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Marco Beicht Energie-Start-up Powercloud erhält den ersten Großauftrag

Gerade erst ist General Atlantic bei der Firma von Marco Beicht eingestiegen. Nun will der Energieversorger EWE die Programme von Powercloud nutzen.
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„Mit dem alten monolithischen System ist die Digitalisierung nicht zu schaffen.“ Quelle: Powercloud / Daniel Bollinger
Powercloud-Gründer Marco Beicht

„Mit dem alten monolithischen System ist die Digitalisierung nicht zu schaffen.“

(Foto: Powercloud / Daniel Bollinger)

München Mit Anzug und Krawatte kann Marco Beicht, 35, eher wenig anfangen. Wenn der Chef und Gründer von Powercloud in den Vorstandsetagen der deutschen Stromkonzerne aufschlägt, dann meist im gelben T-Shirt mit dem Schriftzug seiner Firma. So wie sich die Software des Betriebswirts von althergebrachten Lösungen unterscheidet, so weicht der Selfmade-Millionär auch im Auftreten von allen Konventionen der Energiebranche ab.

Geschadet hat das dem Unternehmer aus dem badischen Achern bislang nicht. Im Gegenteil, es läuft immer besser für den verheirateten Vater dreier Kinder. Nun kann Beicht einen wichtigen Großauftrag vermelden: Der norddeutsche Energieversorger EWE wird künftig die Programme von Powercloud nutzen.

Es ist nicht der erste Erfolg für ihn dieses Jahr. Im Januar ist der Finanzinvestor General Atlantic (GA) bei ihm eingestiegen. Die Amerikaner legten mehr als 100 Millionen Euro für einen Anteil von 45 Prozent auf den Tisch. Eine stolze Summe für eine Firma mit 50 Mitarbeitern.

Den Umsatz will Beicht nicht genauer beziffern, er habe vergangenes Jahr deutlich mehr als zehn Millionen Euro betragen. Die Steigerungsraten allerdings sind eigenen Angaben zufolge enorm. Zuletzt habe Powercloud die Erlöse Jahr für Jahr verdoppelt, und so soll es auch weitergehen.

Mit Powercloud ist der schlanke, sportliche IT-Experte angetreten, den Software-Riesen SAP bei den Stromversorgern zu verdrängen. „Mit dem alten monolithischen System ist die Digitalisierung nicht zu schaffen“, meint Beicht.

Stattdessen biete er standardisierte, aber flexible Software-Programme an, mit denen die Energieversorger ihren Kunden höchst individuelle Angebotspakete schnüren können. Powercloud denke vom Kunden her, die in die Jahre gekommenen IT-Lösungen der Energieversorger dagegen seien vom Zähler her gedacht.

Große Anbieter wie EnBW oder Eon vertrauen bereits auf seine Programme. Und künftig auch EWE. Vorstandschef Stefan Dohler: „Wir sehen in den Bereichen Kosten, Geschwindigkeit und Qualität einen enormen Vorteil durch den Einsatz einer modernen digitalen Plattformlösung gegenüber herkömmlichen Systemen.“

Drei Millionen Endkundenverträge würden derzeit bereits mit Powercloud betreut, eine zweistellige Millionenzahl käme bald dazu, teilt Powercloud mit.

Beicht ist Entrepreneur durch und durch. Es liegt in der Familie. Sein Vater betreibt einen Bauträger. Gleich nach dem Abitur gründete Marco Beicht 2004 eine Firma, die ein Onlineshop-System vertrieb. Nebenbei studierte er Betriebswirtschaft, allerdings ohne besonders dafür zu brennen, wie er zugibt. 2010 stieß er sein erstes Start-up ab, zwei Jahre später entstand Powercloud.

Gemeinsam mit General Atlantic will Beicht internationalisieren und vielleicht auch zukaufen. Vom Investor verspricht er sich vor allem Know-how, umgekehrt lobt GA-Partner Achim Berg den Gründer: „Es zeichnet ihn aus, dass er Feedback geradezu sucht. Das ist bei Gründern eher ungewöhnlich.“

Zwei Tage die Woche kümmert sich Berg derzeit um Powercloud. Berg will passende Strukturen fürs Wachstum schaffen. Schließlich könne sich Beicht nicht mehr um alles kümmern, sagt Berg: „Wir helfen, das Unternehmen zu professionalisieren. Damit bekommt er den nötigen Freiraum, den er als Ideengeber braucht.“

Der Unternehmer, ein begeisterter Skateboarder, reist unentwegt durch Deutschland, um neue Kunden zu gewinnen, denkt gerne groß und sieht seine Firma „auf dem Weg zum deutschen Marktführer für energiewirtschaftliche Softwarelösungen“. Dabei steht er fest zu seiner badischen Heimat, er ist überzeugt: „Das erdet.“

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