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Martin Darbo

Der Firmenchef von Darbo setzt auf Zurückhaltung: „Wir behalten als Familie alles Wichtige für uns. Das Produkt steht im Vordergrund.“

(Foto: Darbo AG)

Martin Darbo Österreichs Marmeladenkönig nimmt Deutschland ins Visier

In Österreich ist Darbo bereits Marktführer. Das verschwiegene Familienunternehmen wächst auch in Deutschland rasant – und will noch mehr.
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Stans Während andere Hersteller wie der im benachbarten Kufstein ansässige Glashersteller Riedel mit einer Vorzeigebläserei und einem Fabrikverkauf jährlich viele Tausend Touristen anlocken, gibt sich der Feinkosthersteller Darbo im Inntal sehr zugeknöpft. Fabrikverkauf gibt es hier nicht. Die Lage inmitten eines Industriegebiets, eingequetscht zwischen Autobahn und Inn, ist alles andere als ein Ort alpiner Romantik.

Am Rand von Stans, einer kleinen Tiroler Gemeinde auf halben Weg zwischen Kufstein und Innsbruck, ragen gelbe Kräne in den blauen Himmel. Die letzten Arbeiten an der neuen, gewaltigen Industriehalle laufen. Das österreichische Familienunternehmen braucht mehr Platz am Stammsitz. Denn das Geschäft des Familienunternehmens in fünfter Generation mit Konfitüren, Sirup, Honig und Fruchtdesserts wächst kräftig.

Firmenchef Martin Darbo ist in anthrazitfarbener Hose und hellgrauem Jackett über dem weißen Hemd zurückhaltend gekleidet. Das hat Methode. Denn die Familie Darbo ist eine verschwiegene Gemeinschaft. „Wir behalten als Familie alles Wichtige für uns. Das Produkt steht im Vordergrund.“

Von seinem nüchternen Büro im vierten Stock des schlichten Verwaltungsgebäudes hat Vorstandschef Martin Darbo alles gut im Blick. Zusammen mit seinem Onkel Adolf, 62, führt der 40-jährige Jurist das Familienunternehmen, das im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 138 Millionen Euro erzielt hat.

Auch Martin Darbos drei Brüder arbeiten im Unternehmen mit 375 Mitarbeitern. Während sich sein Onkel um Technik und Logistik kümmert, trägt der Vorstandschef, der 2003 in die Firma eintrat und seit 2009 zum Vorstand aufstieg, die Verantwortung für Einkauf, Verkauf und Marketing. Vor vier Jahren starb sein Vater mit 69 Jahren. Seitdem steht der Absolvent der Innsbrucker Management-Hochschule MCI an der Spitze der Traditionsfirma.

Der Jahresüberschuss betrug im vergangenen Jahr 8,4 Millionen Euro, im Vorjahr waren es noch 5,8 Millionen. Das Ergebnis vor Steuern hat sich 2017 mit 11,3 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. „Wir sind ein Familienunternehmen mit einer gesunden und stabilen Ertragskraft“, sagt Darbo und lächelt.

Der österreichische Marktführer für Konfitüren und Honig nimmt nun den deutschen Markt ins Visier, der zehnmal größer ist als der Heimatmarkt Österreich. Der Wachstumstreiber sei der Export, vor allem in den deutschen Markt, sagt Darbo. „Wir haben in Deutschland einen festen Kundenstamm, der kontinuierlich wächst.“ 28 Prozent des Gesamtumsatzes stammen bereits aus der Bundesrepublik.

Mit dem Vertrieb der eigenen Produkte in Hotels wurde die Marke immer bekannter. Darbo-Marmeladen sind im Bayerischen Hof genauso zu finden wie in Fleming‘s Hotels oder auf dem Kreuzfahrtschiff „TUI mein Schiff.“

Der deutsche Markt für Konfitüren mit einem Gesamtvolumen von rund einer halben Milliarde Euro teilen sich zu zwei Dritteln Schwartau und die Eigenmarken der Supermarktketten. Nach einer Erhebung der „Lebensmittel-Zeitung“ kam Schwartau auf einen Marktanteil von knapp 30 Prozent im Jahr 2016. Danach folgen Zentis mit 7,9 Prozent und Andros mit 6,4 Prozent. Darbo kam vor zwei Jahren lediglich auf 3,1 Prozent.

