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Mittelstand Der Mittelstand treibt in der Coronakrise endlich die Digitalisierung voran

Viele Firmen machen die Digitalisierung zur Top-Priorität, zeigt eine exklusive Studie. Doch nicht alle Lieferanten und Kunden ziehen schnell genug mit.
27.11.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Bei der Digitalisierung werden viele Unternehmen nach wie vor durch den schleppenden Ausbau der digitalen Infrastruktur gebremst. Quelle: E+/Getty Images
Neue Technologien in der Fabrik

Bei der Digitalisierung werden viele Unternehmen nach wie vor durch den schleppenden Ausbau der digitalen Infrastruktur gebremst.

(Foto: E+/Getty Images)

Düsseldorf Lange hatten sich die klassischen Modehändler geziert. Mit Zalando, dem übermächtigen Konkurrenten, wollten sie sich partout nicht einlassen. Doch als die Coronakrise kam, waren plötzlich viele von ihnen an einer Zusammenarbeit mit der Modeplattform interessiert. Inzwischen verkaufen 2000 Boutiquen und Modehäuser ihre Kleidungsstücke über Zalando.

Mit vergleichsweise kleinem Engagement konnten sie so Anschluss halten, als die stationären Läden schließen mussten. Und es ist kaum denkbar, dass die Unternehmen das digitale Neuland nach der Pandemie wieder verlassen werden.

Dabei ist die Modebranche nicht allein. „Es geht ein Transformationsschub durch den Mittelstand“, sagt Uwe Berghaus, Firmenkundenvorstand der DZ Bank. Lange hatten viele Mittelständler zwar über Digitalisierung nachgedacht, auch schon einzelne Prozesse digitalisiert.

Aber an die zweite Stufe, nämlich wirklich Geschäftsmodelle zu digitalisieren, daran trauten sich viele Familienunternehmen nicht heran. Nun offenbart eine repräsentative Umfrage der DZ Bank, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, dass viele Mittelständler bereit sind, ihre Firmen-DNA mit der Digitalisierung zu verändern und in die Zukunft zu investieren.

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    Rund 20 Prozent der 1500 befragten Unternehmen wollen ihre Produktion und ihre Geschäftsmodelle langfristig neu ausrichten. Das gelte für alle Branchen und Größenklassen. Knapp 40 Prozent der Mittelständler stocken der Studie zufolge ihre Investitionen in Digitalisierung, neue Technologie und Künstliche Intelligenz auf. Bei den Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz ist es sogar die Hälfte.

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    Große Familienunternehmen wie Viessmann sind zwar schon weit, zeigen sich aber immer wieder bereit, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Anfang der Woche gab das Unternehmen offiziell bekannt, mit der Produktion von Luftreinigern zu starten, die auch Frischluftzufuhr ermöglichen.

    Viessmann ist bekannt als Heizungshersteller und als Unternehmen, das sich schon vor drei Jahren eine neue Vision gegeben hat: die Gestaltung von Lebensräumen zukünftiger Generationen. Konsequent hat das Unternehmen seitdem seine Digitalisierung vorangetrieben, die Unternehmenskultur verändert – und denkt seitdem konsequent vom Kunden her. Lebensräume von Schülern passen da gut in die Strategie. Mit digitalen Prozessen sollen die neuen Anlagen, die eine Mischung aus Luftreiniger und Frischluftanlage sind, künftig fester Bestandteil im Portfolio des Unternehmens mit mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz werden.

    Das Familienunternehmen Hailo, das vor allem Leitern und Mülleimer produziert, hatte im vergangenen Jahr eine Digital Unit als zentrale Abteilung etabliert und profitiert jetzt in der Pandemie schon von der Transformation.

    „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Digitaleinheit wegen ihrer Bedeutung für das ganze Unternehmen als eigene Abteilung direkt an den Geschäftsführer reporten zu lassen“, sagt Hailo-Chef Jörg Lindemann. Seit Beginn der Pandemie stiegen die Onlineumsätze um 160 Prozent. „Wir machen jetzt 20 Prozent unserer Umsätze online, selbst oder mit unseren Handelspartnern“, sagt Lindemann.

    Wirtschaftliche Krise ändert die Prioritätenliste

    Je länger die Coronakrise anhält, desto klarer wird offenbar vielen Unternehmen, dass sie ihre Zukunft nur sichern können, wenn sie zu grundsätzlichen Veränderungen bereit sind. Als die DZ Bank im Frühjahr den Mittelstand zuletzt befragt hatte, standen bei den Antworten noch die kurzfristigen Folgen der Pandemie im Vordergrund. Die Herausforderungen lagen eher im Bereich der Hygienemaßnahmen, der Sicherheit von Produktion und Lieferketten oder der Abfederung des Shutdowns.

