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Michael Durach Dieser Familienunternehmer liefert nicht nur McDonald's seinen Senf

Feinkosthersteller Develey bespielt den Senfmarkt von Bautz‘ner bis Löwensenf. Mit dem Fastfood-Konzern expandierten die Münchener in die Welt.
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Der Develey-Chef konkurriert mit Riesen wie Kraft und Nestlé. Quelle: Denveley
Michael Durach

Der Develey-Chef konkurriert mit Riesen wie Kraft und Nestlé.

(Foto: Denveley)

UnterhachingDie Currywurst der VW-Kantine ist Legende. Rund sieben Millionen Stück werden im Jahr verzehrt – Besucher kommen dafür von weit her nach Wolfsburg. Im August wurde der Curryketchup gewechselt, nach vielen Verköstigungen kam erstmals die Firma Develey Senf und Feinkost zum Zuge – ausgerechnet ein Hersteller aus Bayern.

Die Soße schmeckte anders als die alte, „brannte eher auf der Zungenspitze als im Rachen“, empörten sich Fans. Einige sprachen in Anlehnung an Dieselgate schon von „Ketchupgate“. „Unser Original-VW-Curry-Ketchup ist ein ganz scharfer Flitzer“, erklärt Develey-Chef Michael Durach mit rollendem R.

Das Problem zu Beginn: Die Zutaten hatten sich noch nicht richtig gesetzt. Doch das ist Vergangenheit – jetzt greifen nicht nur die VWler wieder zu. Letztlich wurde die Soße sogar von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft mit dem goldenen DLG-Preis prämiert, anders als die Soßen davor. „Develey hat lange an der Rezeptur gefeilt. Nicht nur bei VW – wir kämpfen um jede Würstlbude.“

Nach einer Niederlage wieder aufzustehen, das hat der drahtige Familienunternehmer bei seinem Hobby, dem Boxen, gelernt. „Ich habe mir schon eine blutige Nase und eine gebrochene Rippe geholt“, lacht der 51-Jährige, der nicht still sitzen kann. „Beim Boxen gilt wie im Geschäftsleben: Eine verlorene Runde ist noch kein verlorener Kampf.“

„Auf dem Senfmarkt herrscht scharfer Wettbewerb“, betont Durach, der mit seinem jüngeren Bruder Stefan den Feinkosthersteller leitet. „Das hält frisch.“ Senf macht nur noch ein Viertel des Umsatzes von rund 500 Millionen Euro aus.

Die Hälfte kommt von Ketchup, Mayonnaise Salat- und Grillsoßen, der Rest von Eingelegtem wie Gurken. McDonald’s beliefert Develey mit allen Soßen und Gurkenscheiben – nicht nur hierzulande, sondern in mehr als 40 Ländern von Japan bis Marokko.

Das Geschäft sei profitabel, die Eigenkapitalquote liege bei 50 Prozent, mehr verrät Durach nicht. Immer wieder erkämpft er sich neue Märkte in Nischen. So erfanden die Münchener erfolgreich Salatsoße im Beutel. In den USA hat Develey eine Senf- und Soßenkollektion lanciert. „In den USA treten wir bewusst als lokale Marke auf“, so Durach. Das eigene Werk in Tennessee produziert die Marke Tiger Tail. Für die „New York Times“ ist dies „deutscher Senf mit amerikanischem Akzent“.

„Das Traditionshaus Develey ist im Ausland erfolgreich gewachsen, hat andere Marken gekauft, ohne seine bajuwarischen Wurzeln zu verlieren“, lobt Agrarfrost-Chef Manfred Wulf, der Durach von der McDonald’s Kinderhilfe kennt. Auch in Deutschland ist Develey mit regionalen Marken erfolgreich.

Seit 1991 gehört den Bayern der Bautz‘ner Senf – die Nummer eins in Ostdeutschland – und seit 2001 auch der Düsseldorfer Löwensenf. „Der Senfgeschmack ist regional sehr verschieden“, so Durach. Im Süden ist er süß, im Westen scharf und im Osten blasser. Ein Kilo Senf verzehrt jeder Deutsche im Jahr, im Osten, wo die Wurst fetter ist, sogar 1,4 Kilo.

