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Mischkonzern Die familienfremd geführte Werhahn-Spitze steht vor schwierigen Aufgaben

Viele Herausforderungen für das dynamische Werhahn-Trio: Der chinesische Markt macht Probleme, und die digitale Transformation ist in vollem Gange.
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Steigender Umsatz erwartet. Quelle: Werhahn Montage
Werhahn-Vorstände Dell’Antonio, Boldyreff, Dahnke (v.l.):

Steigender Umsatz erwartet.

(Foto: Werhahn Montage)

Düsseldorf Es ist nun schon drei Jahre her, dass ein Werhahn-Vorstandschef persönlich die aktuellen Zahlen in der Neusser Firmenzentrale präsentierte. Zuletzt war es beim 175. Jubiläum 2016 so – damals erzählte auch eine Historikerin von den Wurzeln des Unternehmens im Holz- und Zementhandel durch Firmengründer Wilhelm Werhahn.

Und mit Anton Werhahn saß noch ein Familienmitglied an der Spitze des Traditionsunternehmens. Seitdem werden die Zahlen in einer Telefonkonferenz präsentiert. Im vergangenen Jahr wechselte dann der langjährige Vorstandsvorsitzende Anton Werhahn mit 59 Jahren in den Verwaltungsrat. Nun arbeiten keine Familienmitglieder mehr im Vorstand.

Paolo Dell’Antonio führt das Familienunternehmen mit insgesamt 10.000 Mitarbeitern seit rund einem Jahr nun gemeinsam mit Finanzvorständin Kathrin Dahnke und seit Mai auch mit Alexander Boldyreff, der für die Finanzdienstleistungssparte verantwortlich zeichnet.

Die höchste Position eines von insgesamt rund 420 Familienmitgliedern bekleidet Erich Schiffers als Vorstandschef des Messer- und Kochgeschirr-Herstellers Zwilling. Der Solinger Küchengerätespezialist, der den Nukleus für das weitere Wachstum bei Werhahn legen sollte, ist sogar ein paar Jahre älter als die Werhahn-Gruppe und zählt zu den ältesten Familienunternehmen Deutschlands.

Zwilling wurde 1731 gegründet und gehört seit 50 Jahren zur Gruppe. Doch der Umsatz der Konsumgütersparte bei Werhahn rund um Zwilling sinkt, und das bereits im zweiten Jahr. Das gab der Vorstand am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen bekannt. Im vorigen Jahr waren es 4,7 Prozent weniger, diesmal sind es gar 7,2 Prozent.

Zurzeit liegt der Umsatz der Sparte bei 751 Millionen Euro. Dabei hatte der heutige Verwaltungsratschef Anton Werhahn, der das Familienunternehmen 13 Jahre führte, große Pläne mit der Konsumgütersparte, zu der auch der Kochgeschirrhersteller Staub, der Pfannenhersteller Ballarini und weitere Marken zählen.

Eigentlich sollte der Umsatz in allen drei Sparten – Baustoffe, heute 1,45 Milliarden Euro Umsatz, Finanzdienstleistungen, rund 1,3 Milliarden Umsatz, und Konsumgütersparte – annähernd gleich hoch ausfallen. Und das sei auch weiter das Ziel, betont Dell’Antonio.

Doch der einstige Wachstumstreiber hat seit zwei Jahren mit einem völlig veränderten Kaufverhalten in China zu kämpfen. Dell’Antonio ist bereits seit seinem Amtsantritt als Vorstandsmitglied bei Werhahn Aufsichtsratschef von Zwilling. Er hat sich tief eingearbeitet, reiste viele Monate durch die Welt.

Der Markt, vor allem in China und durch chinesische Touristen, der jahrelang das Wachstum trieb, hat sich schneller gedreht als erwartet. Der Vertrieb über TV-Verkaufskanäle und Warenhäuser sank deutlich. Das Engagement von Zwilling mit Onlineshops, eigenen Stores und dem Flagshipstore in Schanghai mit Kochschule und Restaurant „The Twins“ entwickelt sich zwar sehr positiv und soll weiter ausgebaut werden.

Doch diese eigenen Vertriebskanäle konnten die sinkenden Einnahmen über andere Kanäle nicht kompensieren.

Operatives Ergebnis liegt unter Plan

„In China sehen wir die größte Herausforderung der digitalen Transformation“, analysiert Dell’Antonio. Die Folge: Es müsse mehr vom Kunden zum Hersteller gedacht werden. Beispiele wie die Supermarktkette Hema zeigten es, sie liefere innerhalb von 30 Minuten Ware aus.

