Mischkonzern Orascom Naguib Sawiris startete das erste Handynetz in Nordkorea – jetzt kämpft er um sein Geld

Mit Orascom hat sich Nawiris in Regionen getraut, die andere meiden. Nun kommt der Ägypter nicht an sein Geld, weil es Nordkorea zurückhält.
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Der Ägypter ist bekannt dafür, in Ländern zu wirtschaften, die andere Firmen meiden. Quelle: Bloomberg
Naguib Sawiris

Der Ägypter ist bekannt dafür, in Ländern zu wirtschaften, die andere Firmen meiden.

(Foto: Bloomberg)

Nordkorea hat sich hermetisch vom Rest der Welt abgeriegelt. Fast niemand in dem Staat hat einen Zugang zum Internet oder zu freien Informationen aus dem Rest der Welt. Und doch sind sie überall in der Hauptstadt Pjöngjang: Smartphones. Passanten telefonieren in der U-Bahn, im Bus und beim Spaziergang im Park.

Hinter Nordkoreas Telefonnetz stehen jedoch nicht Machthaber Kim Jong Un und sein Regime, sondern ein internationaler Geschäftsmann. Naguib Sawiris ist einer der reichsten Männer Ägyptens. Gleichzeitig ist er auch der wohl wichtigste Geschäftsmann in Nordkorea. Denn wo sich andere Unternehmer abwandten, sah der 63-Jährige eine Chance.

Vor zehn Jahren startete er mit dem Mischkonzern Orascom das erste Handynetz des Landes. „Als Firma sind wir bekannt dafür, dass wir dorthin gehen, wo sich andere nicht hintrauen“, sagt Sawiris dem Handelsblatt. Mit seinen Brüdern teilt er sich das Geschäft bei der Gruppe auf. Naguib steuert die Telekommunikation, Samih den Tourismuszweig und Nassef das Bau- und Chemiegeschäft.

In viele Regionen gehen die Brüder als Erste. Kritiker werfen ihnen vor, skrupellos zu sein. Naguib Sawiris spricht hingegen von Chancen – wie auch im Fall von Nordkorea. „Wir sind nach Nordkorea gegangen, weil wir es als große Chance gesehen haben, der Bevölkerung die Technik zur Kommunikation zu geben“, erklärt er.

Pjöngjang lockte damals mit einem Monopol für die ersten Jahre. Mit dem lokal aufgebauten Anbieter Koryolink eroberte Orascom den völlig unterentwickelten Markt. Das Investment schien sich als großer Erfolg auszuzahlen.

„Nordkorea hat enormes Potenzial für Wirtschaftswachstum“

Doch dann kam der große Rückschlag. Pjöngjang startete ein staatliches Konkurrenzunternehmen zu Orascoms Koryolink. Der Staatsanbieter Kangsong und auch die nordkoreanischen Behörden setzten den Ägypter unter Druck. „Natürlich hat der Start eines zweiten Anbieters unser Wachstum an Kunden und Umsatz gebremst“, sagt Sawiris.

Gleichzeitig kommt er kaum an sein Geld. Pjöngjang hält die Gewinne fest, die Sawiris erwirtschaftet hat. Deshalb musste er das Geld reinvestieren, anstatt es außer Landes überweisen zu können.

„Die Wenigsten haben Internetzugang“ – Wie Handys trotzdem Nordkorea erobert haben

Ein Fehler war die Entscheidung für das Geschäft in Nordkorea nach Sawiris‘ Einschätzung trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil. Am Dienstag treffen sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump.

„Fakt ist, dass Nordkorea ein enormes Potenzial für Wirtschaftswachstum hat: Bodenschätze, disziplinierte und gut ausgebildete Arbeitskräfte, eine starke nationalistische Ideologie und eine direkte Landesgrenze mit China“, sagt Rüdiger Frank, Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens an der Universität Wien.

Genau darauf setzt Sawiris. „Wir sind überzeugt, dass es großes Potenzial in vielen Bereichen des Landes gibt, sobald es sich für internationale Investoren öffnet“, sagt der Geschäftsmann.

Als ersten Schritt könnte Orascom von einer Entschärfung der gegen Nordkorea verhängten Sanktionen profitieren. Denn die drohen schon jetzt das Geschäft massiv einzuschränken.

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