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Metalshub Diese Gründer haben eine Plattform für Spezialmetalle aufgezogen

Die ehemaligen Unternehmensberater Sebastian Kreft und Frank Jackel haben eine Plattform für Nischenmetall gegründet. Ihr Geschäft wächst rasant.
08.03.2020 - 13:13 Uhr Kommentieren
Frank Jackel (rechts im Bild) und Sebastian Kreft sind seit vielen Jahren in der Branche tätig. Quelle: Metals Hub GmbH
Metalshub-Gründer

Frank Jackel (rechts im Bild) und Sebastian Kreft sind seit vielen Jahren in der Branche tätig.

(Foto: Metals Hub GmbH)

Düsseldorf Auf die Frage, was am Metallhandel so interessant sei, hat Sebastian Kreft eine überraschende Antwort. „Ich fand die Branche immer sympathisch, weil man im Bergbau keine Krawatte trägt.“ Dabei zählten modische Binder doch zwingend zu Krefts Outfit, als er Managern aus Bergbaukonzernen erstmals gegenübersaß. Kreft war in seinen ersten Berufsjahren nach dem BWL-Studium für die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) unterwegs, genauso wie sein heutiger Partner Frank Jackel.

Beide am Standort Düsseldorf, Schwerpunkt Bergbau. Damals gehörten Dienstreisen in alle Welt, vor allem nach Afrika, zum Pflichtprogramm. „Die Bergbaukonzerne waren gut im Löcherbuddeln“, sagt Kreft, „aber nicht im Verkaufen.“ Das zu ändern war unter anderem ihr Auftrag.

Seit dieser Zeit hängt der 38-jährige Kreft an Molybdän, Mangan oder Ferroniob. Alles Spezialmetalle und Legierungen, die hauptsächlich Fachleuten etwas sagen. Kreft und Jackel gründeten die Handelsplattform Metalshub für diese Nischenmetalle. Die ging vor zwei Jahren an den Start.

Die Marktlücke ist offensichtlich, inzwischen sind mehr als 700 Verkäufer, Käufer und Zwischenhändler auf Metalshub registriert. 2019 wurden Metalle und Ferrolegierungen im Gesamtwert von 100 Millionen Euro auf dem digitalen Marktplatz gehandelt.

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    Metalshub selbst handelt nicht und will es auch nicht, sagt der Gründer, um die Neutralität der Plattform zu wahren. Dabei könnte Kreft durchaus einen guten Verkäufer abgeben. Zum Termin stellt er kleine Marmeladengläser mit Schnappverschluss auf den Tisch, gefüllt mit glänzenden Metallstückchen, Ferronickel zum Beispiel oder Mangan. In der Firmenzentrale am „Platz der Ideen“ in der rheinischen Landeshauptstadt steht noch mehr davon.

    Das alles erinnert ein bisschen an frühere Chemiestunden. Zumal Kreft auch ohne Dozentenchinesisch in der Lage ist, die Eigenschaften der unscheinbaren Materialien zu beschreiben. Wer weiß schon, dass Niob zu etwa 0,5 Prozent beigemischt die Festigkeit von Stahl erhöht? Das ist wichtig im Automobilbau, wo die Bleche dünn sein müssen, um Gewicht zu sparen.

    17 Produkte auf Metalshub

    Und: Man kann Niob durch Vanadium ersetzen. Das macht zum Beispiel Sinn, wenn die Preise für eine der Legierungen durch die Decke gehen. Und wenn die Industrie dann Ersatz sucht. Gerade erst bringt die Ausbreitung des Coronavirus den Markt schwer durcheinander.

    Inzwischen werden 17 Produkte auf Metalshub gehandelt. Die Nutzer kommen aus 66 Ländern. Sie können Angebote einstellen oder Aufträge. Sie können ihre Verträge versichern. Metalshub checkt, ob der Handel mit den Metallen gegen irgendwelche Sanktionen verstößt. Anbieter und Käufer können sich über die Eigentumsverhältnisse ihrer potenziellen Geschäftspartner informieren.

    Vertrauen, sagt Kreft, sei das A und O in dieser Branche. Zu einfach ist es, Kunden zu betrügen. Durch minderwertige Ware etwa. Denn Käufer und Verkäufer kommen aus völlig unterschiedlichen Welten, auch geografisch gesehen. Deshalb, so Kreft, ging es bislang in der Bergbaubranche und im Handel mit den Metallen extrem altmodisch zu. Frachtpapiere werden weitgehend noch per Brief oder Fax ausgetauscht, persönliche Beziehungen spielen eine wichtige Rolle.

    Frühere Versuche, mit elektronischen Plattformen den Handel zu modernisieren, seien alle gescheitert, berichtet Kreft. Metalshub scheint sich aber durchzusetzen. Wohl auch deshalb, weil Kreft und sein 43 Jahre alter Compagnon Jackel jahrelang selbst Rohstoffe für Anglo American in London gehandelt haben. Sie kennen die Branche, wissen, dass ein „digitaler Marktplatz für viele Rohstoffhändler ein extremer Kulturwandel ist“.

    Einer der führenden Edelstahlhersteller der Welt, die finnische Outokumpu, die jährlich für vier Milliarden Euro Rohstoffe einkauft, ist davon überzeugt, dass der B2B-Markplatz Metalshub in dieser „sehr konservativen Branche“ (Kreft) funktionieren wird. Der Schlüssel zum Erfolg sei das Verständnis der Gründer für die Eigenheiten im Rohstoffhandel, ist Outokumpu-Beschaffungsmanager Frank Ehrenberg überzeugt.

    Überzeugt von ihrer Geschäftsidee haben Kreft und Jackel auch ihre Geldgeber. Unter ihnen die drei Flixbus-Gründer Engert, Krauss und Schwämmlein, der frühere BCG-Deutschlandchef Dieter Heuskel und der Unternehmer und Entrepreneur des Jahre 2015 Ralf Köster.

    Sie finanzieren auch eine ganz große Vision. Kreft und Jackel wollen auf Sicht nicht nur Geschäfte über ihre Plattform vermitteln, Metalshub soll irgendwann auch Marktpreis-Indizes bilden. So wie die global führende London Metal Exchange (LME) das für Kupfer oder Aluminium macht. Nur eben für Niob oder Molybdän.

    Mehr: Malte Bürger, Jan Herold Müller und Johannes Feik vermitteln Praktikumsplätze für Schulabgänger.

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