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Luftfahrt Die Germania-Insolvenz könnte für Ex-Chef Karsten Balke teuer werden

Der ehemalige CEO der Airline soll für die Pleite zahlen. Der Umstand befeuert Gerüchte über angeblich fragwürdige Deals des Rechtsanwalts.
08.01.2020 - 04:13 Uhr Kommentieren
Der Manager ist Rechtsanwalt, machte seine Ausbildung in Berlin, Bilbao und Melbourne. Quelle: imago/Robert Michael
Karsten Balke

Der Manager ist Rechtsanwalt, machte seine Ausbildung in Berlin, Bilbao und Melbourne.

(Foto: imago/Robert Michael)

Frankfurt Die Summe ist furchteinflößend – zumindest für eine einzelne Person. Karsten Balke soll zusammen mit einem weiteren Manager der insolventen Fluggesellschaft Germania 381,4 Millionen Euro bezahlen. Das fordert Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg vom früheren Chef der Airline.

Außerdem will Wienberg von einer Beteiligungsfirma Balkes weitere 60 Millionen Euro. Der Insolvenzexperte sieht den ehemaligen Firmenlenker wegen der Pleite der Fluggesellschaft mit ihren einst 1700 Mitarbeitern und etwas weniger als 40 Flugzeugen offensichtlich klar in der Haftung.

Das Vorpreschen des Verwalters befeuert alte Gerüchte rund um die Person Balke. Bis zum Aus von Germania im Februar vergangenen Jahres waren in der Branche immer wieder Spekulationen über angebliche finanzielle Schwierigkeiten hochgekommen.

Germania war ein kompliziertes Konstrukt und galt als intransparent. Hinzu kam: Balke verordnete der Airline nach der Pleite von Air Berlin ein rapides Wachstum und wollte die Flotte für viel Geld komplett modernisieren. Wie das recht kleine Unternehmen alles das bezahlen sollte, blieb unklar.

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    Zu ehrgeizige Pläne

    Am Ende scheiterte Germania aus mehreren Gründen. Die Airline warf nie genug Gewinn ab, um die eigenen Pläne zu finanzieren und gleichzeitig in Krisen zu bestehen. Das rächte sich im Jahr 2018, als der gesamte Luftverkehr infolge der Air-Berlin-Insolvenz in Unordnung geriet. Ein immenser Preiskampf, hohe Aufwendungen für Entschädigungen für Verspätungen und Flugausfälle – das war schlicht zu viel.

    Seitdem läuft die Aufarbeitung der Insolvenz. Im Mittelpunkt steht dabei die Person Balke und seine enge Verflechtung mit dem Unternehmen und der Familie des Airline-Gründers Hinrich Bischoff. Balke, Jahrgang 1973, ist Rechtsanwalt, machte seine Ausbildung in Berlin, Bilbao und Melbourne.

    Bis heute wird er als Partner der Kanzlei Casimir, Vogt & Weinreich in Berlin aufgeführt. Hier beginnt auch die Verbindung zwischen ihm und Germania. Zur Mandantschaft der Kanzlei gehörte Hinrich Bischoff. Balke kümmerte sich unter anderem um Liegenschaften der Familie auf Mallorca.

    Nach dem Tod von Bischoff im Jahr 2005 bekam Balke von der Witwe zunehmend mehr Aufgaben übertragen, wurde erst Generalbevollmächtigter und erhielt schließlich sukzessive die Anteile an Germania überschrieben. Das geschah über komplizierte Konstruktionen und war auch nicht ganz reibungslos. Die Familie Bischoff ist zerstritten. Immer noch läuft ein Verfahren, das ein Sohn angestrengt hat, der auf eine höhere Auszahlung des Erbes pocht.

    Balkes Bilanz als Airline-Manager ist nicht ungetrübt. 2012 etwa startete er mit Gambia Bird einen Ableger für Flüge von und nach Westafrika. Schon 2014 musste die Airline ihren Betrieb wegen wirtschaftlicher Erfolglosigkeit wieder einstellen. Der Fehlschlag belastete über mehrere Jahre das Eigenkapital stark.

