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Medienbranche Kloiber gewinnt Investor Haindl für seine Filmproduktionsfirma

Die Coronakrise sehen sie als Chance: Mit der Produktionsfirma Night Train Media wollen die Unternehmer vom Boom der Streamingdienste profitieren.
10.09.2020 - 11:53 Uhr Kommentieren
Der frühere Tele München Geschäftsführer hat für seine neue Filmproduktionsfirma mit Philipp Haindl einen prominenten Investor gewonnen. Quelle: Nighttrainmedia
Herbert L. Kloiber und Philipp Haindl

Der frühere Tele München Geschäftsführer hat für seine neue Filmproduktionsfirma mit Philipp Haindl einen prominenten Investor gewonnen.

(Foto: Nighttrainmedia)

Düsseldorf, Brüssel Geografisch sind sich die beiden Unternehmer schon länger nahe. Herbert Leopold Kloiber hat das Büro seiner Anfang des Jahres gegründeten Filmproduktionsfirma Night Train Media in der zweiten Etage über dem Münchener Traditionslokal „Franziskaner“, mit Blick auf die Staatsoper. Philipp Haindl residiert mit seiner Mittelstandsholding Serafin an der „Löwengrube“ – nur wenige Gehminuten entfernt.

Künftig werden sich Kloiber und Haindl auch häufiger treffen – und dann vor allem geschäftlich. Denn, wie das Handelsblatt vorab erfuhr, steigt Haindl als Gesellschafter bei Night Train Media ein. „Ich habe eine aktive Gesellschafterrolle“, sagt der 42-jährige Haindl. „Das Tagesgeschäft liegt aber zu 100 Prozent bei Herrn Kloiber.“ Dieser nutzt sein in vielen Jahren – in denen er auch für seinen berühmten Vater gearbeitet hat – erworbenes Netzwerk. Für Haindl dagegen ist das Filmgeschäft neues Terrain.

Was beide verbindet: Sie tragen einen großen Namen, treten aber aus den langen Schatten ihrer unternehmerischen Vorfahren heraus. Herbert Kloiber senior galt mit seiner Tele-München-Gruppe als einer der erfolgreichsten Filmunternehmer Deutschlands. Der Österreicher begann einst als Manager bei Leo Kirch und war dann 43 Jahre Unternehmer mit zeitweise mehr als 5000 Mitarbeitern.

Zur Tele-München-Gruppe gehörten etwa Beteiligungen an den Privatsendern RTL 2 und Tele 5, der Filmverleih Concorde und die Mehrheitsbeteiligung an der börsennotierten Odeon Film. In Hollywood war der gebürtige Wiener über Jahrzehnte ein gefragter Rechtehändler.

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    Im Frühjahr 2019 verkaufte Vater Kloiber das renditestarke Unternehmen mit rund 250 Millionen Euro Umsatz an den amerikanischen Finanzinvestor KKR. Im August 2019 verließ auch der Sohn das Unternehmen, in dem er seit 2012 arbeitete, zuletzt führte er als Geschäftsführer den weltweiten Lizenzhandel und die internationalen Koproduktionen.

    Familie Haindl verkaufte vor 19 Jahren Deutschlands größten Papierhersteller an den finnischen Konzern UPM Kymmene. Die gesamte Unternehmerfamilie bestand damals aus 32 Gesellschaftern mit unterschiedlich großen Anteilspaketen. 2003 startet Philipp Haindl nach einem Studium der Wirtschaftsgeschichte an der London School of Economics im Family Office, später lernt er bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG und bei einem Finanzinvestor dazu, bevor er vor zehn Jahren Serafin gründet.

    Neuland für Investor Haindl

    „Es gibt Parallelen in unserer Vita“, sagen Haindl und Kloiber unisono. „Man führt eine Tradition als Familienunternehmer fort, aber startet zugleich etwas ganz Neues.“

    Kloiber gründete allerdings erst Anfang dieses Jahres Night Train Media, ein Koproduktions- und Kofinanzierungsunternehmen. Auch Lizenzhandel ist dabei, erläutert der 43-Jährige. Als Partner hat sich Kloiber die Mediengruppe Nent an Bord geholt. Gemeinsam mit den Schweden will er Filme und Serien entwickeln und produzieren. Nent soll dafür die exklusiven Vertriebsrechte in den nordischen Staaten erhalten. Mit Olivia Pahl hat er eine erfahrene Produzentin als Head of Development & Co-Production verpflichtet.

