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Start-up-Förderung

Die Liste der Unternehmen, die Eventures bereits erfolgreich an die Börse gebracht hat, liest sich wie ein Who‘s who der Start-up-Szene.

(Foto: Adobe Stock (M) )

Mittelstand Deichmann, Porsche, Kärcher: Familienunternehmen investieren 400 Millionen Dollar in Start-ups

Die Investoren erhoffen sich eine auskömmliche Rendite und frühen Zugang zu neuen Technologien. Der Fonds wird von Eventures in Berlin und San Francisco gemanagt.
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Düsseldorf, Berlin Deutsche Familienunternehmen erhöhen massiv ihr Engagement bei der Förderung von Start-ups. Eventures, eine weltweit agierende Risikokapitalgesellschaft, an der namhafte Geldgeber aus der deutschen Industrie wie die Otto Group, Lidl, Dr. Oetker und Porsche beteiligt sind, hat einen neuen, 400 Millionen Dollar umfassenden Investmentfonds aufgelegt.

225 Millionen Dollar werden in den nächsten drei bis vier Jahren zur Finanzierung des Wachstums in junge Unternehmen in den USA fließen, 175 Millionen Dollar in europäische Start-ups. Das erfuhr das Handelsblatt aus dem Kreis der geldgebenden Unternehmen.

Neben den genannten Bestandsinvestoren sind weitere renommierte Unternehmen wie Bitburger, Kärcher und Deichmann „als Investoren der neuen, inzwischen sechsten Fundgeneration beigetreten“, berichtet Christian Leybold, Managing Partner von Eventures in Berlin.

Auch Family Offices wie jenes der Verlegerdynastie Jahr und der Rehm-Familie (Jägermeister) zählen zum neuen Investorenkreis, ebenso die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der European Investment Fund (EIF). Die beiden institutionellen Investoren wollen neben einer auskömmlichen Rendite vor allem den Start-up-Standort Europa fördern.

Die Liste der Unternehmen, die Eventures bereits erfolgreich an die Börse gebracht hat, liest sich wie ein Who‘s who der Start-up-Szene: In den vergangenen Jahren gehörten dazu der Online-Modehändler Farfetch und der Spezialist für kabellose Lautsprecher Sonos. Außerdem haben sich der IPO von Groupon (Gutscheinportal) sowie der Verkauf von NGINX (Webserver-Software) und des US-Lieferservices Shipt für die frühen Eventures-Investoren weithin ausgezahlt.

Der jüngste Coup: In der vergangenen Woche sprang der Kurs des Onlinehändlers für Secondhandmode The RealReal bei seinem Börsendebüt um 40 Prozent in die Höhe. Das kommt einer Marktkapitalisierung von rund 2,32 Milliarden US-Dollar für das junge E-Commerce-Unternehmen gleich. Auch dort war Eventures nennenswert investiert.

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Derartige Erfolge wollen die Initiatoren mit ihrem neuen Fonds gern wiederholen. Leybold, der seit 2002 das Europageschäft für Eventures aufgebaut hat, sagt: „Wir wollen vorwiegend in drei Geschäftsmodellen investieren: bei Fintechs, bei Softwarefirmen mit Abo- oder Lizenzmodellen sowie bei internetbasierten B2C-Start-ups, die auf eine breite Konsumentengruppe zielen.“

Sein Pendant in San Francisco, Mathias Schilling, ergänzt: „Wir investieren nicht nur in der frühen Phase, sondern begleiten die jungen Unternehmen auch durch dick und dünn.“

Jeweils mit Beträgen zwischen 1,5 und zehn Millionen Dollar wird sich Eventures dabei in der Frühphase an den einzelnen Unternehmen beteiligen. Dass die Altinvestoren wie die Otto Group und Porsche allesamt beim neuen Fonds wieder dabei sind, bewertet Leybold als „starken Vertrauensbeweis innerhalb einer langfristigen Partnerschaft“.

Mit den jetzt eingesammelten 400 Millionen Dollar erhöht sich das von Eventures gemanagte Gesamtvolumen auf 1,4 Milliarden Dollar. Nach eigener Aussage gehört der Fonds zusammen mit Holtzbrinck Ventures und der Beteiligungsholding Rocket Internet zu den Größten seiner Art in Deutschland.

Sebastian Klauke, Konzernvorstand für E-Commerce, Technologie und Business Intelligence der Otto Group, sagt: „Wir sind Gründungsinvestor bei Eventures. Das Engagement hat für uns einen hohen strategischen Wert, weil wir neben der hervorragenden finanziellen Performance der Fonds auch vom Marktzugang und der Expertise des Eventures-Teams profitieren.“

Lutz Meschke, Chief Financial Officer bei Porsche, fügt hinzu: „Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Wir wissen, dass wir die Zukunft nicht allein gestalten können, und erschließen uns mit Eventures den Zugang zu Erfolg versprechenden Start-ups weltweit.“

Von neuen Ideen profitieren

Viele deutsche Mittelständler versuchen über Investitionen in junge Unternehmen, nicht nur überdurchschnittliche Renditen zu erzielen, sondern auch von den Ideen und neuen Geschäftsmodellen der Gründer zu profitieren. Es geht darum, eine Brücke zu schlagen zwischen den etablierten Industrieunternehmen und der agilen Start-up-Szene.

Die meisten Investoren jedoch arbeiten nicht mit den hohen Summen, die Eventures für seine Fonds zusammenträgt. Andere Familien und Mittelständler gründen gleich eigene Venture-Capital-Gesellschaften. Tengelmann Ventures beispielsweise hat seit 2009 in mehr als 55 junge Unternehmen investiert, darunter so prominente Start-ups wie Klarna, Uber, Zalando oder Delivery Hero.

