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Malte Reupert Wie sich ein Bio-Unternehmer mit der AfD anlegt

Ein Leipziger Händler listete Produkte der Spreewälder Hirsemühle aus. Denn die gehört einem AfD-Funktionär. Nun muss er sich harsche Kritik gefallen lassen.
5 Kommentare
Spreewälder Hirsemühle: Wie sich ein Bio-Händler mit der AfD anlegt Quelle: Michael Freitag (L-IZ)
Malte Reupert

Der Biomarkt-Betreiber aus Leipzig will keine Ware mit Nähe zur AfD vertreiben.

Düsseldorf Malte Reupert ist ein Bio-Unternehmer mit klaren Prinzipien. Der 49-Jährige betreibt in Leipzig die Supermärkte Biomare mit rund 100 Mitarbeitern. Im Juli verbannte er Bio-Hirse-Produkte der Spreewälder Hirsemühle aus seinen Müsliregalen. Dort hängt stattdessen ein Schild auf mit folgendem Hinweis: „Der Inhaber der Spreewälder Hirsemühle ist AfD-Funktionär, diese Partei leugnet den menschengemachten Klimawandel. Damit stellt sich der maßgebliche Entscheider der Firma gegen die Werte von Biomare und der gesamten Bio-Branche.“

Die Hirsemühle wird von Bio-Unternehmer Jens Plessow geleitet, der im AfD-Vorstand des Spree-Neiße-Kreises in Brandenburg sitzt. Vorab hatte der Biomare-Chef Plessow per Mail über die Auslistung informiert und zum Dialog aufgefordert. Zwischen beiden entspann sich ein heftiger verbaler Schlagabtausch, den Biomare auf seiner Homepage veröffentlichte.

„Den Klimawandel zu leugnen, ist keine Meinungsäußerung, sondern eine Lüge“, meint Reupert gegenüber dem Handelsblatt. „Wenn ein Unternehmer, der mich beliefern will, das Kernproblem Klimawandel leugnet, dann passen wir nicht zusammen.“ Die AfD bekämpfe eine aktive Klimaschutzpolitik. Plessow sei deshalb für ihn als ökologischer Unternehmer höchst unglaubwürdig, konstatiert Reupert, der Mitglied der Grünen ist, seitdem er sich als VWL-Student einschrieb. Fünf Jahre saß er im Leipziger Stadtrat.

Hirsemühle-Chef Plessow indes wehrt sich gegen die Auslistung. Der AfD-Politiker bewertet diesen Vorgang als „komplett undemokratisch und freiheitsfeindlich“. „Er entspringe einem linksradikalen totalitären Weltbild. Ziel ist ganz klar die Zerstörung der Lebensexistenz“, äußert er gegenüber dem Handelsblatt.

Denn die Fehde der beiden ostdeutschen Öko-Unternehmer hat inzwischen Kreise nach ganz Deutschland gezogen. Inzwischen boykottiert auch die Bio-Company aus Berlin die Spreewälder Hirsemühle. Das große Bio-Unternehmen Alnatura bezieht ebenfalls keine Produkte mehr von dort.

„Der Klimawandel ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen menschengemacht. Der Ökolandbau ist aus Sicht des Weltklimarats eine der Möglichkeiten, um dem Klimawandel zu begegnen“, begründet dies eine Alnatura-Sprecherin auf Anfrage. „Deshalb gehen wir mit Akteuren Partnerschaften ein, die auf der Erkenntnis dieser wissenschaftlichen Grundlage diesen Weg konsequent mit uns gehen wollen.“

Hirsemühle-Chef Plessow fühlt seinen kleinen Betrieb aktuell nicht in der Existenz bedroht. „Aber eine weitere für uns negative Entwicklung kann die Existenzbedrohung nicht ausschließen“, sagt er dem Handelsblatt. Auf Twitter sprangen AfD-Sympathisanten Plessow bei, riefen zum Kauf der Spreewälder Hirse und zum Boykott von Biomare auf.

Harsche Kritik aus der AfD-Fraktion

AfD-Bundestagsmitglied Götz Frömming etwa twitterte: „Unfassbar! Faschistoider Bio-Laden listet Händler aus, die in der AfD aktiv sind.“ Marc Bernhard, AfD-Bundestagsabgeordneter, ätzte auf Twitter: „Ein Laden der Biokette befindet sich im ehemaligen jüdischen ‚Kaufhaus Joske‘. Fühle mich gerade in dunkle Zeiten unserer Geschichte zurück versetzt.“

Unternehmer Plessow kann den Boykott nicht nachvollziehen. „Wir produzieren nach wie vor ein einzigartiges, nachhaltiges und ökologisches Produkt aus regionalem Anbau.“ Die Alternative sei vorwiegend Ware aus China und der Ukraine. „Hier zeigt sich die ganze Dummheit, denn diese Ware ist aufgrund des Transportes bedeutend klimaschädlicher als unser Angebot“, meint Plessow.

