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Marie und Alexander Urban-Le Febvre Dieses Ehepaar bringt die Pariser Parfum-Kunst nach Berlin

Die Französin und ihr Mann haben in Berlin ein Parfumlabel geschaffen. Dort kreiert die Parfümeurin auch Gerüche für Museen oder Krankenhäuser.
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Die Französin und der Österreicher haben in Berlin ein Parfumlabel und ein ganz eigenes Duftatelier geschaffen. Quelle: Urban Scents
Marie Urban-Le Febvre und Alexander Urban

Die Französin und der Österreicher haben in Berlin ein Parfumlabel und ein ganz eigenes Duftatelier geschaffen.

(Foto: Urban Scents)

Berlin In der Vitrine stehen mehr als 100 zierliche Apothekerfläschchen, die kostbare Essenzen und Düfte von Jasmin oder Vanille verwahren. Im Regal daneben natürlich „Das Parfum“, der Bestseller von Patrick Süskind. „Ich liebe das Buch, oui!“, ruft Marie Urban-Le Febvre, während sie ein Glas öffnet und vorsichtig einen Tropfen zur Geruchsprobe entnimmt. „Er hat wirklich fantastisch recherchiert!“

Die 42-jährige Pariserin ist in genau demselben Metier wie der Protagonist aus Süskinds Roman unterwegs, wenn auch nicht unter so düsteren Umständen: Sie ist ausgebildete Parfümeurin, eine von wenigen Hundert weltweit in ihrer Klasse, und mit einem in Deutschland einzigartigen Geschäftsmodell.

In einer Seitenstraße des Berliner Kurfürstendamms führt sie mit ihrem Mann Alexander Urban ein Geschäft. „Urban Scents“ haben die Französin und der Österreicher, die vor ihrer Unternehmensgründung Karriere in der Parfumbranche gemacht haben, ihre Marke andeutungsvoll genannt. Im Laden werden ihre bislang acht Düfte präsentiert, hergestellt aus hochwertigen Rohstoffen.

Bis hin zu Flakon und Verpackung stammt alles aus kleinen, unabhängigen Manufakturen. Mit Verkaufspreisen im dreistelligen Bereich sind die Parfums im gehobenen Segment angesiedelt, darunter auch die jüngste Kreation „BER.Cavok“.

Diesen Duft haben die beiden Hobbypiloten dem oft kristallblauen Himmel ihrer Wahlheimat und dem Sehnsuchtsort, dem Berliner Flughafen, gewidmet: „Cavok“ ist die in der Luftfahrt gebräuchliche Abkürzung für „Ceiling and visibility o. k.“, also quasi „gute Sichtbedingungen“. Überhaupt inspiriert die beiden ihr Hobby.

Ein stilisierter Propeller fungiert als Logo, und Urban sinniert: „Beim Fliegen müssen Sie immer hervorragend vorbereitet sein, Fehler sind tödlich. Und Sie lernen, die Dinge aus ganz verschiedenen Perspektiven zu sehen, das ist oft hilfreich.“

Während der 57-Jährige seine Expertise im Marketing hat, besitzt seine Frau quasi den richtigen Riecher fürs Geschäft. Jetzt teilt sie ein paar Croissants in mundgerechte Happen, nippt am Kaffee, erzählt und führt dann in ihr Atelier. Es ist nur wenige Quadratmeter groß, hinter einer Glasscheibe für alle Besucher des Geschäfts einsehbar – eine Schatzkammer der Riechstoffe. Wobei es nicht nur Wohlgerüche sind. Der teilweise extreme Geruch der Substanzen weckt Erinnerungen an den Chemiebaukasten, nicht an Luxus.

In einem Glas findet sich zum Beispiel ein steinähnlicher Klumpen, der für sich allein, nun, keinen Wohlgeruch ausströmt: ein Stoff aus dem Inneren des Wals. Erst durch die Verdauung entstehe das Material, das dann ausgeschieden und an die Küste angetrieben werde. Heute verwenden viele Hersteller synthetischen Ersatz, aber bei Urban-Le Febvre hat es seinen Platz im Regal. Sie erklärt: „Ein Duft lebt wie eine gute Musikkomposition von Dissonanzen und Obertönen.“

Die Pariserin hat das Metier des Riechens, Erprobens, Komponierens an der berühmten Ausbildungsstätte Isipca in Versailles gelernt. Zuletzt leitete sie in Paris das Kreativzentrum des japanischen Aromenherstellers Takasago. Der Konzern mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro ist einer der großen globalen Player am Markt, deren Namen kaum ein Kunde kennt – die aber das Gros der Düfte in der Parfümerie herstellen.