    Und mit Philipp Haindl hat er nun einen Investor als Gesellschafter, der sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre ein stattliches Konglomerat an Firmen zusammengestellt hat. Rund 900 Millionen Euro setzen die Firmen zusammen um, mehr als 5000 Mitarbeiter beschäftigen die Portfoliounternehmen – mehr als Haindl Papier vor 20 Jahren. Mit einer extrem schlanken Holding von rund 30 Mitarbeitern lenkt Haindl die Unternehmen, sieht Serafin als internen Unternehmensberater bei den Firmen und schickt auch zeitweise Manager für Unternehmensentwicklung in die Portfoliounternehmen.

    Bislang investierte Philipp Haindl mit seinen beiden Mitstreitern in klassische mittelständische Unternehmen, dort „wo es stinkt und raucht“, sagte er einmal. Einer der größeren Zukäufe war das europäische Geschäft mit Polycarbonatplatten vom Kunststoffhersteller Covestro.

    Night Train sei daher kein typisches Serafin Investment, sagt Haindl, wenn es auch rein rechtlich ein verbundenes Unternehmen sei. „Meine Einflussnahme wird nicht so stark wie bei anderen Investments sein“, sagt der Vater dreier Kinder, der selbst gern Star Wars, Game of Thrones, historische Serien und Dokumentationen schaut. Auch Kloiber schaut privat historische Eventserien. Er war Executive Producer von Serienprojekten wie „Der Name der Rose“, „Professionals“, „Hidden“ und „Himmelstal“.

    Mit Night Train produziert er zu 70 Prozent englischsprachige Serienprojekte und mit einem US-Studio entwickelt er außerdem eine historische Miniserie. Der Einstieg von Haindl ist aber auch kein reiner Freundschaftsdienst. Denn der Zeitpunkt ist aus Investorensicht denkbar günstig.

    Das junge Unternehmen hat keine Altlasten durch Produktionsstillstand infolge der Pandemie. „Die Coronakrise hat uns nicht geschadet“, stellt Kloiber klar. Night Train Media konnte mit dem strategischen Partner Nent und anderen Marktteilnehmern neue Serienprojekte entwickeln, sagt der Filmunternehmer. „Denn der Bedarf an neuen Inhalten wächst wegen jüngster Ausfälle gerade in der Pandemie.“

    Profitieren vom Boom der Streamingdienste

    Covid-19 mit seinen Auswirkungen auf das Alltagsleben sorge für einen Boom der Streamingdienste. Dorthin gingen derzeit die Budgets im Film- und Seriengeschäft. „Und Streamingdienste gehören zu unseren Kunden.“ Night Train Media setzt dabei auf internationale Produktionen, um das Risiko besser streuen zu können. „Deshalb produzieren wir hauptsächlich in Englisch.“

    Haindl und Kloiber liegen mit ihrer optimistischen Markteinschätzung nicht falsch, bestätigt Wolfram Winter, Honorarprofessor für Medienmanagement an der Macromedia Hochschule in München. Der Markt für Produzenten stehe trotz Corona in einer „wunderbaren Blüte“. Die Nachfrage habe sich von Sky über RTL und Netflix bis hin zu Amazon und Disney Plus vervielfacht, erklärt der Experte. In dieser Situation kämen neue Marktteilnehmer zum Zug. „Kloiber ist daher kein Einzelphänomen.“

    Entsprechend selbstbewusst treten die beiden Unternehmer auf. „Es gibt große Studios, für die wir vor einem Jahr noch nicht unbedingt der erste Ansprechpartner gewesen wären“, so Haindl. Das habe sich jetzt geändert. „Wir wollen in einer überschaubaren Zeit in die Gewinnzone kommen“, sagt Kloiber. „Wir wollen einer der größten deutschen Marktteilnehmer in der internationalen Film- und Serienproduktion werden. Das ist mein Ehrgeiz.“

    Um das zu erreichen, scheuen sie auch keine Akquisitionen. „Für Zukäufe sind für uns internationale Rechtebibliotheken oder stabile Vertriebsfirmen interessant. Ich könnte mir auch vorstellen, mit der einen oder anderen Produktionsfirma eine Beteiligung einzugehen“, sagt Kloiber. Gelegenheiten gebe es, bestätigt auch Haindl: „Wir haben schon erste Akquisitionsmöglichkeiten auf dem Tisch.“

    Doch eine Grenze kennt Investor Haindl. Über den roten Teppich wird er wohl nicht flanieren. „Das ist eher nichts für mich“, sagt er lachend. „Wenn ich mal zu einer Premiere gehen sollte, dann werde ich den Hintereingang nutzen.“

    Mehr: Herbert Kloiber verabschiedet sich mit dem Deal seines Lebens

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