Seitdem seine Boykott-Aktion in den sozialen Medien Wellen geschlagen hat, bekommt Biomare-Chef Reupert zahllose Mails und Posts, die zum Boykott seiner Läden aufrufen - sogar vereinzelte Drohungen.

„Ich bin da relativ abgehärtet“, so Reupert. „Schließlich war ich als ‚Bio-Kapitalist‘ bisher der Lieblingsfeind der Linksradikalen.“ Denn der grüne Bio-Unternehmer hatte einmal den Spruch „Kapitalismus ist das Resultat Deiner Weigerung, es besser zu machen“ plakatiert und in sozialen Medien gepostet. „Jeder sucht einen Sündenbock. Ich kann mir nicht auf die Zunge beißen, wenn mich etwas stört“, sagt er.

So listete Reupert vor einigen Jahren Himalaya-Salz vorübergehend aus, weil er dies als ökologischen Unsinn empfindet. Zwei Mitarbeiterinnen habe er entlassen, weil sie sich rassistisch geäußert hätten, erzählt er. „Wir haben hier in Leipzig Kollegen aus diversen Ländern, zwei Lehrlinge aus Afghanistan. Rassismus geht gar nicht. Das bin ich dem Respekt der Mitarbeiter untereinander schuldig.“

Der Bio-Unternehmer erklärt sich den Aufstieg der AfD so: Nach der Wende hätten die Menschen im Osten naiv geglaubt, der Reichtum des Westens falle ihnen in den Schoß. Gerade auf dem Land seien die Menschen gekränkt, depressiv und nörgelig, beobachtet Reupert. „Diese verhärtete Kränkung nutzt die AfD für sich.“

Mehr: Seit der Wiedervereinigung vor 30 Jahren hat Ostdeutschland wirtschaftlich stark aufgeholt. Doch die Bundesregierung sorgt sich um die Stimmung im Osten.

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5 Kommentare zu "Malte Reupert: Wie sich ein Bio-Unternehmer mit der AfD anlegt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Josef Müller,

    selbst eine AFD Spitze streitet es nicht mehr komplett ab, dass der Klimawandel menschengemacht ist.
    Sie stellen es aber in Frage.
    Zudem ist eine AFD auch nicht gegen finanzielle Mittel für den Kampf gegen den Klimawandel, Sie wollen nur die Milliarden anders investieren.
    Was ich persönlich auch besser finde.
    Wenn man mit dem gleichen finanziellen deutschen Aufwand in anderen Ländern viel mehr für das Klima erreichen kann dann soll es doch bitte schön auch dahin fließen.
    Wir können hier schon durch wenig Aufwand viel mehr erreichen als das Klimapaket einer Frau Merkel oder solch teure Aktion der Grünen.
    Auf der einen Seite erzählen uns die Grünen das ein Klima keine Staatsgrenzen kennt, recht haben Sie ja, doch Sie und die Regierungsparteien handeln so als wenn das Klima Landesgrenzen kennen würde.
    So kann man natürlich auch Steuererhöhungen verstecken, während die sich selbst, z.B. Berliner Abgeordneten mal eben 60 Prozent Gehaltsaufbesserung, die Taschen immer voller machen.
    Ach ja, gegen die 60 Prozent stimmte im Übrigen einzig die AFD.

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  • Die AfD ist eine respektable Partei!

    Ich kenne viele Mitbürger, die sich nicht trauen in der Öffentlichkeit zur AfD zu stehen. Ich bin unabhängig und stehe zur AfD, da die Angriffe auf sie auch vielen meiner politischen Positionen gelten. Dies gilt insbesondere für den Widerstand gegen die massive Einwanderung aus Afrika und Asien.

    In der Wahlkabine sind wir frei und brauchen auf den links-grünen Zeitgeist keine Rücksicht zu nehmen.

    Ich erinnere mich noch an die Freistellung eines Briefträgers, vor Jahrzehnten, der für eine kommunistische Partei kandidiert hatte, war das ein Theater.

    Siehe: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13490940.html

    Joachim Datko – Ingenieur, Physiker

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  • >> "...denn diese Ware ist aufgrund des Transportes bedeutend klimaschädlicher als unser Angebot“, meint Plessow. <<
    Nanu, dann glaubt Herr Plessow also doch, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Das sollte er seinen Parteifeunden von der AFD erzählen.

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