Medizin-Start-up Klara-Gründer starten mit frischem Geld den zweiten Anlauf in den USA

Das Start-up Klara will die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessern. Nun erhalten die Gründer die Finanzierung für die Expansion.
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Ihr Unternehmen Klara bietet Ärzten eine Kommunikationslösung, die Patienten schneller Hilfe bieten und Praxen ein effizienteres Management ermöglichen soll. Quelle: PR
Simon Lorenz (links) und Simon Bolz

Ihr Unternehmen Klara bietet Ärzten eine Kommunikationslösung, die Patienten schneller Hilfe bieten und Praxen ein effizienteres Management ermöglichen soll.

(Foto: PR)

DüsseldorfSimon Bolz und Simon Lorenz teilen nicht nur den Vornamen und sind beide 36 Jahre alt, sondern haben auch eine gemeinsame Vision: das Zusammenspiel zwischen Ärzten und Patienten von Grund auf zu verändern. Doch um diese in die Realität umzusetzen, mussten die beiden Gründer erst einmal gehörig scheitern, um dann in die USA wieder von vorne zu beginnen.

Ihr Unternehmen Klara bietet Ärzten eine Kommunikationslösung, die Patienten schneller helfen und Praxen ein effizienteres Management ermöglichen soll. Mit ihrer Idee wollen sie den US-Markt aufrollen. Das nötige Geld sammeln die Gründer jetzt bei Investoren ein, wie das Handelsblatt erfuhr.

Vom US-Investor Lerer Hippeau, der bereits in früher Phase in Buzzfeed oder die Huffington Post investierte, und den deutschen Wagniskapitalgebern Project A und Atlantic Labs erhält das Start-up 11,5 Millionen Dollar für die weitere Expansion und Weiterentwicklung. Der deutsche Markt muss da erst einmal warten.

Das Telefon sei für die meisten Interaktionen zwischen Patient und Arztpraxis ineffizient, zeitraubend und schlicht inakzeptabel, sagt Gründer Bolz: „Uns war klar, dass die Medizin im Ganzen eine Dienstleistung ist, auch wenn sie nicht gerne als solche gesehen wird.“ Diese Dienstleistung bestehe insbesondere aus Kommunikation – und die wollen man „heilen“, um am Ende die Qualität der Versorgung im Ganzen zu verbessern.

Im Kern geht es bei Klara darum, dass Patienten über eine sichere Chatfunktion mit den Praxismitarbeiter interagieren können. Das Unternehmen bietet aber auch Angebote wie zum Beispiel einen Webseiten-Chatbot oder ein Werkzeug zum Aufgabenmanagement.

Bei Bolz und Lorenz steckt die Medizin im Lebenslauf: Nachdem Bolz zwei Unternehmen aufgebaut hatte, von denen eins scheiterte, setzte er größere digitale Projekte mit Praxen, Krankenhäusern und Gesundheitsunternehmen auf. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler merkte schnell, welch gewaltiges Potenzial in diesem Bereich schlummert.

Simon Lorenz kommt aus einer Medizinerfamilie, alle Verwandten der vergangenen drei Generationen waren Ärzte: „Ich war das schwarze Schaf, das den Wirtschaftsweg einschlägt.“, sagt der Gründer. Nachdem er ebenfalls Wirtschaft studiert hatte, arbeitete er bei der Unternehmensberatung TCW und promovierte an der TU München in Gesundheitsökonomie.

„Medizin muss mehr als ein Service gesehen werden“

Beide hätten beide auf unterschiedliche Weise das Gesundheitssystem und dessen Probleme kennengelernt, ergänzt Bolz: „Dann haben wir unsere Perspektiven verglichen.“ Und Klara ward geboren – am Anfang jedoch mit einer völlig anderen Idee in Deutschland.

2013 gingen sie mit einem Telemedizin-Konzept an den Start: Patienten konnten per Foto zum Beispiel ihre Muttermale einschicken, die dann von Dermatologen begutachtet wurden. Doch obwohl Patienten und Ärzte zufrieden gewesen seien, gab es Probleme, sagt Bolz: „Die Kosten für Vertrieb und die Skalierbarkeit des Modells waren herausfordernd. Auch haben wir einige Steine in den Weg gelegt bekommen, was einer der Gründe war, warum wir von Anfang an ein Bein im Ausland hatten – insbesondere in den USA.“ Weniger Monate später verlagerten sie ihr Geschäft dann in die USA.

Rückblickend auf Deutschland sind sie überzeugt, dass Vernetzung gefördert und die Motivation für Ärzte, innovative und patientenfreundliche Technologien und Dienstleistungen zu verwenden, gesteigert werden muss: „Medizin muss immer mehr als ein Service oder eine Dienstleistung gesehen werden. Das soll nicht bedeuten, dass sie amerikanisiert oder minderwertiger wird, sondern das Qualität und Effizient zur gleichen Zeit steigen können“, ist Bolz überzeugt.

Auch Uwe Horstmann, Partner beim Investor Project A sieht Nachholbedarf: „Das Gesundheitswesen ist sehr fragmentiert und liegt im Vergleich mit anderen Branchen in Sachen Transparenz, Flexibilität und Effizienz weit zurück”, sagt Uwe Horstmann. Klara sei ein elementares Bindeglied, das im Gesundheitssystem dringend gebraucht werde, um einfachen und sicheren Austausch zu ermöglichen und Patienten ihre Souveränität zurückzugeben.

Dafür nimmt Bolz das Heimweh nach Frau, einer Gynäkologin, und den drei Kindern in Kauf, wenn er zwischen New York und Berlin hin und her pendelt. Lorenz ist bereits vor drei Jahren direkt in die USA gezogen. Vielleicht komme man in Zukunft wieder mehr in die Heimat, meint Bolz: „Wenn der Markt etwas reifer ist und sich die richtigen Möglichkeiten auftun.“

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