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Martin Menz Onlinehändler Relaxdays ist auf der Jagd nach Tech-Talenten

Das Unternehmen steigert den Umsatz jährlich um 50 Prozent. Um den Erfolg zu halten, wirbt Gründer Martin Menz an einem neuen Standort um IT-Nachwuchs.
04.08.2020 - 13:22 Uhr Kommentieren
Die Rekrutierung von jungen IT-Talenten ist zentral für das schnell wachsende Unternehmen. Quelle: Florian Kolf
Martin Menz

Die Rekrutierung von jungen IT-Talenten ist zentral für das schnell wachsende Unternehmen.

(Foto: Florian Kolf)

Halle Das ganze Gebäude atmet Geschichte: Zwischen den weiß getünchten Backsteinwänden der 80 Jahre alten Halle wurde jahrzehntelang der Wartburg 353 Tourist, die Kombi-Version des DDR-Mittelklasseautos mit Zweitaktmotor, montiert.

Martin Menz ist zwar heimatverbunden, aber er hat nicht viel Zeit für nostalgische Gefühle. Er nutzt die Halle als Hochregallager für sein E-Commerce-Unternehmen Relaxdays. Tausende Pakete gehen hier jeden Tag raus, werden auf Paletten an Versandpartner wie DHL übergeben. In der Coronazeit brummte das Geschäft noch mal mehr. Die Produkte von Relaxdays, das sich auf die Bereiche Haus, Garten und Freizeit spezialisiert hat, waren in den vergangenen Monaten extrem gefragt.

Gesteuert wird die Logistik von einer Software, die das Unternehmen selbst entwickelt hat und die sich auch bei den starken Nachfrageschwankungen der vergangenen Monate bewährt hat. Rund 60 Software-Mitarbeiter hat das junge Unternehmen. „Wir sind eine Tech-Firma“, sagt Gründer Menz kategorisch.

Die Rekrutierung von jungen IT-Talenten ist deshalb zentral für das schnell wachsende Unternehmen. Menz hat sich daher zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Im nur rund 40 Kilometer entfernten Leipzig hat er jetzt ein 400 Quadratmeter großes Büro eröffnet – um IT-Spezialisten anzulocken, die nicht nach Halle umziehen wollen. Auch in Dresden hat er schon so einen Entwicklungsstandort aufgemacht.

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Standort erkennen

    Zugleich kooperiert Menz eng mit den Hochschulen an den drei Standorten. Er vergibt in Halle und Leipzig jeweils 20 Stipendien, um den Tech-Nachwuchs für sein Unternehmen zu gewinnen. Das schätzen auch die Hochschulen. „Wir freuen uns als Universität sehr, neben vielen anderen Partnern der Wirtschaft auch mit Relaxdays ein bedeutendes Unternehmen an unserer Seite zu wissen“, sagt Christian Tiedje, Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Der Unternehmer sei eng mit der Uni verbunden, berichtet Tiedje. Vor Kurzem erst habe man über weitere Projekte gesprochen.

    Für Menz sind solche Gespräche an der Hochschule immer noch etwas Besonderes, hat er doch sein eigenes BWL-Studium nach nur einem Semester entnervt abgebrochen. Mit 20 Jahren eröffnete er seinen Eltern, dass er sein eigenes Unternehmen gründen will. Er lieh sich 2000 Euro Startkapital von seinem Bruder, und innerhalb von zehn Jahren, so sein damaliger Plan, wollte er Millionär sein.

    Stetiges Wachstum

    Sein erstes Produkt waren Kopfkratzer mit dem Design eines Rührbesens, die er aus dem Wohnzimmer seiner Eltern heraus über Ebay verkaufte. Nachdem sich das überraschend erfolgreich entwickelte, mietete er sich ein erstes Büro an. 2008 hatte er zehn Mitarbeiter und eröffnete seinen eigenen Webshop unter dem Namen Relaxdays. Heute umfasst sein Sortiment mehr als 6000 Artikel. Der entscheidende Schritt war, nach den etwas naiven Anfängen, ganz konsequent auf selbst entwickelte Produkte unter eigener Marke zu setzen, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

