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Mama Shelter Die Nachfahren des Club-Med-Erfinders expandieren mit ihrer Hotelkette

Die Familie Trigano erfand Zelte für Touristen und den Club Méditerranée. Nun wollen die Nachfahren ihre Kette auch nach Deutschland bringen.
11.03.2020 - 18:02 Uhr Kommentieren
Die Hotelierfamilie hegt Expansionspläne für Deutschland. Quelle: Trigano
Benjamin (l.) , Serge (M.) und Jérémie Trigano

Die Hotelierfamilie hegt Expansionspläne für Deutschland.

(Foto: Trigano)

Paris, Düsseldorf Statt Lampenschirmen leuchten über den Nachtkonsolen Masken von Bugs Bunny, Darth Vader oder Batman. Die Teppiche erinnern an europäische Königshäuser, an den Decken prangen Kreidezeichnungen. Das Pariser Hotel „Mama Shelter“, von dem es inzwischen elf weitere Ableger gibt, will vor allem eines sein: „instagramable“, als Schnappschuss-Motiv tauglich für die sozialen Netzwerke.

„Es ist schwierig, Leute dazu zu bringen, permanent über ein Hotel zu reden“, sagt Geschäftsführer Jérémie Trigano. Ausgefallene Motive und die Möglichkeit, sich selbst zu inszenieren, sollen da helfen.

Nur wenigen dürfte dabei das „Gilbert forever“ auffallen, das neben vielen anderen Motiven in Kreidefarben von der Decke leuchtet. Es steht für den Familienstammbaum des Hotels – und zugleich für einen visionären Pionier der Urlaubshotellerie nach dem zweiten Weltkrieg: den 2001 in Paris verstorbenen Gilbert Trigano. 1950 gründete der Großvater von Jérémie Trigano den Club Méditerranée.

Accor als Mitgesellschafter

Der Club Med, wie er heute heißt, gehört der Familie längst nicht mehr. An dessen Stelle trat für die Familie 2008 die inzwischen in sieben Ländern gestartete Boutique-Hotelkette Mama Shelter, an der sich 2014 der Pariser Hotelkonzern Accor mit 35 Prozent beteiligte. Heute umfasst sie 1813 Zimmer, 13 Restaurants, 1170 Angestellte und Häuser in Städten wie Rio de Janeiro und Los Angeles.

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Standort erkennen

    „Er ist unsere Motivation, unser Antrieb“, sagt Serge Trigano, 73, über seinen Vater Gilbert. „Deswegen ist es wichtig, dass er in jedem Mama Shelter präsent ist.“ Operativ sind es allerdings die Enkel Jérémie, 43, und Benjamin, 48, die bei der Designhotelkette die Geschicke lenken.

    Die sieben nächsten Neueröffnungen sind bereits fest zugesagt, weitere in Planung. Auch in Deutschland soll bald ein Hotel stehen. Aber: „Es fehlt uns noch das passende Gebäude“, sagt Serge Trigano. „Wir waren schon in Frankfurt, München und Hamburg und würden sehr gerne auch dort Hotels eröffnen.“ Die Situation auf dem Immobilienmarkt in Deutschland sei allerdings so schwierig, dass sie bisher noch kein passendes Objekt gefunden haben.

    Platz für ihr Hotelformat gäbe es hierzulande reichlich, wie Philipp Linder von der Frankfurter Hotour Hotel Consulting glaubt. „Mama Shelter greift einen aktuellen Trend auf, der Erlebnis- und Lifestyle-orientierte Unterkünfte in den Mittelpunkt stellt“, sagt er. Obwohl auch Wettbewerber wie die Hotelketten 25hours, Jaz in the City, Ruby Coco oder Niu in dieses Segment drängen, sei eine Sättigung längst noch nicht erreicht.

    Einziger Wermutstropfen: „Weil das Konzept darauf setzt, die Gäste immer wieder zu überraschen“, erklärt Linder, „beanspruchen die Häuser kürzere Renovierungszyklen.“

    Noch größere Sorgen dürfte den Triganos derzeit das Coronavirus bereiten. Vor allem das Hotel im Pariser Westen, direkt neben dem Messegelände, ist von Stornierungen betroffen. „Im März erwarten wir einen Umsatzrückgang von knapp 40 Prozent“, sagt Hoteldirektor Vincent Fournier. Der Branchenverband UMIH schlägt für Frankreich, das von der Epidemie ähnlich betroffen ist wie Deutschland, Alarm. Von den 900 Unternehmen, die in Paris Staatshilfe beantragt haben, kämen mehr als die Hälfte aus der Gastronomie.