Den Trend bestätigt eine Studie der Strategieberatung Oliver Wyman: „China entwickelt sich zum Silicon Valley der Handelsszene. Die Giganten leisten sich dort einen Innovationswettlauf. Ob kassenlose Supermärkte, Pop-up-Showrooms oder Mobile Commerce – die Chinesen treiben die Zukunft im globalen Handel voran.“

Klar ist, sagt Dell’Antonio: „Wir müssen uns online stärker engagieren.“ Und der Premiummarkt ist auch in China rückläufig, wenngleich Zwilling Marktanteile gewinnt. Der Vorstandschef sieht zwar „keine Sättigung des Markts“. Man müsse sich aber noch mehr auf die Gewohnheiten der Kunden in einem Land einstellen.

Gerade hat Zwilling eine Messerserie zu den chinesischen Dynastien herausgebracht, aber auch limitierte Produkte, die zunächst in den Shops und dann auf ausgewählten Plattformen angeboten werden. Bislang aber liegt das operative Ergebnis der Sparte nicht nur unter dem Vorjahresergebnis, sondern auch unter Plan, heißt es im Geschäftsbericht.

Im kommenden Jahr rechnet Vorstandschef Dell’Antonio wieder mit einem steigenden Umsatz und einem leicht steigenden operativen Ergebnis. Der 55-jährige Vorstandschef ist sehr umtriebig, heißt es aus Unternehmenskreisen. Inzwischen ist das Familienunternehmen seinem Plan, 500 Shops weltweit zu betreiben, sehr nah gekommen, 490 Shops sind es inzwischen.

Der in Südtirol geborene Manager wechselte vom Spirituosenhersteller Mast-Jägermeister in den Werhahn-Vorstand. Seine Marketingexpertise gepaart mit seiner langjährigen Erfahrung in Familienunternehmen qualifizierten ihn für die Aufgabe, erzählen Unternehmenskenner. Nun führt er den ganzen Konzern mit rund 200 Beteiligungen.

Insgesamt stieg der Umsatz von Werhahn um rund fünf Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, davon erwirtschaftet das Familienunternehmen rund 1,1 Milliarden Euro im Ausland. Rund 70 Prozent kommen also noch immer aus Deutschland, der Vorstand fühlt sich wohl damit. Die Unternehmensbereiche Baustoffe und Finanzdienstleistungen entwickelten sich im Gegensatz zur Konsumgütersparte durchweg positiv.

Eigenkapitalquote ist weiter hoch

Werhahn ist grundsolide, die Eigenkapitalquote liegt seit Jahren bei rund 70 Prozent, ohne Finanzdienstleistungen. Nach den besonders erfolgreichen Vorjahren, sagt Finanzvorständin Dahnke, musste Werhahn „2018 einen erwarteten Rückgang verzeichnen.

Insgesamt war in den Geschäftsbereichen die operative Entwicklung weiterhin erfreulich stabil.“ Das operative Ergebnis sank allerdings von 163 auf 105 Millionen Euro. Die Dividende für 2017 lag bei 35 Millionen Euro, wie hoch sie 2018 ist, wird erst im kommenden Geschäftsbericht veröffentlicht.

Dahnke kam 2014 zur Neusser Firmengruppe, als Michael Werhahn aus dem Vorstand ausgeschieden war. Die 58-Jährige wird allseits geschätzt und verfügt über ein exzellentes Netzwerk. Sie sitzt unter anderem in den Aufsichtsräten von Fraport und Knorr-Bremse.

Inzwischen ist sie für die Sparte der Baustoffe zuständig, die sich positiv entwickelt. Allerdings musste sie die Schließung des Schieferbergwerks in Mayen mitgestalten. Das hat für viel Wirbel in der Region gesorgt. Im vergangenen Jahr trennte sich die Werhahn-Gruppe auch von der Alessandro-Gruppe mit einem Verlust, wie der Geschäftsbericht offenbart.

Doch Dahnke legte beim Verkauf des Hand- und Nagelspezialisten an die Wilde-Gruppe „größten Wert“ darauf, dass den Mitarbeitern „eine Perspektive in einem neuen Unternehmenskontext geboten wird“. Der 52-jährige Boldyreff war zuletzt Vorstandsvorsitzender der zur DZ-Bank-Gruppe gehörenden Teambank, die sich auf Ratenkredite fokussiert.

Bei Werhahn wird Boldyreff den Vorsitz in den Aufsichtsgremien des Leasinganbieters Abcfinance und des Kfz-Kreditgebers Bank 11 übernehmen und auch in den Aufsichtsrat des Autokredit-Vergleichs-Start-ups Yareto einziehen.

Mehr: Im vergangenen Jahr hatte Werhahn mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Im Interview erklärte Paolo Dell ’Antonio, woran das lag und wo er das Unternehmen in fünf Jahren sieht.

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