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Lucas von Cranach Onefootball-Gründer sieht sich als Fußballfan – aber nicht als geborener Manager

Der Sport-App-Gründer hat bekannte Investoren wie Adidas gewonnen. Seine Stärken sieht er jedoch nicht im Management – und holt sich prominente Hilfe.
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Der Nachfahre des berühmten Malers ist begeisterter Anhänger des 1. FC Köln. Quelle: Onefootball
Lucas von Cranach

Der Nachfahre des berühmten Malers ist begeisterter Anhänger des 1. FC Köln.

(Foto: Onefootball)

Berlin An der Wand gegenüber vom Empfang hängen die Fotos aller Mitarbeiter von Onefootball in Berlin. Gut 170 Aufnahmen dürften es sein. Lucas von Cranach, 41, hat seine Fußballfirma vor zehn Jahren gegründet.

Der Betriebswirt bemüht sich redlich, die Namen aller Angestellten und den Start-up-Geist in der Firma zu erhalten. Ein Blick auf die Bildergalerie aber zeigt: Aus Onefootball ist ein veritabler Mittelständler geworden.

Das Nachrichtenportal für Fußballfans müsse nun ganz anders geführt werden als in den Anfangstagen, hat von Cranach erkannt – und gibt zu: „Meine Stärke ist das Produkt und die unternehmerische Vision. Ich bin nicht als Manager auf die Welt gekommen, entwickle mich aber stetig weiter und möchte von anderen lernen.“

Daher holt sich der Unternehmer in diesen Tagen professionelle Verstärkung an Bord. Der ehemalige Chef des Sportkonzerns Puma, Franz Koch, 39, hat sein Büro bereits Anfang September bezogen. Er ist der neue Chief Operating Officer von Onefootball. Patrick Fischer, der zuletzt den Werbezeitenvermarkter Sport 1 Media führte, begann Anfang Januar als Chief Business Officer, also als Vertriebschef.

Von Cranach hofft, dass die zwei erfahrenen Unternehmenslenker neue Strategien entwickeln, die internen Abläufe professioneller gestalten, zusätzliche Geschäfte erschließen, kurzum, Onefootball deutlich voranbringen. „Von beiden kann ich lernen“, meint er: „Ich habe immer geschaut, dass ich Leute einstelle, die besser sind als ich.“

In einem scheint der Rheinländer freilich unübertroffen: Von Cranach versteht es meisterhaft, sich und seine Ideen zu vermarkten. So ist es ihm gelungen, eine illustre Schar von Investoren anzuziehen.

Der frühere Adidas-Chef Herbert Hainer gehört zu seinen Geldgebern, auch Daniel Hopp ist dabei, der Sohn von SAP-Gründer Dietmar Hopp. Der Google-Vorstand Philipp Schindler hat investiert, dazu kommen Unternehmerfamilien wie die Schadebergs, die hinter der Krombacher-Brauerei stehen, sowie die Oetkers. Risikokapitalgeber wie Union Square Ventures und Earlybird sind ebenfalls eingestiegen.

25 Millionen Nutzer im Monat

Der Sportkonzern Adidas sei seit 2015 dabei, sagt Finanzvorstand Harm Ohlmeyer. Investitionen in Onefootball und andere innovative Start-ups seien für den Turnschuh-Hersteller eine Möglichkeit, „früh Trends zu erkennen, disruptive Technologien besser zu verstehen und möglicherweise gemeinsam weiterzuentwickeln und Marktchancen zu nutzen“.

Zusammen haben die Investoren von Cranach einen zweistelligen Millionenbetrag überlassen. Zu den genauen Zahlen schweigt der Gründer. Er selbst sei noch mit knapp einem Fünftel der Anteile beteiligt.

Der Nachfahre des berühmten Renaissancemalers ist ein Fan des 1. FC Köln. In seiner Jugend hat er jedes Spiel seines Vereins im Stadion mitverfolgt. Noch heute fährt er, wann immer es geht, an den Rhein, um seiner Mannschaft am Spielfeldrand die Daumen zu drücken.

