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Medienkonzern Bertelsmann-Chef Rabe setzt in der Werbeflaute auf Kostenkontrolle

Das Familienunternehmen hat in den ersten sechs Monaten weniger umgesetzt und verdient. Vorstandschef Rabe hat mit deutlichen Kostenmaßnahmen reagiert.
01.09.2020 Update: 01.09.2020 - 15:17 Uhr Kommentieren
Quelle: dpa
Bertelsmann-Konzernchef Thomas Rabe plaudert auch über das Objekt der Begierde, das Buchhaus Simon & Schuster.

Düsseldorf Seit eineinhalb Jahren führt Thomas Rabe gleich zwei Unternehmen: Er ist Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Bertelsmann und leitet zugleich als CEO die größte Unternehmenstochter, die RTL Group, die etwa ein Drittel des Konzernumsatzes erzielt. Die Doppelrolle des 55-jährigen Managers findet dieses Jahr unter erschwerten Bedingungen statt: Die Coronakrise hat auch beim Gütersloher Familienunternehmen kräftig Spuren hinterlassen

Bertelsmann hat im ersten Halbjahr des Jahres 7,8 Milliarden Euro umgesetzt, das waren 8,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Unternehmen, das gewöhnlich über kräftige Zuwächse berichtet, litt vor allem unter dem schwachen Werbegeschäft der beiden Medientöchter RTL Group sowie Gruner + Jahr.

So büßte die TV-Tochter RTL Group im selben Zeitraum 16,4 Prozent an Umsatz ein. Das Werbegeschäft war vor allem im zweiten Quartal eingebrochen. „Vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage beurteilen wir unser Ergebnis als ausgesprochen positiv“, sagte Bertelsmann-Chef Rabe am Dienstag, nachdem das Unternehmen die Geschäftszahlen veröffentlicht hatte.

Der operative Konzerngewinn betrug in den ersten sechs Monaten gut eine Milliarde Euro, das ist ein Rückgang um 21,9 Prozent. Dahinter steckt ebenfalls das schwache Werbegeschäft. Der Fernsehkonzern RTL Group sowie die Verlagstochter Gruner + Jahr verzeichneten kräftige Rückgänge im Ergebnis: Beide Firmen mussten etwa eine Halbierung ihrer operativen Gewinne hinnehmen.

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    Alles in allem hat sich der Dämpfer bei Bertelsmann in den ersten sechs Monaten jedoch in Grenzen gehalten – dafür waren vor allem vier der insgesamt acht Unternehmenstöchter verantwortlich. „Bertelsmann profitiert in dieser Situation von seinem breiten Konzernportfolio und dem hohen Anteil digitaler Geschäftsmodelle“, sagte Konzernchef Rabe.

    Seit 2012 führt der gebürtige Luxemburger den Milliardenkonzern Bertelsmann. Seitdem hat er die Diversifizierung vorangetrieben. Zugleich hat er dafür gesorgt, dass sich die Quote der Digitalgeschäfte deutlich erhöht. Heute liegt sie bei über 50 Prozent. Das scheint sich in Zeiten der Coronakrise auszuzahlen.

    Kosten drastisch reduziert

    „Die Rückgänge bei den Werbeerlösen konnten insbesondere durch die gut laufenden Buchverlage, das Musikgeschäft, die Arvato-Dienstleistungsgeschäfte und das Bildungsgeschäft, aber auch durch aktives Kosten- und Cashflow-Management zu einem beträchtlichen Teil ausgeglichen werden“, sagte Rabe. So ging der Umsatz von Penguin Random House leicht auf 1,6 Milliarden Euro zurück, während er bei der Musiktochter BMG leicht auf 282 Millionen Euro und bei Arvato ebenfalls geringfügig auf knapp 2,1 Milliarden Euro stieg.

    Rabe, der lange Zeit als Finanzvorstand zunächst bei der RTL Group und ab 2006 dann bei Bertelsmann arbeitete, hat sich in der Coronazeit verstärkt mit dem Kostenmanagement des Konzerns befasst. Das Resultat: Mehr als 60 Prozent des Umsatzrückgangs im Zuge der Corona-Gegensteuerung wurden „kostenseitig kompensiert“. So seien beispielsweise die Programmkosten bei RTL reduziert worden, Sachkosten seien gekappt und variable Kosten ebenfalls heruntergefahren worden, erklärte Rabe. Offene Stellen seien darüber hinaus zunächst nicht besetzt worden.

    In den Hochzeiten der Coronakrise befanden sich in Deutschland außerdem rund 7000 Bertelsmann-Mitarbeiter in Kurzarbeit, aktuell sind es noch etwa 1000 Beschäftigte. Erholung scheint in Sicht: Seit September sind die Mitarbeiter der beiden Medienhäuser RTL Group sowie Gruner + Jahr nicht mehr von der Maßnahme betroffen. Lediglich in einigen Bereichen von Arvato müssen Beschäftigte auch diesen Monat noch in der Kurzarbeit verbleiben. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 126.000 Mitarbeiter.

    Des Weiteren plant Bertelsmann punktuell Personalabbau, beispielsweise bei der Offset-Druckerei, wo 470 Stellen wegfallen. Allerdings gebe es keine „Bertelsmann-weiten Sparmaßnahmen“, betonte Rabe. „Wir suchen parallel auch nach Mitarbeitern.“

    Interesse zeigt Bertelsmann auch an dem US-Buchverlag Simon & Schuster, wenn der Mutterkonzern Viacom CBS den geplanten Verkauf vorantreibe, sagte Rabe der „Financial Times“ am Dienstag. „Wir waren in den vergangenen zehn Jahren der aktivste Akteur bei der Konsolidierung des Buchverlagsmarktes.“ Die Gütersloher hätten Penguin und Random House sehr erfolgreich kombiniert. „Angesichts dieser Position wären wir natürlich an Simon & Schuster interessiert.“

    Für das zweite Halbjahr 2020 rechnet das Unternehmen mit einer schrittweisen Erholung der Werbemärkte. Unter Berücksichtigung der hohen Prognoseunsicherheit sollten Umsatz und operatives Ergebnis ohne die TV- und Zeitschriftengeschäfte das Vorjahresniveau erreichen, sagte Rabe.

    Rechnet man die Umsätze und Ergebnisse mit ein, dann geht er davon aus, dass der Konzernumsatz rückläufig sein wird – mit einem Minus „von maximal fünf Prozent“. Auch das Ergebnis werde „unter dem Vorjahreswert“ liegen, sagte der Bertelsmann-Chef.

    Mehr: Werbeeinahmen bei RTL brechen ein – Gewinn halbiert sich

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