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Michael Bloomberg Der Milliardär, der den anderen Milliardär aus dem Amt drängen will

Der Ex-Bürgermeister von New York hat als Unternehmer schon früh die Bedeutung von Daten erkannt. Jetzt positioniert er sich als Alternative zu Donald Trump.
20.02.2020 - 17:25 Uhr Kommentieren
Der demokratische Kandidat genießt großen Rückhalt an der Wall Street. Quelle: Reuters
Michael Bloomberg

Der demokratische Kandidat genießt großen Rückhalt an der Wall Street.

(Foto: Reuters)

New York „Ich bin ein New Yorker. Ich weiß, wie man gegen einen arroganten Hochstapler wie Donald Trump gewinnt, der aus New York kommt.“ Mit diesem Satz will Michael Bloomberg das Publikum überzeugen, dass er das Zeug hat, den amtierenden US-Präsidenten aus dem Amt zu jagen.

Erst Ende November hat der Unternehmer, Milliardär und Ex-Bürgermeister von New York seine Kandidatur bekanntgegeben. Am Mittwochabend war er zum ersten Mal mit fünf anderen Kandidaten auf der Bühne, um sich den Fragen der Journalisten und den Angriffen der Konkurrenten zu stellen. Auf dem Podium stand der eher klein gewachsene 78-Jährige ganz links außen. Politisch und in der Diskussion ist er im Zentrum.

Mit steifer Miene sagt er Sätze wie: „Ich bin ein Manager“ oder „Ich weiß, wie man die größte, komplizierteste Stadt mit der höchsten Diversität des Landes führt“ und „Ich bin ein Philantrop, der sein Geld selbst verdient und nicht geerbt hat“. Dabei huscht ein verschmitztes Lächeln über die Lippen.

Tatsächlich ist Bloomberg einer der reichsten Menschen der Welt, der es mit dem nach ihm benannten Finanzdaten- und Medienkonzern zu einem Vermögen von geschätzten 64 Milliarden Dollar gebracht hat.

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    Als Startkapital hat Michael Bloomberg seine Abfindung in Höhe von zehn Millionen Dollar als Partner bei Salomon Brothers genutzt. Die erhielt er 1981, als die Investmentbank übernommen wurde und er gehen musste. Heute hält er 88 Prozent an Bloomberg LP.

    Das Unternehmen verkauft vor allem Finanzdaten, betreibt aber auch eine gleichnamige Nachrichtenagentur, einen Fernsehsender und gibt Zeitschriften wie die „Business Week“ heraus. Mit einem Umsatz von zehn Milliarden Dollar und rund 20.000 Mitarbeitern weltweit ist Bloomberg LP immer noch extrem erfolgreich, auch wenn das Umfeld schwieriger wird.

    Geschäft mit den Daten

    Bloomberg hat schon früh erkannt, dass Daten der wichtigste Rohstoff der Finanzwelt sind. Mit seinen Computerstationen aus Monitor und bunter Tastatur, die in Echtzeit Finanzinformationen von den entferntesten und spezialisiertesten Märkten aufleuchten lassen, hat sich Bloomberg in Geldhäusern schnell als Muss etabliert.

    Die Terminals sind mit ihren komplizierten Tastenkombinationen nicht unbedingt einfach zu bedienen und außerhalb der Investmentbranche völlig unbekannt. Unter Finanzprofis aber genießen sie Kultstatus. Banker finden dort alles, von Anleihekursen aus abgelegenen Ländern über Positionen von Öltankern oder Waldbränden bis hin zu Informationen von Lieferketten bestimmter Unternehmen.

    Das Geschäftsmodell ist reizvoll: Wenn der Terminal einmal beim Kunden steht, fließt regelmäßig Geld. Die Monatsmiete liegt bei 20.000 Dollar pro Terminal. 325.000 Kunden nutzen derzeit die Daten.

    Sollte er zum US-Präsidenten gewählt werden, will Michael Bloomberg sich von seinem Unternehmen trennen. Er kündigte an, die Bloomberg L.P. zunächst auf eine sogenannte blinde Treuhand zu übertragen, auf die er keinen Zugriff hat, und dann einen Käufer zu suchen.

    Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Bloomberg operativ aus dem Unternehmen verabschiedet. Schon zu seiner Zeit als Bürgermeister lag Bloomberg L.P. in einer blinden Treuhand, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Schließlich kann das Unternehmen mit seiner Berichterstattung Meinungen beeinflussen.