Trotzdem beklagen deutsche Gründer immer wieder, dass es für sie gerade im internationalen Vergleich einen Mangel an Wagniskapital gibt. Das zeigt sich in der Regel noch nicht so deutlich in der frühen Phase, also bei der sogenannten Seed-Finanzierung.

Doch spätestens in der weiteren Entwicklung, wenn für den raschen Ausbau des Geschäftsmodells viel frisches Kapital benötigt wird, fehlen häufig die Geldgeber.

Für Deutschland kann das zu einem Standortnachteil werden, denn speziell in den USA und in Asien, aber auch in anderen europäischen Ländern steht Gründern erheblich mehr Venture-Capital zur Verfügung. Auch besteht die Gefahr, dass hoffnungsvolle deutsche Start-ups von ausländischen Investoren oder Konzernen übernommen werden. Gerade von Politikern wird deshalb häufig von einem drohenden „Ausverkauf“ ins Ausland geredet.

Die Bundesregierung plant deshalb schon seit Längerem eine Stärkung des deutschen Wagniskapitalmarkts. „Die zuständigen Bundesministerien (BMWi und BMF) und die Versicherungswirtschaft prüfen derzeit gemeinsam mit der KfW Capital und dem Europäischen Investitionsfonds mögliche Optionen auf der Basis eines Dachfondsmodells“, teilte eine Sprecherin von Bundesminister Peter Altmaier auf Anfrage mit.

Bereits im Koalitionsvertrag hatten sich SPD und Union darauf geeinigt, gemeinsam mit der Industrie einen nationalen Digitalfonds aufzulegen. Vorbild dafür ist Dänemark.

Dieser staatlich kontrollierte Dachfonds könnte dann eine Anlaufstelle für privates Kapital sein, dem auf diese Weise die Investition erleichtert werden soll. „Ein Volumen von zwei Milliarden Euro wäre aus meiner Sicht ein guter Anfang. Investments in Venture-Capital-Fonds in Europa und Deutschland sollten den Fokus bilden“, sagt Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Branchenverband BVK. Allerdings gibt es Befürchtungen in der Branche, dass die Regierung das Vorhaben in der laufenden Legislaturperiode nicht mehr umsetzen wird.

Die wichtigste Entscheidung für mehr Wagniskapital in Deutschland erfolgte zuletzt bei der staatlichen Förderbank KfW. Mit der Tochter KfW Capital sollen die europäischen und inländischen Fonds gestärkt werden. „Auf Sicht von zehn Jahren wollen wir zwei Milliarden Euro in Venture-Capital-Fonds investieren. Dabei sollen die Einzelinvestments 25 Millionen Euro nicht übersteigen“, sagte Geschäftsführer Jörg Goschin.

Auch beim neuen Fonds von Eventures ist KfW Capital dabei. Geschäftsführer Goschin sagt: „Durch Investments in Eventures und andere herausragende VC-Fonds verbessert KfW Capital mit Unterstützung des ERP-Sondervermögens des Bundes den Kapitalzugang für junge Unternehmen und unterstützt so den digitalen Mittelstand von morgen.“

Mitarbeit: Florian Kolf, Peter Köhler

Mehr: Deutschland investiert vergleichsweise wenig Wagniskapital. Die Konsequenz: Junge Unternehmen könnten in andere EU-Länder oder ins Silicon Valley flüchten.

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1 Kommentar zu "Mittelstand: Deichmann, Porsche, Kärcher: Familienunternehmen investieren 400 Millionen Dollar in Start-ups"

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  • „Trotzdem beklagen deutsche Gründer immer wieder, dass es für sie gerade im internationalen Vergleich einen Mangel an Wagniskapital gibt. Das zeigt sich in der Regel noch nicht so deutlich in der frühen Phase, also bei der sogenannten Seed-Finanzierung.
    Doch spätestens in der weiteren Entwicklung, wenn für den raschen Ausbau des Geschäftsmodells viel frisches Kapital benötigt wird, fehlen häufig die Geldgeber“

    „Aller Anfang ist schwer“ - das mag ja in vielen Fällen zutreffen, sicher ist jedenfalls: Durchhalten ist noch viel schwerer.

    „Für Deutschland kann das zu einem Standortnachteil werden, denn speziell in den USA und in Asien, aber auch in anderen europäischen Ländern steht Gründern erheblich mehr Venture-Capital zur Verfügung“

    Gerade in diesen Ländern ist Geldvermehrung ja auch das allesbestimmende Imperativ.

    Und hat damit allemal Vorrang vor „brotlosen“ Initiativen, die der Beförderung von Menschenrechten, Transparenz, Demokratie (also dem Recht jedes Einzelnen, nach eigenem Gewissen und vernünftigen Ermessen zu entscheiden, was „recht“ ist) dienen. Denn die stehen diesem Zweck „naturgemäß“ fast immer direkt entgegen und werden deshalb mit aller Macht, die dem Geld im gegenwärtigen Politik- bzw. Wirtschaftssystem innewohnt, bekämpft.

    Dabei sind die Erkenntnis der Notwendigkeit, die (Einsatz-)Bereitschaft - und vor allem der Mut, es mit diesen Herausforderungen aufzunehmen und strategisch klug gegen die nicht nur in der „Wirtschaftswelt“ allgemein vorherrschenden, generell schon kurzfristig nichts weniger als ein menschenwürdiges Dasein auf dieser Erde akut bedrohenden „Überzeugungen anzukämpfen (indem man solche Initiativen„startet“) unabdingbar, um allen - also auch sich selbst und seinen Nachkommen - in Zukunft ein menschenwürdiges Lebensumfeld schaffen (und sichern) zu können, in dem sich das „Geschäftemachen“ überhaupt noch lohnt. Intensives Nachdenken darüber lohnt sich also auch.

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