    Damals planten erst zwölf Prozent eine Veränderung ihres Geschäftsmodells. Viele Mittelständler hatten zwar eine Digitalstrategie, die stand aber häufig nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. „Das ist jetzt anders“, beobachtet Stephan Ortolf, Bereichsleiter des Firmenkundengeschäfts bei der DZ Bank.

    Auch das Statistische Bundesamt registriert gestiegene Investitionen in die Zukunftsfähigkeit bei den Unternehmen. Während die Anlageinvestitionen im zweiten Quartal 2020 saison- und kalenderbereinigt insgesamt um fast acht Prozent sanken, stiegen die Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung, Software und Datenbanken gegenüber dem Vorquartal um ein Prozent.

    Dass viele Unternehmen sich gerade jetzt Sorgen um ihre Zukunft machen, verwundert nicht. Denn die Heftigkeit der Krise zeigte sich vor allem im zweiten Quartal. In diesem Zeitraum schrumpfte die deutsche Wirtschaft um 9,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ortolf rechnet für das Gesamtjahr 2020 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 5,2 Prozent. Für das Gesamtjahr 2021 erwartet er ein Wachstum von drei Prozent, allerdings werde sich das noch nicht im ersten Quartal 2021 zeigen.

    Rund 20 Prozent der 1500 befragten Unternehmen wollen ihre Produktion und ihre Geschäftsmodelle langfristig neu ausrichten. Quelle: E+/Getty Images
    Digitalisierung im MIttelstand

    Rund 20 Prozent der 1500 befragten Unternehmen wollen ihre Produktion und ihre Geschäftsmodelle langfristig neu ausrichten.

    (Foto: E+/Getty Images)

    Wie die aktuelle Umfrage zeigt, sind immerhin die globalen Lieferketten aktuell weniger beeinträchtigt als noch im Frühjahr. Damals waren knapp zwei Drittel der Mittelständler betroffen, vor allem aus dem Handel, der Elektroindustrie sowie dem Metall-, Automobil- und Maschinenbau. Aktuell sehen nur rund 14 Prozent einen Bedarf, ihre Lieferketten anzupassen.

    Auch die Kurzarbeit ist leicht zurückgegangen: Im Frühjahr nutzte noch eine Mehrheit von 55 Prozent das Instrument. Inzwischen sind es nur noch 49 Prozent.

    Zugleich verdoppelte sich aber laut Umfrage auch die Zahl der Unternehmen, die inzwischen Entlassungen planen oder bereits umgesetzt haben, von acht auf 16 Prozent. Für zehn Prozent der befragten Unternehmen steht es sogar zur Debatte, ganze Unternehmensbereiche zu schließen.

    Dies spielte im Frühjahr noch für kaum ein Unternehmen eine Rolle. „Der Mittelstand stellt sich mit Blick auf die Pandemie auf einen Marathon ein“, erklärt DZ-Bank-Vorstand Berghaus. „Das führt für viele zwangsläufig zu größeren Einschnitten.“

    Eine Insolvenzwelle erwarten die Experten der DZ Bank nicht, auch wenn die Bereinigung stärker sein werde als in normalen Jahren, wie Bereichsleiter Ortolf erklärt.

    Die digitale Infrastruktur ist oft mangelhaft

    In der ersten Welle hatten sich viele Unternehmen durch Sonderkredite und Soforthilfen Liquidität verschafft. Ihre Investitionen in Digitalisierung, Nutzerzentrierung und Künstliche Intelligenz werden dagegen aus dem Cashflow finanziert, wie Ortolf erläutert. Daher seien die KfW-Kredite „definitiv keine Bremse für die aktuellen Investitionen“.

    Bei der Digitalisierung werden viele Unternehmen aber nach wie vor durch den schleppenden Ausbau der digitalen Infrastruktur gebremst. Schließlich wirtschaften viele mittelständische Unternehmen außerhalb der großen Metropolen, wo nicht überall eine ausreichende Internetgeschwindigkeit verfügbar ist. Dies behindert nicht nur die Digitalisierung im Unternehmen, sondern ist auch eine Hürde beim Arbeiten aus dem Homeoffice.

    Und auch Kunden und Lieferanten müssten mitziehen, wie Hailo-Chef Lindemann betont, sonst nützten die eigenen Anstrengungen nichts: So versuche Hailo derzeit, die Zusammenarbeit bilateral mit den Partnern so weit wie möglich zu digitalisieren.

    Mit den Lieferanten sei man da schon sehr weit, berichtet er. Die bekämen die Informationen über Lagerbestände automatisiert zur Verfügung gestellt, und dann könnten sie selbsttätig in die Lücken liefern. Im Vertrieb sehe das anders aus: „Mit den Baumärkten sind wir noch nicht so weit, da tut sich der eine oder andere Partner noch schwer mit der digitalen Durchgängigkeit vom Produkt bis zum Endkunden.“

    Mehr: So machen Inhaber ihr Familienunternehmen krisenfest

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