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Megha Mittal (Archivbild)

Megha Mittal ist Chairwoman und Managing Director der deutschen Luxusmarke Escada.

(Foto: Franco Pagetti / VII / Redux / laif)

Luxusmarke Das Ende der Geduld: Megha Mittal will Escada abstoßen

Die Frau aus der indischen Stahldynastie hat zehn Jahre lang vergeblich versucht, die Luxusmarke zu sanieren. Jetzt sucht sie einen Käufer für Escada.
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Düsseldorf Es war einer ihrer seltenen Auftritte. Megha Mittal hatte in das Nymphenburger Schloss eingeladen. Dort ließ die zierliche Frau im weißen Cocktailkleid Models die Herbst-Winter-Kollektion 2015 von Escada zeigen. Die Eigentümerin des Modeunternehmens aus der indischen Stahldynastie hoffte, dass der damalige CEO Glenn McMahon „die Marke auf die nächste Stufe heben“ könnte.

Doch daraus wurde nichts. Der Amerikaner McMahon trat bald ab. Und bis heute hat das Unternehmen nicht zu seinem früheren Wachstumskurs zurückgefunden, sondern schreibt rote Zahlen. Zehn Jahre nachdem Mittal das Unternehmen aus der Insolvenz gekauft hat, ist die Geduld der Investorin zu Ende, die mal bekannte: „Mode ist meine Leidenschaft.“ Nun sucht sie einen Käufer.

Nach Handelsblatt-Informationen hat sie die US-Investmentbank Lazard beauftragt. Die schrieb einen sogenannten „Information Pack“ mit einer ausführlichen Darstellung von Escada und den Zukunftschancen der Luxusmodemarke. Bereits im Februar sprach die Bank damit mögliche Investoren an. Doch bis heute drang von den Verkaufsabsichten nichts an die Öffentlichkeit.

Eine Escada-Sprecherin sagte dazu auf Anfrage: „Wir wollen uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu äußern.“ Auch in den Jahren zuvor äußerte sich weder Mittal noch Iris Epple-Righi, die seit mehr als drei Jahren das Unternehmen führt, zur Strategie oder zur Wirtschaftslage des Unternehmens.

Um die ist es nicht gut bestellt. Nach der im Bundesanzeiger zuletzt veröffentlichten Bilanz ging der Umsatz 2017 um rund acht Prozent auf knapp 114 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen rutschte mit 16,5 Millionen Euro noch tiefer in die roten Zahlen.

Auch für das Geschäftsjahr 2018 wurde mit einem weiteren Umsatzrückgang auf nur noch knapp 107 Millionen Euro gerechnet. Falls es bei Escada zu Liquiditätsengpässen kommen sollte, wird das Geld „bei Bedarf von der Escada Luxembourg s.a.r.l. bereitgestellt“, wie im Bundesanzeiger zu lesen ist.

Als Mittal 2009 bei dem Modeunternehmen einstieg, war sie noch voller Zuversicht. „Die Marke ist cool, stark, global bekannt und hat Glamour“, sagte sie damals. Sie war so überzeugt von ihrem Investment, dass sie in Escada das Potenzial sah, wieder Weltmarktführer zu werden. Die Schwiegertochter des Stahlindustriellen Lakshmi Mittal wollte sogar in die Männer- und Kindermode einsteigen.

Probleme in Russland und den USA

Doch damals hatte die Marke ihre beste Zeit schon lange hinter sich. Das Unternehmen, das Wolfgang Ley und das schwedische Model Margaretha Ley 1976 gründeten, schaffte in den 1990er-Jahren den Aufstieg zum größten Damenmodeunternehmen der Welt. Es ging an die Börse und kam zeitweise auf einen Umsatz von umgerechnet 1,4 Milliarden D-Mark, umgerechnet rund 700 Millionen Euro.

Die für ihre opulenten Kollektionen mit den berühmten Goldknöpfen bekannte Modemarke baute ihr Geschäft immer weiter aus. Später gehörten zur Gruppe auch Marken wie Apriori, Biba, Cavita und Laurél. Ley, der das Unternehmen nach dem Tod seiner Frau 1992 selbst führte, übernahm sich, die Umsätze stürzten ab. Auch der eilig herbeigerufene Ex-Boss-Chef Bruno Sälzer konnte 2009 die Insolvenz nicht verhindern.

Seitdem versucht Megha Mittal, in den ersten Jahren mit Sälzer als CEO, Escada in alte Glanzzeiten zurückzuführen. Doch die Weltfinanzkrise 2009 und die wirtschaftlichen Probleme in für Escada wichtigen Märkten wie Russland und den USA machten dem Unternehmen zu schaffen.

