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Mittelständler Watex André Watzke: Der Sohn des BVB-Bosses mischt beim eigenen Familienunternehmen mit

Für Borussia Dortmund hat Hans-Joachim Watzke das Unternehmen Watex an seine Ehefrau übergeben. Inzwischen gestaltet auch der Sohn die Zukunft mit.
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André Watzke und Katharina Watzke (v. l.) mit ihren Eltern Hans-Joachim Watzke und Annette Watzke. Quelle: Borussia Dortmund
Fußballbegeisterte Unternehmerfamilie

André Watzke und Katharina Watzke (v. l.) mit ihren Eltern Hans-Joachim Watzke und Annette Watzke.

(Foto: Borussia Dortmund)

DortmundDer Name Watzke steht für den wirtschaftlichen Erfolg des Fußballbundesligaklubs Borussia Dortmund. 2005 war es einer der wenigen Glücksgriffe des BVB, in wirtschaftlicher Schieflage auf Hans-Joachim Watzke zu setzen. Und eben keineswegs naheliegend. Denn anders als die meisten seiner Kollegen war „Aki“ Watzke weder Vereinsidol noch ehemaliger Fußballprofi.

Was der mittlerweile 59-Jährige aber war: ein erfahrener Unternehmer. Bevor er als Geschäftsführer in die Führungsetage des BVB aufstieg, betrieb er erfolgreich die von ihm gegründete Firma Watex in seiner Heimatstadt Marsberg im Sauerland.

Der Hersteller für Sicherheitsbekleidung wird immer noch von der Familie geführt. Nur eben nicht mehr von Hans-Joachim Watzke, sondern von Frau Annette. Mit Sohn André steht nun die nächste Generation bereit. Der 24-Jährige hat sein BWL-Studium in Dortmund zwar noch nicht ganz beendet – mit dem Kopf ist er aber längst in der unternehmerischen Praxis.

Dass der Sohn einmal den Familienbetrieb übernimmt, stand für ihn lange fest. „Mir war schon als Kind klar, dass das eine Möglichkeit ist. Eigentlich hatte ich immer das Ziel, gesetzt war es aber nie.“

Um den Einstieg zu schaffen, ist der groß gewachsene Junior viel unterwegs. Sonntags bis dienstags lebt er mit seinem Vater in einer „harmonischen Männer-WG“, den Rest der Woche verbringt er in der Heimat oder bei seiner Freundin in Bonn. Dazu kommen etliche Außentermine für Watex, wo er sich bereits in den Vertrieb eingearbeitet hat.

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Die Familie weiß das zu schätzen. „Mein Sohn schafft schnell Bindung zu den Menschen. Er ist der geborene Vertriebsstratege. Dabei erinnert er mich sehr an meinen Mann“, lobt ihn Mutter Annette Watzke.

Mit Zwillingsschwester Katharina hat André Watzke dabei einen kompletten Gegenentwurf. Sie studiert Jura in Hamburg und plant so schnell auch keine Rückkehr in ihre Heimat – und schon gar nicht ins Familienunternehmen. „Meine Schwester wollte immer in die weite Welt. Mir gefällt aber die Region, und ich spiele Fußball dort“, erzählt André Watzke, der mit seinem Heimatverein Rot-Weiß Erlinghausen in der Landesliga spielt. Im selben Verein ist Vater Hans-Joachim Vorsitzender, das Stadion ist nach seinem Großvater Hans benannt.

Der Name Watzke zieht sich aber nicht nur durch die Vereinsstrukturen, sondern umgekehrt der Verein auch durch Watex. Knapp 45 Mitarbeiter hat das Marsberger Unternehmen mittlerweile. „Wir haben viele ehemalige Fußballspieler dabei, von denen wir wussten, dass sie charakterlich top sind“, erklärt Watex-Gründer Hans-Joachim Watzke. „Außerdem haben wir gerne einen lokalen Bezug, da diese Leute nicht so leicht von der Stange gehen.“

Gegründet hat Watzke die Firma für Sicherheitsbekleidung 1990. Seitdem wächst Watex kontinuierlich. Nicht selbstverständlich, denn der größte Konkurrent Novotex stammt ebenfalls aus Marsberg. Umsatztechnisch bewegt sich Watex zwischen 15 und 20 Millionen Euro im Jahr – je nach Wetter. „Es ist aber ein Nischenmarkt, der hochprofitabel sein kann“, sagt Hans-Joachim Watzke. Wie profitabel genau, möchte er nicht verraten.

