Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Millionenerbe Staatsanwältin fordert sechs Jahre Haft für Alexander Falk

Der Verlagserbe Alexander Falk beteuert bis zuletzt seine Unschuld. Einen Antrag der Verteidiger, zwei Zeugen in der Türkei anzuhören, lehnte das Gericht erneut ab.
07.07.2020 Update: 07.07.2020 - 20:47 Uhr Kommentieren
Der heute 50-Jährige galt zeitweise als einer der hundert reichsten Deutschen. Quelle: dpa
Unternehmer Alexander Falk (r.)

Der heute 50-Jährige galt zeitweise als einer der hundert reichsten Deutschen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Im Prozess um einen Anschlag auf einen Frankfurter Anwalt hat die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Haft für den Hamburger Unternehmer Alexander Falk gefordert. Der 50-Jährige habe sich der Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht, sagte Staatsanwältin Nicole Metcalf am Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt.

In dem Prozess geht es um einen Schuss auf den Juristen Wolfgang J. im Februar 2010, bei dem dieser schwer am Oberschenkel verletzt worden war. Falk war schnell ins Visier der Ermittler geraten, denn J. arbeitete damals an einer millionenschweren Schadensersatzklage gegen ihn. Dabei ging es um manipulierte Umsätze beim Verkauf von Falks Firma Ision im Jahr 2000.

Belastbare Hinweise fehlten zunächst. Doch 2017 meldete sich ein Kronzeuge bei der Polizei und bezichtigte Falk des Auftrags zu dem Anschlag. Im September 2018 wurde der Unternehmer schließlich festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Staatsanwältin Metcalf sagte, das Verfahren habe gezeigt, dass bei Falk kriminelle Energie vorliege. Der Unternehmer habe den Schuss auf J. in Auftrag gegeben, was als Angriff auf den Rechtsstaat zu werten sei. Eine Tonaufnahme nach der Tat zeige, dass er zufrieden und schadenfroh gewesen sei. Das Opfer bezeichne er darauf als „Bazille“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Falk hatte zuvor erneut beteuert, mit dem Schuss nichts zu tun zu haben. Er räumte auch erneut ein, erfolglos einen Datendiebstahl bei dem Anwalt in Auftrag gegeben zu haben, um in dem anderen Verfahren seine Unschuld zu beweisen. Er habe aber nie jemandem den Auftrag erteilt, J. Gewalt zuzufügen.

    Verteidiger fordern Freispruch

    Falks Verteidiger Björn Gercke entgegnete, dass die Anklage auf Hypothesen, Spekulationen und Vorurteilen beruhe. Die Staatsanwaltschaft habe von ihrem Hauptbelastungszeugen ein „Aussagekonstrukt“ völlig ungeprüft übernommen. Der Zeuge habe zudem für seine Aussage 100.000 Euro von den Arbeitgebern des Anwalts erhalten.

    Gercke sprach von einer noch nie da gewesenen „geldgetriebenen Falschaussage“. Die Aufnahme, die Falks Schuld belegen solle, habe sich außerdem als manipuliert erwiesen. Falk sei damit erpresst worden. Seine Verteidiger forderten Freispruch.

    Ihr Urteil will die 22. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts zwar erst am Donnerstag sprechen. Doch wie es ausfallen wird, scheint schon seit Längerem klar: Die Kammer unter Vorsitz von Jörn Immerschmitt hält Falk ganz offensichtlich für schuldig.

    Hätte es überhaupt noch eines weiteren Indizes für ihren Verurteilungskurs bedurft, wäre der heutige Sitzungstag dafür beinahe prädestiniert. Falks Verteidiger Björn Gercke unternahm einen letzten Versuch, doch noch die Wende in dem Verfahren einzuleiten. Er stellte erneut den Antrag, ein in der Türkei lebendes Brüderpaar als Zeugen zu hören, das den Datendiebstahl durchführen sollte. Sie sollen bezeugen können, dass Falk keinen Anschlag auf den Juristen in Auftrag gab.

    Schon seit Prozessbeginn kämpft Gercke darum, das Brüderpaar Cihan und Niyazi B. zu laden. Lange passierte in der Sache nichts, dann lehnte Immerschmitt das Ansinnen ab. Dafür, dass Gercke den Antrag dennoch erneut stellte, gibt es gute Gründe.

    Laut der Ursprungstheorie aus der Anklageschrift soll Falk den Auftrag zum Angriff auf J. Ende September 2009 in einem Hamburger Steakrestaurant in Anwesenheit von Unbekannten gegeben haben. Doch daran hat das Gericht nach dem bisherigen Prozessverlauf inzwischen offenbar selbst Zweifel: Ein wichtiger Belastungszeuge hatte sich als vielfach vorbestrafter Krimineller erwiesen, die Tonaufnahme, die Falks Schuld belegen sollte, als zusammengeschnitten.

    Alternative Tattheorie

    Die Kammer hatte daraufhin zu verstehen gegeben, dass sie von der ursprünglichen Tattheorie möglicherweise Abstand nehmen will und stattdessen auch eine andere „Tatbegehung“ in Betracht ziehe. In einem Beschluss von Anfang Juni heißt es, dass auch eine Tatbegehung zwischen Ende Dezember 2009 und Anfang Februar 2010 infrage komme.

    Dieser Zeitraum ergebe sich daraus, dass es Mitte Dezember 2009 einen Angriff mit einem Vorschlaghammer auf die Haustür von J. gab. Die Tat sei Falk von den beauftragten Tätern per SMS verschlüsselt angekündigt worden, hier sei die Rede von einem Kuraufenthalt gewesen, den die Oma nun erhalte. Die Kammer ordnet diese Mitteilung den Gebrüdern B. zu.

    Es sei denkbar, so die Überlegungen der Kammer, dass Falk die Auswirkungen dieses Einschüchterungsversuchs erst abwarten wollte, bevor er dem Brüderpaar den Auftrag zu drastischeren Maßnahmen erteilte.

    Auch Falks Verteidiger Gercke hält es für möglich, dass das Brüderpaar für die Tat verantwortlich ist. Vielleicht hätten sie Falk erpressen wollen. Vielleicht seien von ihnen im Zusammenhang mit dem Datendiebstahl beauftragte Täter „aus dem Ruder gelaufen“. Eine Anstiftung zu einer konkreten Straftat seines Mandanten sei hieraus aber nicht abzuleiten.

    Dass die Gebrüder B. nun gar nicht gehört werden sollen, obwohl Immerschmitt im Prozessverlauf mehrfach betont hatte, sie gerne hören zu wollen, wirkt verwunderlich – ebenso wie die Begründung. Das Gericht konnte die Männer eigenen Angaben zufolge nicht zur Vernehmung nach Deutschland holen. Ihr genauer Aufenthaltsort sei nicht bekannt.

    Mehr: Pleiten, Pech und Pannen im Falk-Prozess: Richter versäumt es, einen Beamer zu organisieren.

    Startseite
    Mehr zu: Millionenerbe - Staatsanwältin fordert sechs Jahre Haft für Alexander Falk
    0 Kommentare zu "Millionenerbe: Staatsanwältin fordert sechs Jahre Haft für Alexander Falk"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%