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Mitflug-Plattform Wingly-Gründer Klein strebt die nächste Wachstumsphase an

Der Co-Gründer und Technologiechef der Mitflug-Plattform will bis zu fünf Millionen Euro einsammeln. Das Start-up will sein Geschäftsmodell weiter ausbauen.
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Experten meinen, seine Firma bewege sich in einer gesetzlichen Grauzone. Quelle: Wingly
Lars Klein

Experten meinen, seine Firma bewege sich in einer gesetzlichen Grauzone.

(Foto: Wingly)

Frankfurt Lars Klein ist kein Pilot. Und doch versteht der Programmierer und Reisefan viel von der Fliegerei. 2015 gründete der gebürtige Koblenzer zusammen mit Emeric de Wazier und Bertrand Joab-Cornu die Mitflug-Plattform Wingly. Die soll nun rechtzeitig vor dem fünften Geburtstag die nächste Wachstumsphase starten. „Wir bereiten eine neue Finanzierungsrunde vor“, sagte Klein dem Handelsblatt.

Bis zu fünf Millionen Euro an frischen Mitteln sind das Ziel. Es wäre die bislang größte Kapitalspritze des Unternehmens. Gestartet sind die drei Gründer zunächst mit Geld von Freunden und Familien. 2018 kamen zwei Millionen Euro von privaten Geldgebern dazu, darunter der einstige FDP-Chef Philip Rösler, der selbst begeisterter Hobbypilot ist.

Mit der nun geplanten Finanzierungsrunde wollen Klein und sein Team vor allem geografisch expandieren. „Spanien oder auch Italien sind für uns interessante Märkte“, sagte Klein. Aber der Unternehmer denkt längst weiter. Schon heute gibt es bei Wingly registrierte Piloten, die ihre Kleinflugzeuge etwa in Fort de France auf der Karibikinsel Martinique stehen haben und dort Flüge anbieten.

Bisher ist Wingly in Deutschland, Frankreich und Großbritannien aktiv. Das Jungunternehmen bringt Flugfans und Privatpiloten zusammen. Letztere müssen eine gewisse Zahl an Flugstunden vorweisen, um ihre Lizenz zu behalten. Ein Aufwand, den sie durch die Mitnahme von Passagieren reduzieren können.

Geld dürfen die Flugzeugführer damit zwar nicht verdienen, weil sie dafür eine Lizenz für die kommerzielle Luftfahrt bräuchten. Doch die Hälfte der Kosten dürfen sie dem Fluggast in Rechnung stellen. Wingly profitiert über eine Vermittlungsprovision.

Das Geschäft habe sich sehr gut entwickelt, berichtet Klein. Im August habe die Firma rund 2 500 Kunden vermittelt. „Insgesamt planen wir dieses Jahr mit bis zu 25.000 Passagieren. Das ist so viel wie in den drei Jahren zuvor zusammen“, erläutert Klein.

Doch genau hier sieht Gerald Wissel von Airborne Consulting ein Problem. „Wingly arbeitet in einer Grauzone zwischen Privatflug und kommerziellem Flug“, erklärt der Luftfahrtexperte. Auch wenn die Jungunternehmer diese Frage mit den Luftfahrtbehörden aktuell geklärt hätten: „Wenn Wingly weiter stark wachsen sollte, wird diese Diskussion neu aufkommen.“ Denn die Frage sei, ob der Dienstleister am Ende nicht eine Art Taxiunternehmen aufbaue wie etwa Uber bei Autofahrten.

Wingly ist nicht alleine mit der Idee des Sharingdienstes am Himmel. In Deutschland bietet etwa Flyt.club Ähnliches an. In Frankreich gibt es Coavmi. Doch Klein sieht Wingly in der führenden Position.

17.000 Piloten hätten sich mittlerweile bei Wingly registriert, bei geschätzten jeweils 45.000 Privatpiloten in Deutschland und Frankreich. „Das zeigt unsere starke Marktstellung“, so Klein. Langfristig wäre im europäischen Markt nur Platz für zwei Anbieter, ist der Unternehmer überzeugt: „Vielleicht wird es in Zukunft auch zu Kooperationen mit Wettbewerbern kommen.“

Interessant für künftige Geldgeber: Für das kommende Jahr verspricht Klein schwarze Zahlen: „2020 sollten wir profitabel sein, in diesem Jahr werden wir das noch nicht ganz schaffen.“ Der Außenumsatz, also die auf der Plattform insgesamt erzielten Erlöse, sollen dieses Jahr von zwei auf 4,5 Millionen Euro steigen.

Dazu will Klein das Geschäftsmodell ausbauen. Bisher werden über Wingly vor allem Rundflüge gebucht: „Wir wollen den Nutzern stärker zeigen, dass man mit uns auch Ausflüge machen kann, zum Beispiel nach Sylt.“

Für Geschäftsreisende wird die Plattform dagegen vorerst nur bei Last-Minute-Buchungen eine Alternative sein. Die Privatpiloten haben in der Regel keine Lizenz für den Instrumentenflug. Geflogen wird also nur bei gutem Wetter, für langfristig planende Firmenlenker ist das zu unsicher.

Mehr: Der Däne Lars Rolner steuert von Hamburg aus Schiffstransporte, die auf den ersten Blick unmöglich scheinen. Jetzt will er seine Kapazität durch eine Fusion verdoppeln.

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