Der damalige Interimschef Jörg Wahlers musste 2015 einräumen, dass die Restrukturierungsprogramme „in der Realität nicht ausreichend waren“. Deshalb kündigte er den Abbau von 200 der damals noch 2000 Stellen an. Doch auch dieses Programm konnte nicht verhindern, dass Escada 2016 und 2017 rote Zahlen schrieb.

Mancher warf Mittal vor, dass Escada für sie, die Schwiegertochter aus dem indischen Milliardärsclan, nur ein Spielzeug sei. Für ein Spielzeug sei ‧Escada definitiv zu anstrengend, entgegnete sie 2010 in einem ihrer seltenen Interviews. „Außerdem geht es um ein Traditionsunternehmen mit knapp 3000 Mitarbeitern. Ich kämpfe für deren Arbeitsplätze.“

Die Frau von Aditya Mittal, dem CFO des Stahlriesen Arcelor-Mittal, wuchs als Tochter eines Garnfabrikanten in Indien auf. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finanzen und strategisches Management arbeitete sie ein Jahr lang als Investmentanalystin bei der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Doch das war nicht ihre Welt, wie sie einmal sagte. Also studierte sie Innenarchitektur, machte darin ihr Diplom und betreute für die Stahlfamilie „verschiedene Projekte“.

In Deutschland an Glanz verloren

Nun kümmert sich die Mutter von zwei Kindern, die mit ihrem Mann in London lebt, vor allem um ihr Projekt, einen neuen Investor für Escada zu finden. Das wird nicht einfach. Denn der Markt wird immer mehr von weltweit tätigen, finanzstarken Luxuskonglomeraten wie den französischen Häusern LVMH und Kering sowie der Schweizer Richemont-Gruppe beherrscht.

Ob die aber Interesse an Escada haben, ist offen. Zwar gehört das Unternehmen zu den letzten verbliebenen deutschen Luxusmarken in der Damenmode, nachdem Rena Lange nach der Pleite ganz vom Markt verschwunden und Strenesse zum zweiten Mal insolvent ist.

Doch die Marke hat allenfalls noch in den USA und in Russland einen hohen Bekanntheitsgrad. In Deutschland schaffte sie es nach dem letzten Markenranking der besten deutschen Luxusmarken der Münchener Markenberatung Biesalski & Jesalski & Company und Dr. Wieselhuber & Partner 2018 nicht unter die Top 30.

Eine Luxusmarke, die ins Abseits geraten ist, wieder auf Kurs zu bringen, ist nicht leicht. Aber es gehe, sagt Javier Seara, Luxusexperte der Boston Consulting Group (BCG): „Das zeigen Beispiele wie Fendi aus Italien und Loewe aus Spanien. Aber das braucht zwei, drei Jahre Zeit, Topdesigner und Topmanager, einen klaren Plan und die Möglichkeit, in Ruhe arbeiten zu dürfen.“

Branchenbeobachter kritisieren, dass Mittal in den ersten Jahren nach ihrem Einstieg nicht genug bei Escada investiert hat. Die Versuche der letzten beiden Jahre, die Marke zu stützen, kämen da zu spät. Zuletzt hatte Escada Rita Ora als neues Markengesicht verpflichtet – ein hohes Investment, um die Marke aufzuhübschen. Der britische Popstar nimmt denn auch im „Information Pack“ der Investmentbank Lazard einen breiten Raum ein.

Es ist nicht der erste Versuch, die Marke zu verjüngen. Das hatte Mittal bereits Anfang 2015 bei der Modenschau im Nymphenburger Schloss versucht. Damals sagte der Chefeinkäufer von Mytheresa, er müsse erst mal die nächste Kollektion von Escada abwarten, ehe er sie über die Luxus-Onlineplattform verkaufe. Dabei ist es bis heute geblieben. Escada ist weder bei Mytheresa noch beim großen Onlinekonkurrenten Netaporter zu finden.

Mittal sagte einmal: „Ich habe Escada nicht gekauft, um Geld zu verlieren.“ Ob ihr das allerdings gelingt, hängt vom Kaufpreis ab, den ein neuer Investor zu zahlen bereit ist.

Mehr: Arcelor-Mittal baut eine Wasserstoff-Anlage in Hamburg. Der größte Stahlkonzern der Welt will weniger CO2 ausstoßen – und startet ein Wasserstoff-Projekt am Standort in Hamburg.

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