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Martin Böhringer Dieser Unternehmer will das Intranet auf das Smartphone bringen

Das Chemnitzer Start-up Staffbase grenzt sich mit seiner App deutlich von Slack ab. Renommierte Investoren glauben daran – und geben 20 Millionen Euro.
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„Staffbase ist eher die Kaffeeküche.“ Quelle: Staffbase
Martin Böhringer

„Staffbase ist eher die Kaffeeküche.“

BerlinChemnitz, London, New York und – natürlich – Berlin. Es ist ein heißer Sommermorgen in der Hauptstadt. Martin Böhringer ist in die Dependance von Eventures gekommen, einer der renommiertesten deutschen Risikokapitalgesellschaften.

Firmen wie die Otto Group, Porsche, Lidl, Dr. Oetker und andere namhafte Investoren haben sich bei Eventures zusammengeschlossen, um in junge, verheißungsvolle Start-ups zu investieren. Und da sich diese hierzulande vorwiegend in Berlin finden lassen, ist der Standort direkt am Checkpoint Charly praktisch selbsterklärend.

Berlin also. Martin Böhringer ist ein sportlicher, schlanker, mittelgroßer Mann, der an diesem strahlenden Tag zur Jeans ein knallblaues T-Shirt mit dem Schriftzug seiner Firma trägt: Staffbase. Ein Start-up, das mittels einer App jedes firmeneigene Intranet auf das Smartphone bringen kann

Und so eine direkte Kommunikation zwischen Unternehmen und vor allem auch jenen Mitarbeitern ermöglicht, die in ihrem Arbeitsalltag keinen dauerhaften Zugang zu Computern und Laptops haben, weil sie vielleicht am Fließband in Fabriken, als Fahrer für Speditionen oder im Service arbeiten.

Schichtpläne, Fortbildungsangebote, Zeitarbeitskonten, Kantinenpläne, das betriebliche Vorschlagswesen und natürlich auch allgemeine Mitteilungen der Geschäftsleitung an die Belegschaft – all das lässt sich über die App steuern.

Gerade bei Personalexperten in Konzernen wie Siemens und Adidas und Beratern wie Haufe gilt die Steuerung der internen Kommunikation auch über eine Smartphone-App teilweise als Lösung vieler Probleme.

Staffbase bedient diesen Trend und wird seit dieser Woche, dem Eintrag neuer Investoren ins Handelsregister, quasi hochoffiziell mit einem dreistelligen Millionenbetrag bewertet.

Tatsächlich ist es Böhringer gelungen, in der sogenannten C-Runde 20 Millionen frische Euro bei namhaften Geldgebern wie Insight Venture Partners aus New York, Capnamic aus Köln und Eventures einzusammeln.

Damit hat die Firma seit ihrer Gründung 2014 nun über 30 Millionen Euro an Risikokapital erhalten. Böhringer sagt: „Wir wollen das Geld in den Vertrieb und ins Produkt investieren, um weiter schnell zu wachsen.“

DHL, Paulaner und Breuninger als Klienten

Jonathan Becker, Partner bei Eventures, erklärt: „Wir haben auch dieses Mal wieder signifikant nachinvestiert, weil wir in Staffbase das Potenzial sehen, eine echte Plattform zu bauen. Das Produkt löst viele Probleme der internen Kommunikation. Von Trainings über Umfragen bis zur Integration von Geschäftsprozessen ist alles denkbar, und Staffbase wird zum dominanten Medium zwischen Firma und Mitarbeitern.“

Ist nicht gerade Slack dabei, dies zu werden? Könnte vielleicht mancher Zweifler einwenden. Böhringer antwortet: „Staffbase grenzt sich deutlich davon ab. Slack ist als Messengerdienst der Meetingraum, Staffbase eher die Kaffeeküche. Bei uns werden Top-down-Inhalte mit allen Mitarbeitern geteilt. Das sind Unternehmensnachrichten genauso wie das Bestellformular für Arbeitskleidung. In Slack hingegen arbeiten Wissensträger an gemeinsamen Projekten.

