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Mimi Haas Wie Levi's seine deutschen Wurzeln entdeckte

Die Erbin von Levi Strauss kann sich nach dem Börsengang am Donnerstag dem Mäzenatentum widmen. Ihre Wurzeln in Bayern pflegt die Familie bis heute.
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Wie Levi’s seine deutschen Wurzeln entdeckte Quelle: WireImage/Getty Images
Mimi Haas bei einer Party im New Yorker „MoMa“

Die Erbin ist weiterhin die größte Aktionärin. Sie hält 16,7 Prozent am Unternehmen.

(Foto: WireImage/Getty Images)

Buttenheim, New YorkEin Fachwerkhaus im oberfränkischen Buttenheim, einem Dorf zwischen Bamberg und Nürnberg. Die Querbalken sind hellgrau gestrichen, die Fensterläden in einem strahlenden Hellblau – jeansblau. Es ist das Geburtshaus von Levi Strauss, dem Erfinder der Jeans.

Der Siegeszug der vernieteten Hose aus robustem blauen Baumwollstoff vom Arbeitsbeinkleid kalifornischer Goldsucher zum modischen Mainstream hat ein Unternehmen mit zuletzt umgerechnet 4,3 Milliarden Euro Umsatz begründet – ein Unternehmen, dessen Wurzeln, die lange unbekannt waren, nach Süddeutschland führen.

Auch mehr als 117 Jahre nach dem Tod des Gründers ist „Levi Strauss & Co.“ im Familienbesitz. Heute ist Mimi Haas die Patriarchin des Levi-Strauss-Clans. Mit 16,7 Prozent ist die Witwe von Peter Haas senior, dem Großgroßneffen von Levi Strauss, die größte Aktionärin des Unternehmens aus San Francisco. Ihr Mann arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 2005 rund 60 Jahre lang für das Unternehmen, davon fast 30 als Chef.

Mit dem Tod von Peter Haas senior begann auch der langsame Rückzug der Familie aus aktiven Rollen im Unternehmen. Mimis Stiefsohn Peter Haas junior, immerhin 17 Jahre lang im Management von Levi’s, wird im September seinen Posten niederlegen. Mimi Haas selbst hat sich schon im Mai 2018 aus dem Aufsichtsrat verabschiedet.

Trotzdem wird die Familie, die aktuell rund drei Viertel der Levi’s-Anteile hält, auch danach noch ein gewaltiges Wort im Konzern mitzureden haben: Wie aus den Unterlagen zum Börsengang am heutigen Donnerstag hervorgeht, begibt das Unternehmen neue A-Aktien im Wert von 700 Millionen Euro. Die Familie hingegen soll als Halter von B-Aktien mit einem zehnfachen Stimmrecht ausgestattet werden. Bestimmte Entscheidungen kann das Management um Chef Charles Bergh auch in Zukunft nicht ohne die Familie fällen.

Warum das Unternehmen gerade jetzt an die Börse gehen will, dazu äußert sich weder Levi Strauss noch die Familie. „Bei dem IPO von Levi Strauss geht es darum, der Haas-Familie Liquidität zu beschaffen“, sagt dagegen Kathleen Smith, Fondsmanagerin von Renaissance Capital.

Denn die studierte Politikwissenschaftlerin Haas versteht sich als Mäzenin. Zwar meidet die 72-Jährige Blitzlicht und Klatschspalten. Wenn es aber Fotos von ihr gibt, dann in Abendgarderobe bei Vernissagen. Haas sitzt im Board of Trustees des Kunstmuseums MoMa in New York und ist Vice Chair des MoMa in San Francisco. Die Familie gehört zu den Spendern der Museen.

Damit führen die Nachfahren des Jeans-Erfinders eine Tradition fort, die Levi Strauss begründet hatte. Der Unternehmer gab schon im 19. Jahrhundert viel von seinem Reichtum ab, für Waisenhäuser oder die Eureka Benevolent Society, die sich armen und kranken Juden widmete.

