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Mitflugzentrale Wingly will Flug im Privatjet bald auch für Normalverdiener erschwinglich machen

Die Mitflugplattform Wingly will ihren Kunden den Zugang zu Geschäftsflugzeugen eröffnen. Doch die Expansion in den neuen Markt wirft einige Fragen auf.
18.07.2021 - 12:30 Uhr Kommentieren
Wingly will Mitflugmöglichkeiten zum Preis eines Business-Class-Tickets von Linienanbietern auf den Markt bringen. Quelle: imago images/CHROMORANGE
Privatjet auf dem Flughafen Stuttgart

Wingly will Mitflugmöglichkeiten zum Preis eines Business-Class-Tickets von Linienanbietern auf den Markt bringen.

(Foto: imago images/CHROMORANGE)

Frankfurt Lars Klein hat gelernt, dass Marketing in der Luftfahrt von allergrößter Bedeutung ist – mitunter mit bewusster Überhöhung. „Den Reisenden die Freiheit zu bieten, einzelne Sitzplätze auf Privatjets buchen zu können, ist eine Revolution“, sagt der Mitgründer der Mitflug-Plattform Wingly.

Was Klein meint: Unter dem Namen Wingly Jet sollen die Kunden künftig einen Flug in einem Business-Jet buchen können – und das zum Preis eines vergleichbaren Business-Class-Tickets bei einem Linienanbieter.

Das klingt attraktiv. Schließlich kostet das Chartern eines Privatjets, etwa für eine wichtige Geschäftsreise, selbst auf kurzen Strecken oft eine fünfstellige Summe. „Die Privatjetbranche bietet traditionell sehr hohe Flugpreise an. Das ändert sich mit Wingly Jet“, verspricht Klein. Der Reisende kaufe fortan einen Sitzplatz im Privatjet und nicht mehr wie bisher den gesamten Jetflug. „Dieser Preis ist um ein Fünffaches niedriger als der bisherige Flugpreis.“

Doch der Plan des Wingly-Teams hat einige Unwägbarkeiten. Andreas Mundsinger, der Geschäftsführer der German Business Aviation Association (GBAA), sieht vor allem Akzeptanzprobleme bei den Hauptkunden der Privatjets. „Meines Erachtens akzeptieren Geschäftsreisende keine ,fremden‘ Passagiere.“ Hier gelte: „Wer bucht, der zahlt – und der, der zahlt, bestimmt.“

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    Das könne zu Koordinierungsproblemen führen. So würden sich die Abflugzeiten bei Geschäftsreisenden häufig ändern, auch kurzfristig. „Meistens klappt diese Logistik dann nicht. Sprich: Der oder die Mitflieger kommen an den Flughafen, und das Flugzeug ist bereits weg, fliegt drei Stunden später oder gar nicht, weil der Flug storniert wurde“, sagt Mundsinger.

    Die Mitflugplattform will den Kunden nun auch günstige Reisen im Privatjet ermöglichen. Quelle: Wingly
    Wingly-Mitgründer Lars Klein

    Die Mitflugplattform will den Kunden nun auch günstige Reisen im Privatjet ermöglichen.

    (Foto: Wingly)

    Klein will dieses Problem allerdings gelöst haben. Um das neue Geschäftsfeld zu realisieren, hat Wingly bei den Anbietern im Markt für Business-Aviation bestimmte Sitzkontingente für einzelne Strecken eingekauft. Bucht nun ein Wingly-Nutzer eine dieser Strecken, wird der Flug laut Klein in jedem Fall stattfinden – selbst dann, wenn nur ein einziger Sitz auf dem Flug gebucht wird. Die Kosten für die weiteren leeren Sitze trägt nicht der Reisende, sondern die Anbieter.

    Geschäftsreise-Flugzeuge sollen besser ausgelastet werden

    Ob die Rechnung aufgehen wird, ist offen. Für die Betreiber der Privatjets stellt sich die Frage, ob das Konzept dauerhaft wirtschaftlich ist, wenn nur ein Privatreisender im Flugzeug sitzt, der wenig bezahlt.

    Anderseits lockt Klein die Business-Aviation-Firmen damit, deren Flotten besser auszulasten. Man werde nicht nur dazu beitragen, vorhandene Flüge besser zu vermarkten, sondern auch die in Zukunft begehrten Flugrouten zu identifizieren. „Die Innovation von Wingly Jet setzt voraus, dass genug Nachfrage für das kleiner portionierte Angebot gegeben ist“, so Klein. Dafür werde die große Wingly-Gemeinde sorgen, sozusagen die Schwarmintelligenz der Mitflugplattform, die Flugzeuge ausreichend füllen soll.

