Magnus Kobel Wie der Spätgründer Versicherungen digital auf die Sprünge helfen will

Mit seiner Fitness-App Yas will Kobel präventive Digitalangebote etablieren. Er weiß aus Erfahrung, wo es bei Versicherungen bisher hapert.
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„Wenn man ein ausgeprägtes Statusdenken hat oder Angst vorm Scheitern, sollte man kein Unternehmen gründen.“ Quelle: MAGNUM EST Digital Health GmbH
Magnus Kobel

„Wenn man ein ausgeprägtes Statusdenken hat oder Angst vorm Scheitern, sollte man kein Unternehmen gründen.“

(Foto: MAGNUM EST Digital Health GmbH)

FrankfurtDer Drang, etwas zu gestalten, treibt Magnus Kobel seit Langem an. Auch ein Unternehmen zu gründen konnte sich der Wirtschaftswissenschaftler gut vorstellen. Aber bis er die Idee hatte, die ihn sogar einen gut dotierten Beraterjob aufgeben ließ, war er bereits über 40 Jahre alt.

Sein Start-up Yas.life will Menschen helfen, ihren Alltag gesünder und aktiver zu gestalten. Das klingt auf den ersten Blick nach einem Schritt in einen bereits überbesetzten Markt, denn Gesundheits- und Fitness-Apps gibt es in den Stores von Apple und Google zuhauf. Insgesamt 89.300 Fitness- und Gesundheits-Apps zählte das Marktforschungsunternehmen Nova Motum aus Berlin im Juli allein im Apple-Store. „Ein Drittel mehr als noch vor drei Jahren“, sagt Nova-Motum-Gründer Volker Kohl. „Da braucht es einige Anstrengungen, um eine ausreichend große Menge an Nutzern zu gewinnen“, sagt Kohl.

Das weiß auch Magnus Kobel. Er will in erster Linie auch gar nicht um die Endverbraucher buhlen, für sie ist die Nutzung der App kostenlos. Kobel sieht die Krankenversicherungen als seine Hauptzielgruppe an: „Unsere Yas-App können Versicherungen und Krankenkassen als digitale Lösung in der Prävention einsetzen“, sagt er. Durch den Gamification-Ansatz, also die Verwendung von spielerischen Elementen, nutzten mehr Menschen die App im Alltag, erklärt Kobel. Das Konzept könnten die Versicherungen unter ihrem Namen vermarkten und so beispielsweise Bonusprogramme für ihre Kunden in eine digitale Welt überführen.

Dass Versicherungen in Deutschland beim Thema Digitalisierung Nachholbedarf haben, weiß Kobel aus seiner langjährigen Beraterzeit, zuletzt bei Deloitte, nur zu genau. Er ist sich sicher, dass in drei bis vier Jahren jede Versicherung und jede gesetzliche Krankenkasse ein Programm anbieten wird, das die Versicherten digital zu gesundheitsbewusstem Verhalten motiviert.

Wie das am besten funktionieren kann, lernen Kobel und sein Team von den derzeit rund 50.000 Nutzern, die sich Yas bereits aus den App-Stores heruntergeladen haben. Die App wird mit dem Fitnesstracker oder den Health-Apps von Apple und Google verbunden. Und mit täglichen Schritten und anderen sportlichen Aktivitäten können Punkte gesammelt und bei Firmen wie Garmin, Sportscheck und Fitness First oder auch in Smoothie- und Yogashops in Prämien eingelöst werden.

Für die ersten Kunden aus der Versicherungswirtschaft ist das Start-up bereits aktiv. Für die Versicherungskammer Bayern hat Kobel eine individualisierte Lösung unter dem Namen „Meine Fitness“ implementiert. Zudem gewann Yas den Healthy Hub, einen Innovationspreis von fünf gesetzlichen Krankenkassen, darunter die mhplus Betriebskrankenkasse, die nun mit Yas ein Pilotprojekt umsetzt. Dabei legt Kobel Wert darauf herauszustellen, dass die personenbezogenen Daten der App nicht mit den Daten der Versicherung zusammengeführt werden.

„Die Fallhöhe ist größer“

Dass Kobel, heute 45, ein später Gründer ist, sieht er als Vorteil: In seinem Netzwerk konnte er viele Business-Angels und Unterstützer für sein Projekt finden, zudem gewann er im Dezember 2017 die Deutsche Rückversicherung AG als Leadinvestor mit 1,5 Millionen Euro.

„Die Fallhöhe ist natürlich größer, wenn man aus einem etablierten Job kommt, der einem auch Spaß gemacht hat“, sagt Kobel. „Wenn man ein ausgeprägtes Statusdenken hat oder Angst vorm Scheitern, sollte man kein Unternehmen gründen.“ Ohne Rückendeckung der Lebenspartner geht es übrigens auch nicht: „Meine Frau steht 100 Prozent hinter mir. Das ist eine große Unterstützung, gerade in kritischen Situationen, die bei einem Start-up natürlich immer mal wieder entstehen“, sagt Kobel.

Kobel und sein Team mit mittlerweile elf Leuten sind bis nächstes Jahr finanziert, bis dahin wollen sie noch weitere Kunden gewinnen. Das Ziel ist kein geringeres, als in wenigen Jahren Marktführer für präventive Digitalangebote in der deutschsprachigen Versicherungslandschaft zu werden.

Auf Magnus Kobels eigenes Gesundheitsverhalten hat die App jedenfalls schon abgefärbt: Mehrmals die Woche macht er mit seinem Team gemeinsam Sport – auf der Dachterrasse des Firmensitzes in Berlin mit Blick auf den Fernsehturm. „Wenn man mir vor drei Jahren gesagt hätte, dass ich eines Tages Yoga mache, hätte ich bestimmt skeptisch geguckt“, sagt Kobel. „Heute möchte ich das gar nicht mehr missen.“

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