Auch ein Stipendienprogramm, das 28 Studenten an der staatlichen Topuniversität Berkeley finanziert, begründete Levi Strauss 1897 persönlich. Berkeleys Business School, an der Ex-Fed-Chefin Janet Yellen oder Google-Chefökonom Hal Varian lehrten, ist nach Walter Haas benannt, einem der Neffen, die Levi’s von seinem kinderlosen Gründer erbten.

Ahnungslos in Buttenheim

Dass Levi Strauss einmal ein Unternehmen an der US-Westküste vererben würde, war wahrlich nicht vorgezeichnet. Als er 1829 in jenem Fachwerkhaus als Sohn eines jüdischen Hausierers geboren wurde, hieß er noch nicht mal Levi, sondern Löb. Sein Vater Hirsch Strauss zog von Tür zu Tür und verkaufte Tücher und Kurzwaren.

Als der Vater 1846 an Tuberkulose starb, drohte der Familie die Armut. Die zwei ältesten Söhne, Jonathan und Lippmann, waren bereits ausgewandert und hatten als Jonas und Louis in New York einen Textilhandel aufgebaut. 1847 kamen Hirschs zweite Ehefrau Rebecca, zwei Töchter und Löb, der Jüngste, nach. Das Auswanderungsgesuch „der Rebekka Straus von Buttenheim in die vereinigten nordamerikanischen freistaaten“ vom 4. Juni 1847 findet man heute im Haus der Bayerischen Geschichte.

In den USA wurde aus Löb Levi, und er arbeitete bei seinen Brüdern in New York, als Nachrichten vom Goldrausch im Westen den 26-Jährigen erreichten. Strauss wollte kein Gold suchen, aber denen, die es taten, Zahnbürsten, Hosenträger, Knöpfe und Ähnliches verkaufen. Das Geschäft florierte, sodass „Levi Strauss & Co.“ nach mehreren Wachstumsschüben 1867 in die Battery Street in San Franciscos Stadtkern zog, wo der Konzern bis heute am „Levi’s Plaza“ sitzt.

Als sich fünf Jahre später der Schneider Jacob Davis mit der Idee einer robusten Arbeitshose für Minenarbeiter und Goldschürfer an Strauss wandte, finanzierte dieser die Entwicklung und ließ ein Patent eintragen. Die Jeans war geboren, der aus dem französischen Nimes stammende Stoff, den Davis und Strauss verwendeten, gab dem Denim-Stoff („de Nimes“) seinen Namen.

Strauss’ Erben, Peter Haas senior und dessen älterer Bruder Walter Haas senior, formten aus dem Familienbetrieb nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kultfirma. Gerade die legendäre „501“-Jeans wurde dank berühmter Fans wie James Dean, Jean-Paul Belmondo oder Steve Jobs zur wohl meistgetragenen Hose der Welt. Im fränkischen Buttenheim aber ahnte man nicht, dass all das auf einen Sohn der Stadt zurückging, wie Tanja Roppelt, die Leiterin des Levi-Strauss-Museums, erzählt.

Erst 1983 meldete sich eine Historikerin aus Milwaukee in dem Dorf mit damals rund 2.700 Einwohnern. Sie plante gerade eine Ausstellung über berühmte deutsche Auswanderer und wollte mehr über Levi Strauss’ Ursprünge erfahren. „In Buttenheim ist man aus allen Wolken gefallen“, sagt Roppelt. Im „Judenmatrikel“ im Staatsarchiv Bamberg, der Einwohnerzählung der Gemeinde, fand man tatsächlich jenen Löb Strauss.

Seitdem bestehe ein enger Austausch mit der Firmenhistorikerin in San Francisco und der Familie Haas. „Etliche Nachkommen der Familie waren schon da“, sagt Roppelt. Mimi Haas zwar nicht, zuvor allerdings Walter senior und junior aus dem anderen Familienzweig. Die Familie unterstützt den Museumsverein mit einem jährlichen Beitrag, spendet Produkte für die Ausstellung, und sie ließ das Grab von Hirsch Strauss und seiner ersten Frau renovieren.

So kehrt etwas von dem Reichtum, den der berühmteste Sohn am anderen Ende der Welt erwirtschaftete, bis heute in seinen Geburtsort zurück.

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