Urban-Le Febvre wiederum zählt zu jenen wenigen Hundert Parfümeuren weltweit, die tatsächlich Düfte kreieren. Die Plätze an der Isipca sind rar, viele Absolventen werden nie zu Meistern des Fachs, sondern verdingen sich später als Chemiker oder in der Geruchsanalyse eines Waschmittelfabrikanten.

Zehn Projekte gleichzeitig

In der Pariser Niederlassung von Takasago lernte Marie Urban-Le Febvre ihren Mann kennen. Beide waren oben angekommen in dieser Branche, die trotz aller Internationalität eng vernetzt ist. Alexander Urban, der einst zum Filmstudium nach London gegangen war, bevor ihn ein Freund für eine Karriere im Marketing der Duftindustrie gewann, sagte dann aber: „Entweder machen wir hier unser Leben lang weiter – oder noch etwas ganz anderes, eigenes.“

Also gründeten sie 2013 ihre Firma, zogen 2014 nach Berlin. Damals kam auch ihr Sohn zur Welt, und parallel zum neuen Lebensabschnitt bauten sie ein einzigartiges Geschäftsmodell auf.

Urban Scents mixt auch Düfte für Kerzen, stellt Gerüche für Hotels, Museen oder Krankenhäuser her. Schließlich wirken Düfte auf das Gehirn, können etwa die Konzentrationsfähigkeit verbessern. Bis zu zehn Projekte bearbeitet Urban-Le Febvre gleichzeitig, in einem geht es zum Beispiel um die Wirkung auf Krebskranke und deren Genesung im Spital.

Für eine Ausstellung des Berliner Pergamon-Museums wiederum hat sie den historischen Duft von Teppichen, die 1945 während des Kriegs verbrannten, kreiert. Im Louvre in Abu Dhabi ging es darum, Riechstationen mit Weihrauch, Myrrhe und Zedernholz für eine Ausstellung über historische Handelswege zu kreieren. „Der Eindruck ist viel prägender und nachhaltiger, wenn auch der Geruchssinn angesprochen wird“, erklärt Urban den Wert des Geschäftsmodells.

„Ich bin nicht nur über den Standort überrascht, auch über den Erfolg“, so drückt Thomas Schnitzler, Gründer und Chef der Wiesbadener Parfum-Distributionsfirma Nobilis, die Bewunderung über den Geschäftssinn seines langjährigen Freundes aus. „Sascha liebt die Branche, und nun hat er mit seiner Frau Marie seine Berufung gefunden.“

Berlin ist wie ein guter Duft

Für Berlin haben sich die beiden Kosmopoliten, die auch die Leidenschaft fürs Kochen teilen, bewusst entschieden. Sie haben die Wahl nicht bereut. Nicht nur, weil es „beim Bäcker direkt unter unserer Wohnung die wirklich besten Croissants von ganz Berlin gibt“, wie Urban-Le Febvre erzählt. Die Stadt sei offen, pulsierend, voller Widersprüche. Ein wenig so wie ein guter Duft.

Über Umsätze schweigt das Paar. Natürlich ist es nur in einer Nische dieses Marktes unterwegs, auf dem in Deutschland knapp 1,6 Milliarden Euro und weltweit knapp 40 Milliarden Euro umgesetzt werden. Auf Branchentreffs wie der Jahrestagung des Kosmetikverbands VKE bezeugen Konkurrenten Urban Scents eine gelungene Markenarbeit und registrieren die wachsende Bekanntheit.

In Zeiten, in denen der Massenmarkt stagniert, die Konzerne mit immensem Aufwand nach neuen Trends fahnden und Luxus- und Nischenprodukte gefragt sind, ist das eine Auszeichnung. Bislang haben die beiden die Gründung aus eigener Kraft gestemmt. Sie sind jedoch offen dafür, mit einem Investor zu arbeiten. „Aber es muss passen“, sagt Urban.

Mehr: In den New Yorker Labors des Duftkonzerns Symrise entstehen die ersten Parfüms mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Möglich macht es die Software Philyra.

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