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Luftfahrt Ein Brite will den größten elektrisch-hybriden Passagierjet bauen

Kamran Iqbal, Gründer der Electric Aviation Group, will seinen 70-Sitzer noch vor 2030 auf den Markt bringen – ein äußerst ambitioniertes Vorhaben.
29.07.2020 - 11:47 Uhr Kommentieren
70 Passagiere sollen in dem neuen Jet Platz finden und er soll bis zu 1500 Kilometer weit fliegen können. Quelle: Electric Aviation Group
HERA-Hybridflugzeug

70 Passagiere sollen in dem neuen Jet Platz finden und er soll bis zu 1500 Kilometer weit fliegen können.

(Foto: Electric Aviation Group)

Frankfurt Kamran Iqbal hat ein gesundes Selbstbewusstsein. „Ich bin eine eigenmotivierte und ergebnisorientierte Führungskraft“, schreibt der in Großbritannien lebende Unternehmer auf dem Netzwerk LinkedIn über sich selbst. Sein Ziel sei es, die Grenzen des eigenen Wissens und Könnens und auch die des Teams auszudehnen.

Diesen in Worte gefassten Ambitionen sollen Taten folgen. Iqbal will nicht weniger als den größten elektrisch-hybrid betriebenen Passagierjet auf den Markt bringen. Und zwar noch vor 2030. Auf der wegen der Corona-Pandemie nur virtuell stattfindenden Farnborough-Luftfahrtshow hat der Unternehmer seine Vision nun konkretisiert: 70 Passagiere sollen in dem neuen Jet Platz finden, und er soll bis zu 1500 Kilometer weit fliegen können.

Gelingt das Vorhaben, wäre das eine Revolution im Markt für Regionalflugzeuge. Bislang arbeitet kein Start-up und auch keines der etablierten Luftfahrtunternehmen an einem so großen Passagierflugzeug mit elektrisch-hybridem Antrieb. Das Forschungsinstitut Bauhaus Luftfahrt hat erst im Februar die nächsten Etappen auf dem Weg zu alternativen Antriebskonzepten in der Luftfahrt beschrieben.

Die Experten gehen davon aus, dass elektrisch-hybrid betriebene Flugzeuge zunächst nur im unteren Marktsegment Realität werden. Das sind Flugzeuge mit bis zu 19 Sitzen.

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    Fünf Milliarden Dollar seien wohl notwendig, um seine Idee zusammen mit Zulieferern umzusetzen, glaubt der Unternehmer. Quelle: Electric Aviation Group
    Kamran Iqbal

    Fünf Milliarden Dollar seien wohl notwendig, um seine Idee zusammen mit Zulieferern umzusetzen, glaubt der Unternehmer.

    (Foto: Electric Aviation Group)

    „Nach unseren Recherchen fliegen 19-Sitzer weltweit zu 56 Prozent Strecken unter 200 Kilometern und zu 83 Prozent unter 450 Kilometern“, schreibt Annika Paul vom Bauhaus Luftfahrt in einem Kommentar zu der Studie. Die Kombination aus vollelektrischem Flug ergänzt um einen klassischen Antrieb wie etwa eine Gasturbine würde bereits einen großen Teil der CO2-Emmissionen in diesem Marktsegment vermeiden.

    Doch Iqbal reicht das nicht. Es seien signifikante Summen in die Entwicklung solcher 19-Sitzer geflossen, „wir glauben aber, dass das die falsche Strategie ist“, erklärte er bei der Präsentation seines Konzepts. Solche kleinen Flugzeuge könnten nicht die Nachfrage nach großvolumigem Luftverkehr bedienen und die Anforderung erfüllen, diesen umweltverträglicher zu machen.

    Flugzeugentwicklung ist hochriskant

    Das soll mit „Hera“ gelingen – dem neuen Jet, den die von Iqbal gegründete Firma Electric Aviation Group (EAG) mit Sitz in Bristol entwickelt. Der ehrgeizige Unternehmer verspricht, dass die Treibhausgasemissionen pro Passagier und geflogenem Kilometer um 70 Prozent sinken werden.

    Außerdem soll das Flugzeug auch noch mit sehr kurzen Start- und Landebahnen auskommen, was ein wenig an das Konzept der Senkrechtstarter erinnert, an denen viele Jungunternehmen derzeit arbeiten. Gleichzeitig soll das Flugzeug so modular aufgebaut sein, dass es ohne großen Aufwand in einen Frachter umgewandelt werden kann und zudem künftige Antriebstechnologien – also etwa Wasserstoff – integriert werden können.

    Iqbal hat also viel vor. Fünf Milliarden Dollar seien wohl notwendig, um diese Idee zusammen mit Zulieferern umzusetzen, glaubt der Unternehmer. Dafür könnten 25.000 neue Jobs entstehen. Immerhin kann Iqbal viel Erfahrung vorweisen: Er ist nicht nur Ingenieur im Bereich Luftfahrt. Er hat auch einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre an der renommierten Warwick Business School gemacht. Danach war er viele Jahre bei Airbus und hat zudem einige Zeit für Bombardier gearbeitet.

    Dennoch dürfte dem Unternehmer viel Skepsis entgegenschlagen. Schon einige Firmen haben sich in der Vergangenheit an der Entwicklung neuer Passagierjets finanziell verhoben. Bombardier aus Kanada musste deshalb seinen durchaus erfolgreichen Jet mit dem Namen C-Series an Airbus abgeben. Nun fliegt die Maschine als A220.

    Allerdings dürfte Iqbal einen wichtigen Verbündeten an seiner Seite haben: den britischen Premierminister Boris Johnson. Der hat erst vor wenigen Tagen eine Initiative für emissionsfreies Fliegen gestartet, die auch dabei helfen soll, das Land in der Flugzeugtechnik wieder nach vorn zu bringen. Das will auch Iqbal. Er will Bristol wieder zu einem Kristallisationspunkt in der Luftfahrt machen. Einst hob dort die legendäre Concorde zum ersten Mal ab.

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