    Der Unternehmer und Politiker denkt auch schon länger darüber nach, seine Firma abzustoßen. „Wenn ein Verkauf in meinem Alter möglich wäre, dann würde ich das tun“, sagte Bloomberg bereits 2018 in einem Interview.

    Als mögliche Käufer für Bloomberg LP gelten unter anderem Private-Equity-Investoren, die sich zusammenschließen und den Finanzdienstleister übernehmen könnten. Der Bloomberg-Konkurrent Reuters verkaufte vor zwei Jahren die Mehrheit der Anteile für 17 Milliarden Dollar an den Finanzinvestor Blackstone.

    Technologiekonzerne wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet kämen ebenso als mögliche Käufer infrage. So könnten die für ihren großen Datenschatz bekannten Konzerne ihr Angebot um globale Finanzinformationen erweitern. Aber auch Börsenbetreiber könnten Interesse an den Finanznachrichten haben.

    Branchenschätzungen zufolge könnte Bloomberg LP bis zu 60 Milliarden Dollar wert sein. Die Beratungsfirma Burton-Taylor schätzt die Umsätze für 2019 auf 10,5 Milliarden Dollar, ein Plus von knapp sechs Prozent. Die Gewinnmarge soll bei 37 Prozent liegen und ist damit extrem hoch.

    Viele Gemeinsamkeiten zwischen Bloomberg und Trump

    Dennoch ist das Kerngeschäft der Terminals mittlerweile in die Jahre gekommen. Schon vom Design her wirken sie jahrzehntealt. Sie bieten zwar immer noch einen riesigen Datenfundus Aber die Konkurrenz wächst. So hat etwa ein Bankenkonsortium um Goldman Sachs in das kalifornische Start-up Symphony investiert, das sich vor allem auf bessere und verschlüsselte Chats konzentrierte. Außerdem bauen derzeit Banken Zehntausende Stellen ab. Damit wird auch der Bedarf an Terminals sinken.

    Der Verkauf käme also zu einer Zeit, in der die Zukunft ohnehin ungewiss ist. Aber Bloomberg will sich damit auch von dem anderen New Yorker im Weißen Haus abheben – Donald Trump. Der hat seine Unternehmen lediglich in die Hände seiner Kinder gegeben.

    Auch bei der Veröffentlichung seiner Steuererklärung will sich Bloomberg von Trump abheben. Auf die Frage, warum das so lange dauert, antwortete der Kandidat in der Debatte: „Unglücklicherweise, oder glücklicherweise, mache ich sehr viel Geld, und wir machen überall auf der Welt Geschäfte“, sagte er. „Es werden wahrscheinlich Tausende Seiten sein. Ich kann nicht zu Turbo-Tax gehen“, scherzte er mit Bezug auf ein einfaches Softwareprogramm für Steuererklärungen. Eine Bemerkung, die auf Normalverdiener arrogant wirken könnte.

    Trump und Bloomberg haben nicht nur New York und viel Geld gemeinsam. Sie stehen auch beide in der Kritik wegen ihres Verhaltens gegenüber Frauen. Immer wieder gab es Klagen gegen Bloomberg wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung von Frauen. In der Debatte ließ er sich nicht dazu bewegen, die betroffenen Frauen vor laufender Kamera von ihren Verschwiegenheitsklauseln zu befreien.

    Beim Thema Wall Street dagegen ist Bloomberg diese Woche deutlich nach links gerückt. So schlug er eine Finanztransaktionssteuer vor, ähnlich wie seine Konkurrenten um die Präsidentschaftskandidatur, Bernie Sanders und Elizabeth Warren. Er kündete an, eine Reihe von Regulierungsvorschriften für große Banken, die unter Trump gelockert wurden, zurückzudrehen. Zudem forderte er, dass Banken mehr Kapitalpuffer für schlechte Zeiten vorhalten müssten.

    Dennoch genießt Bloomberg großen Rückhalt an der Wall Street. „Niemand wird sich gegen Bloomberg stellen, wenn Bernie Sanders und Elizabeth Warren die Alternativen sind“, gab Dan Alpert, Mitgründer der New Yorker Investmentbank Westwood Capital, zu bedenken.

    Mehr: Die Wut auf Milliardäre wie Michael Bloomberg und Donald Trump nützt vor allem dem US-Präsidenten. Jens Münchrath kommentiert.

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