Auf dem Senfmarkt herrscht scharfer Wettbewerb. Das hält frisch. Michael Durach, Develey-Chef

„Wir versuchen, Marken und Standorte lokal zu halten“, betont Durach. Das honoriert auch Volkmar Heinrich, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Dresden/Chemnitz: „Mit Bautz‘ner Senf verbinden die Ostdeutschen viele Emotionen. Die beliebte Marke gehört zu den wenigen Ostprodukten, die nach der Wende überlebt haben und weiter hier produziert werden.“ Der Betrieb sei tarifgebunden und mitbestimmt, bei Extras sei es aber an der Zeit, mit den Münchener Kollegen gleichzuziehen.

Develey wurde zwar in München gegründet, aber von einem Franzosen. Der Hugenotte Johann Conrad Develey stellte dort seit 1845 Dijonsenf her. Zuvor musste der importiert werden. Develey wurde Königlich Bayerischer Hoflieferant und erfand später den süßen Senf – ohne den wäre die Weißwurst heute undenkbar. Die Nachkommen verkauften die Firma, die schließlich zum Schweizer Familienunternehmen Hilti kam. 1970 wollte Hilti die Firma an einen Wettbewerber weiterverkaufen.

Damals war die Sauerkrautfirma von Durachs Vater Nachbar von Develey. Specht war einst Marktführer in Europa. Der damalige Develey-Geschäftsführer bat verzweifelt um Hilfe, sonst würde das Werk mit 100 Mitarbeitern dichtgemacht. Kurz entschlossen lieh sich Durach Geld und kaufte Develey in bar – ein Wagnis. Doch als 1971 McDonald’s seine erste deutsche Filiale in München eröffnete, wurde Develey per Handschlag Lieferant. Große Wettbewerber hatten bei dem Newcomer abgewinkt.

Groß geworden an der Seite von McDonald's

„Unsere Rezepte nach den US-Vorgaben zu entwickeln war viel Arbeit“, so Durach. Doch die zahlte sich aus. Auch dank McDonald’s macht Develey heute 65 Prozent seines Geschäfts im Ausland, mit Werken von Russland bis Frankreich und Konkurrenten wie Kraft, Nestlé und Unilever.

„Develey hat McDonald’s in alle Welt begleitet und ist so groß geworden“, konstatiert Werner Motyka, Partner der Beratung Munich Strategy. Die Abhängigkeit von der Fast-Food-Kette sieht Motyka entspannt. Die Lieferanten seien nicht so schnell ersetzbar, weil McDonald’s hohe Anforderungen an Qualität und Innovation habe.

Da Develey von Deutschland aus McDonald’s in Großbritannien mitbeliefert, ist nach dem Brexit zumindest damit Schluss. „Das ist unerfreulich, aber bringt uns nicht um“, so Durach. „Wir müssen auf mehreren Beinen stehen.“ Michael Durach sei geschickt darin, Marktlücken zu erkennen und zu besetzen, meint Motyka. Durch den Mitvertrieb von Kikkoman und Tabasco etwa habe er Develeys Geschäft klug vergrößert. Auch wenn längst nicht alle Ideen fruchten: „Nudelsoßen in Tuben waren ein Flop“, räumt Durach ein.

Michael Durach war immer klar, dass er in die Firma mit heute rund 2.000 Mitarbeitern einsteigt. Nach dem BWL-Studium ging er zu Unilever. „Dort führte ich eine Verkaufseinheit bei Knorr mit mehr Umsatz als damals Develey.“ „Es ist gut, wenn du deine ersten Fehler nicht mit meinem Geld machst“, scherzte Durachs Vater, der 1999 die Führung an die Söhne übergab. „Mein Bruder ist als Kaufmann der Innenminister, ich als Vertriebler der Außenminister. Wir sind grundverschieden, ergänzen uns prima“, meint Durach. Die vier Kinder der beiden sind noch in der Ausbildung.

Für Agrarfrost-Chef Wulf ist Durach ein rastloser Macher und Treiber. „Manchmal frage ich mich, wann er überhaupt noch schläft.“ Der Unternehmer schaue über den Tellerrand hinaus und tue viel für Nachhaltigkeit. Die liegt Durach seit Langem am Herzen. In den Werken hat er viel in Geothermie, Holzschnitzelkraftwerk, Photovoltaik und Biogas investiert. Bis 2022 will Develey klimaneutral arbeiten.

In der Zentrale in Unterhaching hat Durach den Aufzug extra langsam stellen lassen. „Damit die Leute lieber zu Fuß gehen!“ Freitags ist auf Azubi-Initiative „aufzugsfreier Tag“. Energiebündel Durach spurtet ohnehin jeden Tag lieber die Treppen hoch.

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