Weil ihm die Fußballseiten im Internet nicht gefielen, gründete er 2008 die Vorläuferfirma von Onefootball, sie hieß „iLiga“. Der erste Geldgeber für das Sportportal stammte aus Bochum, so zog der Betriebswirt erst einmal ins Ruhrgebiet. Dort waren die Büros umsonst, aber es fehlten die nötigen Internetspezialisten.

2010 siedelte er daher um nach Berlin. „Die Stadt hat sich damals zum internationalen Kreativzentrum entwickelt“, erinnert sich von Cranach. Heute residiert die Firma in einem Hinterhof in Prenzlauer Berg, in Gesellschaft anderer, junger Unternehmen wie Home24.

Früher als andere erkannte der redefreudige Fußballnarr, dass der beste Weg zum Konsumenten die App auf dem Smartphone sein würde; und nicht die Homepage, die Anfang des Jahrzehnts noch das Nonplusultra für Onlinefirmen zu sein schien. Heute erreicht er eigenen Angaben zufolge 25 Millionen Fußballbegeisterte pro Monat.

Den Nutzern bietet von Cranach Fußballnachrichten aus der ganzen Welt, hochpersonalisiert nach den Vorlieben eines jeden Einzelnen. Er bedient sich bei 25 000 Quellen, also Zeitungen, Sportmagazinen oder Bloggern, und bündelt die Nachrichten auf seiner App. Geld will das Unternehmer mit Werbung verdienen, die große Konzerne wie Adidas, Sky oder Nike schalten. Zu Umsatz und Gewinn macht von Cranach keine Angaben, nur so viel: Im deutschsprachigen Raum sei das Portal profitabel, insgesamt aber defizitär. Ein Zuschussgeschäft sind demnach Auslandsmärkte wie Brasilien oder Mexiko.

Freiraum für die Topmanager

„Ich bin der größte Fan und Nutzer meiner eigenen Produkte“, sagt von Cranach – und zieht sein Smartphone aus der Tasche. Natürlich hat er die News des 1. FC Köln abonniert.

Wer bei Onefootball anheuert, bekommt ein Fußballtrikot mit seinem Vornamen. Auch in dem von Glaswänden umrahmten Büro von Franz Koch hängt ein solches grünes Leibchen. Von Cranach sei ein kommunikativer, motivierender Mensch, meint der Ex-Boss der Sportmarke Puma; ein talentierter Netzwerker, der über sich und seine Arbeit viel nachdenke.

Er habe es sich gründlich überlegt, bevor er bei von Cranach unterschrieb, erläutert Koch: „Wir haben uns über mehrere Monate hinweg immer wieder getroffen. Er hat mich mit seiner Vision von Onefootball überzeugt.“ Gemeinsam würden sie jetzt große Ziele verfolgen, und zwar langfristig: „Hier möchte ich gerne die nächsten Jahre bleiben und dabei helfen, Onefootball zu einem globalen Champion zu machen.“

Von Cranach sieht Onefootball als Weltmarktführer unter den Fußball-Apps und will global neue Nutzer gewinnen. So ist er zu dem Schluss gekommen, dass er seinen zwei neuen Topmanagern in jedem Fall den nötigen Freiraum geben muss. „Sie verstärken das Managementteam und sollen Entscheidungen treffen“, betont er.

Tatsächlich stehen in den nächsten Monaten und Jahren eine ganze Reihe von Weichenstellungen an. Onefootball könnte sich den Videospielern öffnen, dem sogenannten E-Sport. Denkbar wäre auch, Klubs, Spieler oder Verlage enger einzubinden und ihnen, gegen Bezahlung, eine Plattform zu bieten. Zudem könnten Sportwetten für zusätzliche Umsätze sorgen.

Einen Entschluss kann ihm niemand abnehmen: Früher oder später muss er sich überlegen, wie er das Geld seiner Investoren wieder einspielen will. „Das ist ein Thema, mit dem wir uns regelmäßig beschäftigen“, sagt von Cranach. Es sei jedoch noch alles offen.

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