Bis es allerdings bei Staffbase mit der antizipierten Dominanz so weit ist, gilt es, noch viele Kunden zu überzeugen. In Deutschland finden sich bereits namhafte Klienten wie T-Systems, DHL, Breuninger, Paulaner und Viessmann, die die Staffbase- App zur internen Kommunikation nutzen. Die dazu passenden Stichworte, die gerade in vielen Personalabteilungen heiß diskutiert werden, lauten „Employer Experience“, „E-Learning“ und „digitaler Händedruck“.

Thomas Dirmeier, IT-Spezialist bei MAN Truck & Bus AG, lässt sich mit der Aussage zitieren: „Staffbase ist sehr flexibel. So können wir zum Beispiel die Anzahl der Nutzer skalieren, falls mehr Mitarbeiter die App verwenden möchten.“

Bei Christoph Schneider, Projektmanager beim Hausbetreuungsdienstleister Attensam, heißt es: „Die App lässt ein Unternehmen enger zusammenrücken und bietet mit einem wirklich intuitiven Administrationsbereich sehr viele Möglichkeiten, viele Mitarbeiter auf einmal anzusprechen.“

Lässt man einmal die freudig erregten Emotionen offenbar funktionierender Kundenbeziehungen bei diesen Aussagen außer Acht und hört zum Thema Staffbase auf externe Dritte, klingt es zwar deutlich sachlicher, aber nicht unbedingt kritischer.

So sagt Jörg Binnenbrücker von Capnamic: „Wir sehen Staffbase derzeit als eines der erfolgreichsten Technologie-Start-ups, als Marktführer bei Mitarbeiter-Apps. Und warum? Weil das Thema weltweit zunehmend wichtiger wird. Das Potenzial ist entsprechend riesig.“

„Wir müssen auch in Amerika Marktführer werden.“

So weit die Verheißung. Gerade in Amerika gilt es nun aber für Staffbase, auch tatsächlich rasch zu wachsen, um das sehr große Versprechen vom führenden internationalen Standard auch einlösen zu können. So gesehen mutet die Vertriebsoffensive aus dem bereits bestehenden New Yorker Büro nicht wie Größenwahn an, sondern ist betriebswirtschaftlich womöglich dringend geboten.

Ob in Amerika, Großbritannien, Deutschland oder anderswo – das Vertriebskonzept ist allerorten ähnlich: Wie bei einem Lizenzsystem verkauft Staffbase zu einem Basisbetrag eine bestimmte Stückzahl der App-Grundversion an die Kunden, die dann entscheiden können, was die App alles für ihr Unternehmen an Inhalten bieten soll.

Je nach Komplexitätsgrad erhöht sich die Lizenzgebühr. Das Wachstum beim Umsatz, der sich bereits zu 50 Prozent aus dem Ausland speist, ist seit der Gründung durchgehend exponentiell und hat inzwischen fast einen achtstelligen Wert erreicht. Es wirken 200 Mitarbeiter aus 22 Ländern für Staffbase, davon allein 30 in den USA. „Wir wollen und müssen unbedingt auch in Amerika Marktführer werden“, betont der Gründer noch einmal.

Böhringer ist Anfang 30, dreifacher Vater, hat einen Doktortitel in Wirtschaftsinformatik, und Staffbase ist bereits sein zweites Unternehmen, das er gegründet hat. Das erste hieß Hojoki, ein Cloud-Dienstleister, der sich nicht durchsetzen konnte. Jetzt also Staffbase, das er wie auch schon Hojoki wieder in seiner Heimat Chemnitz gegründet hat.

Zu DDR-Zeiten war das frühere Karl-Marx-Stadt als ein Zentrum der Textilwirtschaft bekannt. Einige Unternehmer nutzten in der Nachwendezeit die Expertise und begründeten Erfolgsgeschichten (Bruno Banani). Andere zogen in eine der leeren Fabriken, die die arg geschrumpfte Branche hinterlassen hatte, und entwickelten fortan neue, auch gänzlich digitale Produkte wie eben Staffbase.

Böhringer, der von sich selbst sagt, dass er heimatverbunden ist, meint: „Ich will unbedingt meinen Beitrag zur Stärkung der Region Chemnitz leisten.“

Mehr: Deichmann, Porsche, Kärcher: Familienunternehmen investieren 400 Millionen Dollar in Start-ups

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