    „Unser Ziel ist es, eine Auslastung der Sitzplätze von 75 Prozent zu erreichen, während die traditionellen Privatjetfirmen 40 Prozent schaffen – sogar meist mit komplett leerem Rückflug“, so Klein. Das wiederum soll helfen, die CO2-Bilanz zu verbessern, ein aktuell viel diskutiertes, heißes Thema.

    Der 27-jährige Programmierer – ein großer Reisefan – gründete Wingly 2015 zusammen mit Emeric de Wazier und Bertrand Joab-Cornu. Die ursprüngliche Idee: Über das Internet bringt die Plattform Hobbypiloten und Privatpersonen zusammen – etwa für Rundflüge oder auch für einen Trip auf eine der Nordseeinseln. Die Kosten für diesen Flug teilen sich Pilot und Kunden. Der Flugzeugführer macht dabei zwar keinen Gewinn, aber er reduziert seinen Aufwand.

    Gestartet wurde mit dem Geld von Freunden und Familien. 2018 gaben private Geldgeber zwei Millionen Euro, darunter der einstige FDP-Chef Philip Rösler. Seitdem gab es weitere Finanzierungsrunden.

    Anfangs belasteten offene Rechtsfragen die Idee. So musste erst eindeutig geklärt werden, dass diese Art von „Sharing“ kein kommerzieller Flugbetrieb ist, für den sehr hohe Anforderungen gelten. Auch der Versicherungsschutz war ein Thema. Diese Fragen sind geklärt.

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    Attraktives Streckennetz ist notwendig

    Allerdings ist Wingly nun nicht mehr allein auf dem Markt. Ein anderer bekannter Name ist Flyt.club. Wingly beansprucht allerdings für sich, mit 360.000 Nutzern das größte Mitflugportal in Europa zu sein.

    Die Pandemie hat das Jungunternehmen laut Klein gut überstanden. Das Geschäft sei im Jahr 2020 um 20 Prozent gewachsen. „Wir haben auf der einen Seite eine Verschiebung unserer Verkaufsaktivitäten erlebt“, sagt Klein. Andererseits habe man das Wachstum aber mit den Lockerungen im vergangenen Sommer und mit einem fulminanten Weihnachtsgeschäft 2020 einfahren können.

    Neben den genannten Herausforderungen gibt es noch eine weitere: Funktionieren wird die neue Idee dauerhaft nur dann, wenn es gelingt, ein attraktives Streckennetz zu bauen. Bislang ist das Angebot auf Verbindungen von und nach Genf konzentriert – ein traditionell starker Standort für die Geschäftsfliegerei. „Langfristig möchten wir ein flexibles Routennetz anbieten, das sich an die Nachfrage unserer Community anpasst und kontinuierlich wächst“, sagt Klein.

    Der Vorstoß in das neue Geschäftsfeld könnte zur rechten Zeit kommen. Die Nachfrage nach Privatjetflügen zieht wieder an, nachdem es wegen der Pandemie auch hier eine deutliche Delle gab. Das zeigen die Daten des Informationsdienstes WingX Advance aus Hamburg. Die Spezialisten für den Business-Aviation-Markt hatten bei der Zahl der Geschäftsflüge in Europa noch im März ein Minus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau errechnet. In den letzten zwei Juni-Wochen waren es aber bereits sechs Prozent mehr Flüge als zum gleichen Zeitpunkt vor der Krise.

    Dabei hat die Pandemie den Privatjetbetreibern neue Kunden zugeführt. „Die Vorteile des Privatfliegens wurden während der Coronakrise noch einmal deutlich vor Augen geführt“, stellte Oliver Stone, Managing Director von Colibri Aircraft, zu Jahresbeginn fest. Man habe viele neue Kunden begrüßen dürfen, die zuvor nie mit dem Privatflugzeug geflogen seien.

    Wingly könnte diese Entwicklung befeuern. Klein jedenfalls sieht viel Potenzial. „Der private Luftfahrtmarkt ist 35 Milliarden Dollar schwer und wird in den kommenden Jahren voraussichtlich stark wachsen“, sagt er..

    Mehr: Mehr als 800 Jets „entparkt“: Am Himmel wird es wieder voll – doch parallel dazu das Personal knapp

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