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Michael Noller Aus gutem Holz – Fertighausspezialist Weiss ist erfolgreich in fünfter Generation

Michael Noller führt seit anderthalb Jahren das Familienunternehmen. Der Fertighausspezialist profitiert von der Niedrigzinsphase und bequemen Hauskäufern.
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Hans Volker Noller (links), Christel Noller (2. von links), Michaela Noller und Michael Noller: Die Familie betreibt das Unternehmen inzwischen in fünfter Generation. Quelle: Fertighaus Weiss
Familie Noller

Hans Volker Noller (links), Christel Noller (2. von links), Michaela Noller und Michael Noller: Die Familie betreibt das Unternehmen inzwischen in fünfter Generation.

(Foto: Fertighaus Weiss)

OberrotAm einen Ende der Halle kommen rohe Holzbalken und -platten rein und am anderen Ende ein fertiges Haus heraus. Ganz so einfach, wie das klingt ist es natürlich nicht. In einem voll durchgetakteten Prozess entstehen Häuserwände. Faszinierend, wie sie auf einen Lastwagen passen, an den Bauplatz gebracht werden und dort nur noch zusammengeschraubt werden müssen. Diese Hauswerdung hat Michael Noller schon von Kindesbeinen an beeindruckt.

Galt früher die Nachfolge des meist erstgeborenen Sohnes als selbstverständlich, aber durchaus nicht immer vom Junior gewünscht, steht einerseits heute meist allen Unternehmerkindern die Möglichkeit offen, die Führung im Unternehmen zu übernehmen. Zugleich winken aber auch immer mehr von ihnen ab. Sie wollen nur in Aufsichtsgremien wirken oder mehr Work-Life-Balance für ihr Leben als ihre Eltern.

Nicht so bei Michael Noller. „Der Betrieb der Eltern war nie abschreckend“, sagt der 32-jährige Geschäftsführer des Holzfertighausbauers Weiss. Was viele künftigen Unternehmenserben eher abschreckt, dass sich nämlich alles um die Firma dreht, begeisterte Noller.

Seit eineinhalb Jahren führt der Junior die Geschäfte. „Ich bin im Unternehmen aufgewachsen. Ich wollte das immer machen, aber von Grund auf“, sagt Noller junior. Und das hat er dann auch gemacht. Erst Lehre, dann Zimmerermeister und obendrauf noch ein MBA-Abschluss. Da macht es ihm auch nur wenig aus, dass der elterliche Betrieb mitten in der hohenlohischen Provinz in Oberrot fernab großer Metropolen liegt.

Die Straßen werden dort immer enger, der Wegesrand grüner und man vermutet als Besucher in der Gegend alles, nur keine Fabrik mit 45.000 Quadratmeter Produktionsfläche. Doch dann reihen sich plötzlich am Waldrand sechs turnhallengroße Fertigungsgebäude wie an einer Perlenkette aneinander. Die Familie wohnt direkt neben dem Gelände: In einem Holzhaus – natürlich.

Rund 250 Holzfertighäuser verkauft und baut Weiss mit seinen 400 Beschäftigten inzwischen pro Jahr, mehr als eines pro Arbeitstag. Viele davon sind sogenannte Plus-Energiehäuser der dritten Generation, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen. Der Jahresumsatz wächst stetig und liegt derzeit bei 70 Millionen Euro. Allerdings entfällt die Hälfte auf Materialkosten. Das Unternehmen sei immer profitabel gewesen und verfügt über eine Eigenkapitalquote von mehr als 65 Prozent.

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Das Geschäft mit den Häuslebauern brummt, weil bei den niedrigen Zinsen und mangels alternativer Anlageformen viele sich für die eigenen vier Wände entscheiden, sofern sie ein geeignetes Grundstück finden. 2017 lag der Marktanteil von Fertighäusern laut Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF), gemessen an den Baugenehmigungen, bei knapp 20 Prozent. Vor zehn Jahren lag der Wert noch deutlich darunter.

Weiss berät, plant und baut nicht nur das Haus, sondern auch den Keller und die gesamte Technik. „Die Kunden wollen gerne vom ersten Entwurf bis zur Schlüsselübergabe alles aus einer Hand, vor allem verlässliche Qualität und einen festen Preis“, sagt Michael Noller. Darauf hat sich seine Familie spezialisiert.