„Watex ist im Hinblick auf den Markt für Berufsbekleidung insgesamt vergleichsweise klein, dafür aber hochspezialisiert“, weiß Hans-Jürgen Heinick, Senior Consultant am Institut für Handelsforschung Köln. Anders als vermeintliche Wettbewerber wie Engelbert Strauss ist Watex zum Beispiel im Low-Budget-Bereich aktiv. „Der Markt für Berufsbekleidung ist an sich sehr heterogen. Man hat dort bessere Chancen, wenn man nicht direkt vergleichbar ist“, sagt Experte Heinick.

Zusammenarbeit mit Puma

Und genau das forciert Watex aktuell, denn individualisierte Berufskleidung ist immer gefragter. Die Kunden kommen aus allen Bereichen, im Umsatz schlägt sich aber vor allem die teure Feuerwehrbekleidung nieder. Gerade hier geht es um Passform und Gewebestärke der Kleidung – worunter Individualisierung auch meist verstanden wird. Der größere Markt liegt aber im verarbeitenden Gewerbe.

Es ist ein Nischenmarkt, der hoch profitabel sein kann. Hans-Joachim Watzke, Gründer Watex

Um in diesen Markt vorzudringen, trat Watex vor zwei Jahren an seinen langjährigen Partner Puma heran. Mit dabei: André Watzke. Er überzeugte den Sportartikelhersteller von modischer Berufsbekleidung. Dass Puma fast zeitgleich Trikotsponsor von Borussia Dortmund wurde, habe damit nichts zu tun gehabt.

„Die Zusammenarbeit mit Puma war logisch, weil das Unternehmen beispielsweise im Bereich Sicherheitsschuhe bereits einen Lizenznehmer hat und Puma einfach eine starke Marke ist“, erklärt der Jungunternehmer. Puma selbst möchte sich nicht zu den Geschäftsbeziehungen äußern.

Abnehmer von Watex sind vor allem Großhändler. So wie die Dortmunder Firma Atlas. „Wir haben unsere Partnerschaft in den letzten zwei Jahren noch einmal deutlich intensiviert“, bestätigt der geschäftsführende Gesellschafter Hendrik Schabsky.

Das lag vor allem an der Einführung von Puma Workwear. Denn auch Schabsky merkt ein Umdenken bei seinen Kunden: „Die jüngere Generation legt Wert auf das Aussehen der Bekleidung. Man möchte sportiv und attraktiv wirken, und das nicht nur nach Feierabend.“ Atlas bezieht heute ein Drittel seiner Produkte von Watex, vorwiegend für den Brandschutz.

Auch hier half André Watzke kräftig mit. „Bekleidung ist an sich ein emotionales Produkt, das Kunden begeistern muss, und das kann André Watzke“, lobt Schabsky.

Projekt- und Überzeugungsarbeit macht dem Student ohnehin mehr Spaß als die Theorie. So wechselte André Watzke vor zwei Jahren auch von der Uni Paderborn an die berufsbegleitende Fachhochschule des Mittelstands (FOM) in Dortmund. Damit konnte er beides in Einklang bringen. Noch ein Semester ist es bis zum Bachelor, ein Master wird vermutlich nicht folgen.

Doch gleich in die Chefetage aufzusteigen wäre auch für den Unternehmersohn etwas verfrüht. „Die Verantwortung wäre mit 24 Jahren einfach noch zu viel. Ich benötige Zeit zum Hineinwachsen“, sagt André Watzke. Seine Mutter Annette muss sich mit ihrem Rückzug vom Chefposten also noch gedulden. Die beiden haben ein enges Verhältnis.

„Wenn ich sonntags nach Hause komme und die beiden sich mal wieder nur über Watex unterhalten, dann nervt das schon“, sagt Hans-Joachim Watzke, der nur noch Gesellschafter von Watex ist. Meistens dreht das Thema dann aber schnell auf Fußball oder Politik, bis Sohn André schließlich mit seinen Eltern zum Fußball fährt. Dann ruhen die Turbulenzen des Firmenalltags – zumindest für 90 Minuten.

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