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Miky Tamir Ein israelischer Physiker will Datenguru der Fußball-Bundesliga werden

Der Israeli Miky Tamir hat ein halbes Dutzend Firmen gegründet. Für sein jüngstes Start-up Track 160 verbündet er sich mit deutschen Fußballklubs.
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Der 69-Jährige hat schon ein halbes Dutzend Firmen gegründet. Quelle: Miky Tamir
Miky Tamir

Der 69-Jährige hat schon ein halbes Dutzend Firmen gegründet.

(Foto: Miky Tamir )

MünchenEs ist 1975, als sich Miky Tamir zum ersten Mal als Gründer betätigt. Noch nicht in der freien Wirtschaft zwar, sondern im israelischen Nuklearforschungszentrum Soreq. Dort baut er die Abteilung für atmosphärische Optik auf. In jenem Jahr wird Christian Seifert gerade eingeschult.

Heute ist Seifert 49 Jahre alt und führt die Deutsche Fußball Liga (DFL), den Zusammenschluss der Bundesligaklubs. Tamir ist 69 – und gründet noch immer. Mit Track 160 haben Tamir und Seifert nun zusammengefunden.

Die DFL beteiligte sich jüngst mit zehn Prozent an der jungen israelischen Hightech-Firma. Es ist ein außergewöhnlicher Deal für beide Seiten. Denn der promovierte Physiker Tamir braucht kein Geld, an Investoren mangelt es nicht. Stattdessen bekommt der Israeli Zugriff auf das TV-Archiv der Liga. „Für uns sind Daten die wichtigste Währung“, meint Tamir. Für Seifert ist es die erste Beteiligung der DFL an einem Start-up.

Track 160 entwickelt ein elektronisches System, mit dem sich die einzelnen Körperteile der Fußballspieler sowie der Ball verfolgen lassen. Das optische Verfahren soll eines Tages für die Spielanalyse eingesetzt werden, für die Sportmedizin, aber auch um virtuelle Bilder von Spielszenen aus unterschiedlichen Perspektiven zu erzeugen. „So können die Fans eine Partie aus dem Blickwinkel des Spielers anschauen“, erklärt Tamir.

Die DFL zahlt demnach keinen Cent, um bei Tamir einzusteigen. Sie liefert stattdessen ihre Fernsehbilder der vergangenen Jahrzehnte, damit sie die Ingenieure in Tel Aviv durch ihre Rechner jagen können. Die selbst lernenden Algorithmen verbessern das System.

Track 160 ist nur eines von zwei Start-ups, das Tamir zuletzt ins Leben rief. Das zweite heißt Tetavi und entwickelt eine Methode, um dreidimensionale Bilder von TV-Übertragungen zu erzeugen. Erst vier Jahre zuvor hatte er Pixellot gegründet. Der Name ist heute vor allem Fußballfans der unteren Klassen ein Begriff. Mit den Kameras werden weltweit viele Tausend Amateurpartien automatisiert im Internet übertragen.

Es ist kein Zufall, dass Tamir mit der DFL ins Geschäft kam, und nicht etwa mit den Ligen in England oder Frankreich. Der Ex-Offizier ist ein ausgezeichneter Deutschlandkenner, lebte für kurze Zeit sogar hier. 1999 brachte er in Frankfurt Orad an die Börse. Der von ihm gegründete Technologielieferant für Fernsehsender entwickelte etwa virtuelle Studios. Alles in allem hat der völlig unprätentiös auftretende Mann bis heute sieben Unternehmen gegründet.

Zu seinen Maximen gehöre, stets groß zu denken und ungewöhnliche Wege zu gehen, sagt Tamir. Er habe keine Angst zu scheitern. Trotz allem will er stets cool bleiben. Ein gewisser Ehrgeiz sei aber durchaus vorhanden, meinen Begleiter. „Miky braucht den Kitzel und will beweisen, dass er es noch mal schafft“, bemerkt ein langjähriger Wegbegleiter.

So erlebten sie ihn auch bei der DFL als zähen Verhandlungspartner, der aber Humor besitzt. Geschäftsführer Seifert sieht Track 160 „als hervorragendes erstes Investment“ der DFL. Tamir hofft, dass ihm die Bundesliga als Türöffner dient für ein weltweites Geschäft. „Wir brauchen die Spezialisten, die sich im Fußball auskennen – und die Kontakte.“

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