Auf 1000 Quadratmetern im Kundenberatungszentrum zeigt Noller Treppen, Bäder und Schränke, Möbel können in der hauseigenen Schreinerei geordert werden. Die meisten Kunden bestellen dann weitgehend individuell gestaltete Häuser, die zwischen 350.000 und 450.000 Euro kosten. Mehr als 5000 davon gibt es bereits.

„Weiss zählt zu den Unternehmen in der Branche mit der größten Fertigungstiefe“, bestätigt Achim Hannott, Geschäftsführer des Bundesverbandes BDF. Das Unternehmen liegt damit deutlich oberhalb des Durchschnitts von rund 230.000 Euro. Wobei die Spannweite zwischen rund 90.000 bis zu 800.000 Euro liegt. Ein Branchenkenner sieht Weiss als ein gutes Bespiel dafür, dass sich die Fertighausindustrie im hochpreisigen Segment mehr als etabliert habe.

Die fünfte Generation übernimmt den Betrieb

Davon profitiert auch die Familie Noller, bei der die Bezeichnung Familienunternehmen noch durch und durch zutrifft. In dieser friedlichen Landschaft ist selbst die Nachfolge ganz natürlich verlaufen. Seniorchef Hans Volker Noller feierte im Frühjahr seinen 60. Geburtstag. Noller ist auch Vizepräsident des Verbandes Deutscher Fertigbau und steht damit gleichzeitig im engen Kontakt zu seinen größten Konkurrenten Schwörerhaus und Weber-Haus. Die Konkurrenz ist allerdings begrenzt.

Weiss beliefert in einem Radius von 200 Kilometern fast ausschließlich Süddeutschland. In der Firma tritt Noller senior jetzt etwas kürzer und er hat einen guten Grund dafür: „In jungen Jahren brennen die Kinder“, stellt er weise fest und fügt hinzu: „Da wollen sie Verantwortung. Dann muss man sie gewähren lassen. Sonst werden aus Kindern keine Unternehmer.“

Er selbst wurde es, als er Anfang der 80er-Jahre die Unternehmertochter Christel heiratete und damit ins Unternehmen kam. Der Zimmerermeister, Informationselektroniker und Betriebswirt musste sich auch erst beim Schwiegervater Respekt erarbeiten. Die heute 57-jährige Christel Noller selbst ist Betriebswirtin, will auch nach der Amtsübergabe ihres Mannes weiter die Personalabteilung leiten. Bereits seit 35 Jahren ist sie im Unternehmen.

Mit an Bord ist zudem Michaels Schwester Michaela, 28, die sich mit einem Triple Degree Master im Management als Referentin der Geschäftsleitung vor allem ums Marketing kümmert. Stück für Stück übernimmt die fünfte Generation den Betrieb, der auf die Gründung einer Zimmerei von Josef Weiss im Jahr 1881 zurückgeht.

Wenn alle vier so vor einem sitzen, sieht das fast zu harmonisch aus, um wahr zu sein. Aber es herrscht auch eine offene Diskussionskultur. Wenn Seniorchef Noller etwas sagt und es ist seiner Frau nicht gut genug auf den Punkt gebracht, dann ergänzt sie das zurückhaltend. Geschickt, aber bestimmt.

Besonders stolz ist die Firma auf ihre Nachhaltigkeit. Nicht nur die Dächer sind mit Solarzellen bestückt, auch ein Windpark steht zur Verfügung. „Wie verkaufen nicht nur Plus-Energie-Häuser, wir sind auch ein Plus-Energie-Werk, das mehr Strom produziert als verbraucht“, sagt Michael Noller.

Betriebe wie Weiss sind Musterkunden, ebenfalls für den weltbekannten Schraubenhändler Würth. Kürzlich besuchte Unternehmerlegende und Schraubenkönig Reinhold Würth persönlich das Unternehmen, um mit den Nollers ins Geschäft zu kommen. Man kennt sich, man schätzt sich in der Hohenlohe. Aber jeder macht sein eigenes Geschäft. Und in einem sind die Nollers dem weltbekannten Milliardär und Kunstsammler überlegen. Die operative Nachfolge in der fünften Generation läuft.

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