    Die „Seele des Clubs“ verkauft

    Ob Corona die Expansionspläne in Deutschland durchkreuzt, ist offen. Es wäre das erste Mal, dass die Familie mit ihren Tourismusangeboten deutschen Boden betritt. Dabei ist die Geschichte der Gastgeber Trigano lang und beginnt schon vor Gilbert, nämlich mit dessen Vater Raymond. Der gründete, als Frankreich 1936 bezahlte Urlaubstage einführte, eine Firma für Zelte. Sie boten französischen Arbeitnehmern im Urlaub ein Dach über dem Kopf.

    Sohn Gilbert tat sich 1950 mit dem belgischen Olympia-Wasserballer Gérard Blitz zusammen, um den kriegsgebeutelten Franzosen mithilfe einer Zeltstadt auf Mallorca eine neue, egalitäre Form der Erholung zu ermöglichen. Dazu brauchte er Zelte, die der Junior aus der Firma seines Vaters erhielt. Es wurde zur Geburtsstunde des Club Méditerranée.

    Aus Zeltstangen wurden Hütten, später Bungalows und zuletzt luxuriöse Gebäudekomplexe mit Swimmingpool. Blitz und Trigano eröffnen Standorte in aller Welt – und wurden zu Vätern der Urlaubsresorts. Die kommunistische Utopie eines Ferienortes, an dem alle gleich sind, solange sie Spaß haben wollen, verkaufte sich so gut, dass am Ende die Revolution ihre Kinder fraß.

    Gilbert Trigano wurde mit dem Club Med zunächst reich und erfolgreich. Bis die Aktionäre ihn und Sohn Serge, mittlerweile Chef des Unternehmens, 1997 nach Millionenverlusten aus dem Unternehmen drängten.

    Serge Trigano beschuldigte Nachfolger Philippe Bourguignon, die „Seele des Clubs“ verkauft zu haben, während Bourguignon die Geschäftsführung seines Vorgängers als „amateurhaft“ bezeichnete.

    Der Club Med gehört heute dem börsennotierten chinesischen Großinvestoren Fosun Tourism. Geschäftsführer ist seit Jahren Henri Giscard d‘Estaing, Sohn des ehemaligen französischen Präsidenten Valéry. Erst nach der Komplettübernahme durch die Chinesen 2015 erholte sich der Club Med und schreibt seit 2018 wieder schwarze Zahlen.

    „In der Businesswelt gibt es manchmal eine gewisse Grausamkeit“, sagt Gründersohn Serge über das unrühmliche Ende seiner Familie bei der Resortkette. „Aber ich habe nur schöne Erinnerungen an den Club.“

    Städte statt Meer

    In den neuen Designhotels scheint nun allerdings alles radikal anders zu laufen. So stehen die Häuser nicht mehr an Stränden, sondern in Großstädten. „Früher sind die Leute zwei oder drei Wochen ans Meer gefahren“, sagt Serge Trigano. „Die junge Generation reist in die Städte, hört sich ein Konzert an oder schaut ein Fußballspiel.“

    Wer genauer hinsieht, entdeckt aber doch einige Verbindungen zum Club Med. Da ist vor allem der Sex. Zu den meistverkauften Accessoires des Mama Shelter gehören selbstproduzierte Kondome und Massageöle, mit einem Zugangscode kann man pornografische Filme auf den Zimmern schauen. Auch der Club Med war einst dafür bekannt, dass dort die Utopie der freien Liebe zur Realität wurde.

    Serge Trigano sagt dazu: „Menschen gehen in Hotels, um Momente der Intimität zu verbringen.“ Und Sohn Jérémie fügt hinzu: „Vielleicht sind wir einfach nur weniger heuchlerisch als die anderen.“ Es solle niemals vulgär werden, fügen die Geschäftsführer noch hinzu, und Prostitution sei selbstverständlich verboten.

    So hat die Familie von Zelten über Luxusresorts bis hin zu Designhotels alles mitgemacht, was der Tourismus des 20. und 21. Jahrhunderts zu bieten hatte. „Wir versuchen allen anderen immer eine Viertelstunde voraus zu sein“, sagt Serge Trigano. Vielleicht steht auch sein Name einmal an der Decke des Hotels seiner Enkel.

    Mehr: 25hours-Chefs: „Eine WhatsApp-Gruppe ist das Maximale an Organisation“

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