Seitdem die Österreicher auf Angriff geschaltet haben, stieg der Marktanteil bei Marmeladen in Deutschland auf fünf Prozent. Die Exportquote von Darbo liegt bei knapp 53 Prozent. Doch auch andere Marmeladenhersteller quasi aus der Nachbarschaft tauchen im deutschen Markt auf wie das kleine Südtiroler Familienunternehmen Alpe Pragas, dessen Marmelade im Berliner Luxushotel Adlon serviert wird.

Die Anfänge des Familienunternehmens Darbo liegen 1879 in Görz (Gorizia), heute eine geteilte Stadt in Slowenien und Italien, damals Teil von Österreich-Ungarn. In einem kleinen Obstdampfwerk stellte Darbo damals Konfitüren, Sirupe, aber auch Fruchtliköre her. Nach dem Ende der Monarchie verlagerte die Firma Darbo in den 1920er-Jahren ihren Unternehmenssitz nach Stans. Dort befinden sich bis heute die Zentrale und zwei Produktionsstätten.

Ein weiteres Werk steht in der Nachbargemeinde Vomp. „Es ist beeindruckend, mit welcher Konsequenz Darbo seit Generationen eine Premiumstrategie verfolgt“, sagt Andreas Altmann, Wirtschaftsprofessor und Rektor der Innsbrucker Hochschule MCI, dem Handelsblatt. „Familienmitglieder haben Zeit, von älteren zu lernen, und der langfristige Unternehmenserfolg und -fortbestand steht über allem.“

Klimawandel als Herausforderung

Darbo ist ein industrielles Fruchtparadies. Rund 20 verschiedene Früchte werden hier verarbeitet. Die Sauerkirsche kommt beispielsweise aus Baden-Württemberg, die Schwarzkirschen aus der Schweiz, die Aprikose – auf Österreichisch Marille  – stammt aus Ungarn. Das Familienunternehmen braucht 14.000 Tonnen Tiefkühlfrucht im Jahr. „Der Einkauf der Früchte ist sehr wichtig“, sagt Martin Darbo. Dabei geht es nicht nur um den Preis, sondern vor allem um den Geschmack. Doch auch der Feinkostproduzent spürt den Klimawandel.

In diesem Jahr sind nach Unternehmensangaben Preiselbeeren knapp ausgefallen. Betroffen ist auch Honig, der schwerer als sonst zu beschaffen ist. „Die Früchte sind das größte Risiko für das Unternehmen“, sagt ein österreichischer Wirtschaftsexperte, der das Unternehmen seit Jahren kennt. „Denn die Ernte kann eben nur bedingt beeinflusst werden.“ Auf die Volatilität reagiert Darbo längst. „Wenn die Qualität gut ist, kaufen wir auch für mehr als eine Saison auf Vorrat“, berichtet der Firmenchef.

„Darbo ist zwar Industriemarmelade, aber eine, die schmeckt“, sagt ein kritischer Tiroler aus dem benachbarten Alpbach-Tal anerkennend. Im Gegensatz zu den Österreichern, die am liebsten Marillen-Konfitüre auf ihre Semmeln streichen, „ist Deutschland ein Erdbeerland, dann kommt erst Kirsche und Marille“, berichtet der Firmenchef. Darbo arbeitet unterdessen an neuen Produkten, auch wenn sein Unternehmen nicht „unbedingt bei jedem Trend der Erste sein“ will.

Zu den Innovationen zählt zum Beispiel das gekühlte Fruchtdessert namens Tagtraum, das im Herbst 2017 auf den Markt kam und in diesem Jahr bislang laut Nielsen bereits einen Anteil von 22 Prozent im Heimatmarkt Österreich erreicht hat. Ob es in Zukunft auch etwas Alkoholisches geben wird, ist noch unklar. Darbo sagt weder Ja noch Nein. Die Produktentwicklung betreibt die Firma ausschließlich im eigenen Haus. Somit ist Verschwiegenheit garantiert. Und das ist Martin Darbo und der Unternehmerfamilie sehr wichtig.

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