    Doch Balke gab seine ehrgeizigen Expansionspläne nie auf. Auch nach dem Scheitern in Westafrika wuchs Germania im Ausland. Tochtergesellschaften in der Schweiz und in Bulgarien wurden gegründet. „Er ist ein ausgebuffter Manager, mit allen Wassern gewaschen“, sagt ein früherer Wegbegleiter über ihn.

    Gerettet hat das Germania allerdings nicht. Als Wirtschaftsprüfer Ende 2018 wegen der bilanziellen Nöte der Airline Alarm schlugen, musste Balke im Januar 2019 offiziell finanzielle Engpässe einräumen. „Germania prüft aktuell mehrere Optionen einer Finanzierung, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern“, hieß es damals.

    Einige Tage später meldete Balke dann überraschend eine Lösung. Von einer „wichtigen Zusage“ war die Rede, die sogar über die erforderlichen 15 Millionen Euro hinausginge.

    Unbestätigten Hinweisen aus dem Umfeld zufolge soll die Witwe Bischoff die Finanzspritze zugesagt haben. Doch das Geld floss nicht, Germania ging in die Knie. Fluggesellschaften haben enge Vorgaben beim Beleg der eigenen „Liquidität“. Kann ein Unternehmen nicht nachweisen, dass es ausreichend Mittel für den Betrieb und die Wartung besitzt, droht der Entzug der Betriebserlaubnis durch das Luftfahrt-Bundesamt.

    Die Insolvenz bedeutete das endgültige Aus der Airline, die im Jahr rund vier Millionen Passagiere beförderte. Alle Versuche, Investoren zu finden, scheiterten. Der frühere Air-Berlin-Chef Joachim Hunold und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, die sich selbst noch kurz vor der Insolvenz als Retter ins Spiel gebracht hatten, kamen nicht zum Zuge. Es kam kein belastbarer Deal zustande.

    Auch wenn die nun vom Insolvenzverwalter erhobene Forderung gegenüber Balke heftig ist, wirklich überrascht sein dürfte der Manager und Anwalt davon nicht. Schon recht bald nach der Insolvenzanmeldung reichten Privatpersonen bei der Staatsanwaltschaft Berlin mehrere Strafanzeigen gegen ihn ein. Die Anschuldigungen: Betrug und Insolvenzverschleppung.

    Strafanzeige gegen Balke

    In jener Zeit wurde zudem der Vorwurf laut, Balke habe noch kurz vor der Insolvenz Vermögenswerte zur Seite gebracht, um sie dem späteren Zugriff der Gläubiger zu entziehen. Balke dementierte das damals. Es habe „keinerlei Verschiebungen von Vermögenswerten innerhalb des Germania-Konzerns oder an Dritte stattgefunden“, erklärte er gegenüber der „Bild“-Zeitung.

    Was Balke zu der Forderung des Insolvenzverwalters sagt, ist nicht bekannt. Er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, eine E-Mail blieb bislang unbeantwortet.

    Fest steht: Erst einmal will Verwalter Wienberg ausgerichtlich verhandeln.

    Als im vergangenen Jahr die Strafanzeigen gegen Balke eingereicht wurden, hat sich der Manager mit deutlichen Worten gegen die erhobenen Vorwürfe gewehrt. „Die Anschuldigungen entbehren jeder rechtlichen und sachlichen Grundlage“, sagte er damals dem Handelsblatt. „Was ich sagen kann, ist, dass mein Team und ich bis zur letzten Minute dafür gekämpft haben, Germania zu retten.“

    Mehr: Flüge mit Privatjets sollen deutlich mehr Emissionen verursachen als Flüge mit einer Liniengesellschaft. Im Zuge der Klimadebatte wird bereits ein Verbot diskutiert.

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