    „Relaxdays hat gezeigt, dass man mit klugen Strategien immer wieder neue Nischen in der Handelswelt erobern kann“, sagt Alexander Graf, E-Commerce-Experte und Gründer des Beratungsunternehmens eTribes. Er sieht das Erfolgsgeheimnis in der klaren Fokussierung auf den Onlinehandel und der regelmäßigen Erneuerung des Sortiments. „Für mich ist Martin Menz als Unternehmer beeindruckend, weil er in einer so wettbewerbsintensiven Branche mit hoher Beharrlichkeit seinen Platz erobert hat und diesen wohl auch noch lange erfolgreich verteidigen kann.“

    Die wirtschaftlichen Daten sprechen dafür. 2015 hatte das Unternehmen noch einen Umsatz von zehn Millionen Euro. Seitdem ist es im Schnitt pro Jahr um 50 Prozent gewachsen. Jetzt hat Relaxdays die Marke von 100 Millionen Euro im Blick. Noch macht Menz rund 50 Prozent seines Umsatzes über Amazon, aber er will diese Abhängigkeit verringern, indem er das Geschäft mit anderen Plattformen ausbaut. Perspektivisch will er seine Markenprodukte auch über stationäre Handelsketten verkaufen.

    Was er immer wieder betont: Anders als viele andere Start-ups war sein Unternehmen von Anfang an profitabel. Als typischen Start-up-Gründer sieht sich Menz ohnehin nicht, eher als Unternehmer. „Ich habe das unternehmerische Denken von klein auf gelernt“, sagt er. Sein Vorbild ist sein Vater, der unter anderem eine Gaststätte hatte.

    Wichtig ist dem Alleineigentümer von Relaxdays, von niemandem abhängig zu sein. „Ich bin nicht in Berlin groß geworden, wo Gründer erst mal Investorengelder einsammeln, um dann möglichst schnell zu wachsen“, betont er. Wenn man mit seinem eigenen Geld arbeite, drehe man jeden Euro zweimal um. Das erziehe zu einem sorgfältigen Umgang mit den Ressourcen und schütze vor Übermut. „Denn wenn du ein Jahr komplett verreißt, kann es sein, dass die Banken dir den Stecker ziehen“, sagt er.

    In der Region verwurzelt

    Hatte er anfangs fast alles alleine gemacht, hat er mittlerweile gelernt zu delegieren. „Das Unternehmen hing zu stark an mir, ich hatte das Gefühl, dass ich der einzige Motor bin, der alles antreibt“, erinnert sich der Gründer. Er hat jetzt vier Geschäftsführer, die ihm den Großteil der operativen Arbeit abnehmen. Er selbst kümmert sich stark um das Thema Personal. Seine Firmenanteile hat er in die 2017 gegründete Rollercoaster Ventures eingebracht. Nebenher hat er noch eine Gebäudeverwaltung und die Personalvermittlungsagentur Homebase.

    Ein großer Faktor ist für ihn auch die Verwurzelung in der Region. „Ich bin sehr froh, dass wir unsere Zentrale hier in Halle haben“, sagt Menz, der auch in der 230.000-Einwohner-Stadt geboren ist. „Die Menschen hier sind sehr bodenständig mit Werten, die zu uns passen.“ Er sehe sein Unternehmen als guten Ort für Leute, „die etwas erreichen und gestalten können“. Deshalb erfüllt es ihn auch mit etwas Stolz, dass er an die 300 Arbeitsplätze in der Region geschaffen hat.

    Doch er weiß auch, dass der Erfolg auf Dauer kein Selbstläufer ist. Gerade die Coronakrise hat wieder gezeigt, dass selbst Onlinehändler bei solch plötzlichen Verwerfungen verletzlich sind. Auch für Relaxdays war die Situation eine Herausforderung. „Wir sind gut da durchgekommen“, sagt er.

    Doch geärgert hat Menz, der sich selber als Perfektionisten bezeichnet, dass es Lieferverzögerungen gab - wegen der großen Nachfrage, aber auch wegen Problemen in der Logistik. So wurden ganze Lkws wegen der Beschränkungen infolge der Pandemie an der Grenze zurückgeschickt, und Relaxdays, das europaweit versendet, musste seine Kunden im Ausland vertrösten.

    „Die Frage, ob ich morgen noch wettbewerbsfähig bin und auch auf Dauer gegen Unternehmen wie Amazon bestehen kann, hält mich in Bewegung“, betont Menz. Ein gutes Produkt zu haben reiche heute nicht mehr aus, um Erfolg zu haben. „Wir müssen uns regelmäßig neu erfinden, damit wir eine Zukunft haben.“

    Mehr: Wo Ostdeutschland wieder Erfolgsgeschichten hervorbringt.

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