verstärkt sich das Berliner Unternehmen mit einem erfahrenen Manager des Logistikriesen Amazon. Während Mitgründer Ferry Heilemann die Geschäftsführung verlässt, steigt Christoper North als Berater in das Führungsteam ein. Der Plattform-Experte hatte fünf Jahre lang von Großbritannien aus das Europageschäft von Amazon mitgeführt.

Forto wurde 2016 von den Brüdern und Seriengründern Ferry und Fabian Heilemann mitgegründet. Es vermittelt Transportkapazitäten für Land-, Luft- und Seefracht weiter. Daneben entwickelt es eine Software, die den gesamten Logistik-Prozess von der Bestellung bis zur Anlieferung ins Lager abdeckt.

Im April 2019 schloss das Unternehmen seine Finanzierungsrunde B in Höhe von 30 Millionen US-Dollar ab. Forto gilt als eine der ambitioniertesten deutschen Techfirmen im Geschäftskundenbereich und treibt die Digitalisierung der Industrie voran.

Mitgründer Ferry Heilemann wird seinen Posten als CEO Anfang Juni allerdings aufgeben und das Unternehmen künftig nur noch als Vorsitzender des Gesellschafterbeirats begleiten. Das verbleibende Führungsteam aus den Mitgründern Michael Wax und Erik Muttersbach sowie COO Michael Ardelt leitet das Unternehmen künftig als Co-Geschäftsführer.

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    „Ich bin gut darin, Firmen zu starten“, sagte Heilemann dem Handelsblatt. Er habe dem Unternehmen in den ersten viereinhalb Jahren geholfen, Talente zu werben, die Kultur mitzugestalten und Finanzmittel einzuwerben. „Wir sehen uns jetzt auf Augenhöhe mit größeren Mitbewerbern“, sagte Heilemann.

    Forto ist in der Coronakrise stark gewachsen. „Unsere Firma durfte durch die aktuelle Situation Rückenwind erfahren“, sagte Mitgründer Michael Wax. Die ohnehin schon ambitionierten Wachstumspläne würden übererfüllt. Vom ersten zum zweiten Quartal rechnet Forto mit einem Umsatzwachstum von 100 bis 110 Prozent.

    Dabei profitiert das Unternehmen auch von seiner modern aufgestellten Kundenbasis, die stark im Onlinehandel aktiv ist. Einbrüche im stationären Handel hatten somit kaum Auswirkungen auf das Geschäft von Forto.

    Logistik für Amazonhändler

    Ein wichtiger Geschäftsbereich für das Unternehmen sind Dienstleistungen für Handelspartner des US-Konzerns Amazon. Der Handelsriese ist einer der größten Gewinner der Krise. „Wir sind heute schon europaweit einer der bekanntesten Dienstleister für Amazon-Marketplace-Teilnehmer“, sagte Wax. „Wir helfen diesen Unternehmen, Waren aus China, Thailand, Indonesien möglichst reibungslos nach Deutschland und Europa zu importieren und diese dann über die Plattform zu verkaufen.“

    Mit dem Erfolg von Amazon sei auch das entsprechende Geschäft von Forto gewachsen. Daran will das Unternehmen in der Zukunft anknüpfen. Auch mithilfe eines Managers, der sich bestens mit Amazon und dessen Geschäftsmodell auskennt.

    Christopher North soll Forto künftig als Strategieberater unterstützen. Insgesamt war er zehn Jahre für das Unternehmen tätig. In dieser Zeit führte es unter anderem die Lieferung am selben Tag ein. Christopher North habe die Firma in Großbritannien beim 14-fachen Wachstum begleitet, sagte Michael Wax. Es gebe viele Ähnlichkeiten zwischen den Geschäftsmodellen. „Wir freuen uns, dass wir mit ihm jemanden gewinnen konnten, der diese Skalierungsschritte schon mal durchlebt hat und uns unterstützen kann.“

    Das Unternehmen sieht mit Norths Entscheidung auch seine eigene relevante Position in einem wachsenden Feld von digitalen Logistikanbietern bestätigt. Denn das Unternehmen ist nicht alleine in diesem Segment unterwegs. Die Berliner Onlinespedition Sennder konnte im vergangenen Jahr 100 Millionen Dollar Wachstumskapital einsammeln.

    Ein weiterer ambitionierter Marktteilnehmer ist die Spedition Instafreight. Das Gründungsgeschehen und das Engagement der Investoren zeigen, wie viel Potenzial in der Digitalisierung der Branche gesehen wird. Auch aus dem Ausland drängen Wettbewerber in den Markt. Und die etablierten Speditionen sind gewillt, in der Zukunft der Logistik ebenfalls ihre Rolle zu spielen. Bei Forto ist unter anderem die dänische Reederei Maersk investiert, der weltgrößte Seecontainertransporteur. Daneben zählen namhafte Start-up-Investoren zu den Geldgebern.

    Auch in der Krise hat sich laut dem Forto-Management die Überlegenheit der digitalisierten Logistik bewiesen. „In dynamischen Zeiten wie heute ist es wichtig, zu jedem Zeitpunkt genau die Daten zu haben, um die richtige Entscheidung zu treffen. Das können wir liefern“, sagte Michael Ardelt.

    Lieferwege in Echtzeit

    Durch die digitale Abbildung des gesamten Lieferprozesses hätten Kunden jederzeit auf die aktuellen Entwicklungen in der Pandemie reagieren können – etwa auf Probleme beim Lkw-Transport in China, die Sperrung von Flughäfen und die Schließung von Grenzen.

    Während Logistikkunden in der Vergangenheit nur einmal die Woche eine Tabelle mit Informationen bekommen hätten, wann ihre Ware wo ankommen würde, könnten sie heute jederzeit auf die Forto-Plattform gehen und sehen, wo genau ihre Ware sich befindet.

    „Ich kann im Lieferprozess noch mal von Luftfracht auf Seefracht wechseln, weil ich genau weiß, wo meine Ware ist“, erklärt Technologiechef Erik Muttersbach. Oder der Kunde entscheide sich, seine Ladung in China zu lassen, weil das Warenlager noch voll sei und er derzeit nicht abverkaufen könne.

    Mit solchen Fragen will sich Ferry Heilemann künftig weniger beschäftigen. „Passion und Expertise für Logistik-Technologie spielen in der Unternehmensführung eine immer wichtigere Rolle“, sagte er. Aber: „Für mich persönlich ist die Klimakrise innerhalb der letzten fünf Jahre zum größten Thema geworden.“ Der Gründer hatte im vergangenen Jahr die Initiative „Leaders for climate action“ ins Leben gerufen, in der sich vor allem deutsche Start-ups gemeinsam gegen den Klimawandel engagieren.

    Beißt sich das zu sehr mit dem Thema Logistik? Nein, sagt Heilemann: „Forto leistet einen großen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel und ist als Firma von Anfang an klimaneutral. Auf dem Weg werde ich Forto weiter unterstützen.“

    Mehr: Amazon will offenbar beim autonomen Fahren zukaufen

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    1 Kommentar zu "Logistikhelfer: Wie das Start-up Forto in der Krise wachsen konnte"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Was heute fast jede halbwegs vernünftige Dorfspedition kann, wird mit hunderten Millionen zugeschüttet. Man fast es nicht.

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