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Mittelstand Deutsche Familienunternehmen sind die Verlierer im internationalen Steuerwettbewerb

Eine neue Studie warnt: Familiengeführte Betriebe könnten in Deutschland durch den Steuerwettbewerb international ins Hintertreffen geraten.
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Der Weltmarktführer sieht sich durch die Steuerpolitik der Bundesregierung zum Umsteuern gezwungen. Quelle: MAGNET-SCHULTZ GmbH & Co. KG
Produktion von MSM in Memmingen

Der Weltmarktführer sieht sich durch die Steuerpolitik der Bundesregierung zum Umsteuern gezwungen.

(Foto: MAGNET-SCHULTZ GmbH & Co. KG)

BerlinDie Magnet-Schultz-Gruppe (MSM) ist einer der vielen heimlichen Weltmarktführer in Deutschland. Das Memminger Unternehmen produziert elektromagnetische Sensoren für Autos, Traktoren, Bagger, Windräder, Flugzeuge. Doch obwohl seine Firma breit aufgestellt ist, blickt ihr Chef Albert Schultz auch mit Sorge in die Zukunft.

Der Ingenieur fürchtet, dass Betriebe wie seiner durch den Steuerwettbewerb ins Hintertreffen geraten könnten. „Viele deutsche Familienunternehmen werden im internationalen Steuerwettbewerb klar benachteiligt.“ Schultz weiß, wovon er redet. Da seine Gruppe auch in den USA und der Schweiz vertreten ist, hat er den Direktvergleich. Seiner Rechnung nach blieben US-Firmen nach Abzug von Steuern 50 Prozent mehr Cash übrig als deutschen, in der Schweiz seien es noch 30 Prozent. „Für die ausländische Konkurrenz ist es damit deutlich leichter, Investitionen zu stemmen.“

Schultz bestätigt einen Befund, zu dem auch eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen kommt: Demnach drohen familiengeführte Betriebe zu den Verlierern des internationalen Steuerwettbewerbs zu werden. Reagiere die Politik nicht darauf, drohe „eine sinkende internationale Wettbewerbsfähigkeit“ und eine „Verlagerung von Realinvestitionen“.

Laut den ZEW-Forschern gibt es dafür drei wesentliche Ursachen. Ein Grund: hohe Steuersätze. 2008 drückte die damalige Große Koalition mit einer Unternehmensteuerreform die Belastung zwar vorläufig auf internationalen Durchschnitt. Doch inzwischen plant eine Reihe von Staaten wie Belgien, die Schweiz oder die USA Steuersenkungen – oder sie haben sie bereits beschlossen.

Deshalb rangiert Deutschland mit seinen nominalen Steuersätzen von rund 30 Prozent inzwischen wieder weit vorn. „Deutschland ist ein Hochsteuerland für Unternehmen“, heißt es in der ZEW-Studie.

Laut Schultz sind Firmen wie seine MSM-Gruppe davon besonders betroffen. „Insbesondere Personengesellschaften zahlen wegen ihrer Rechtsform viel höhere Steuern als die internationale Konkurrenz.“ Denn sie sind wie jeder Arbeitnehmer einkommensteuerpflichtig, die Belastung kann somit bis zu 50 Prozent betragen.

Deutschland „übererfüllt“ die Regeln

Zwar gelten für Personengesellschaften Regeln, um den Steuersatz wie für Kapitalgesellschaften auf rund 30 Prozent zu drücken. Doch viele Unternehmer klagen, die Regeln seien wenig praktikabel. „Während andere Industriestaaten ihre Steuersysteme wettbewerbsfähiger gestalten, entwickelt sich Deutschland von einem Hochsteuerland zu einem Höchststeuerland“, sagt Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.

Neben den Steuersätzen setzen auch Trends in der globalen Steuerpolitik den Familienunternehmen zu. So haben viele Länder Sonderregeln für die Besteuerung auf Erträge aus Patenten und Markenrechten eingeführt. Seit 2000 stieg die Zahl der europäischen Staaten, die sogenannte „Patentboxen“ eingerichtet haben, von zwei auf 14. Davon profitieren laut ZEW vor allem Firmen mit digitalen Geschäftsmodellen. Viele Betriebe sind aber traditionelle Industrieunternehmen, die zehn bis 15 Prozent ihres Umsatzes in Maschinen investieren.

Ein weiteres Problem laut Studie: Deutschland und die EU „übererfüllen“ im Kampf gegen die Steuervermeidung von Konzernen die Regeln. Ein Beispiel sei die Einführung einer „Lizenzschranke“ in Deutschland, die verhindern soll, dass Patente in Steueroasen verschoben werden.

Die Übererfüllung der Regeln sei „vor dem Hintergrund des mittlerweile sehr hohen Steuerniveaus in Deutschland kritisch zu sehen“, heißt es in der Studie. „In Anbetracht des zunehmenden Wettbewerbsdrucks besteht wachsender Handlungsbedarf, die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Unternehmensteuersystems zu stärken.“

Firmen sehen Regierung unter Zugzwang

Firmenchef Schultz hat eine klare Vorstellung, wo die Regierung ansetzen muss. „Oberste Priorität hat für uns eine Reform der absurd komplexen Erbschaftsteuer, die als Damoklesschwert über den Unternehmen hängt.“ Wichtig seien auch bessere Abschreibungsmöglichkeiten und eine generelle Senkung der Steuern für Personengesellschaften. „Und nur tatsächlich aus dem Unternehmen entnommene Gewinne sollten voll besteuert, reinvestierte Gewinne dauerhaft entlastet werden.“

Passiert nichts, sei sein 1912 gegründeter Betrieb vielleicht zum Umsteuern gezwungen. Aktuell prüfe man eine Teilumwandlung von einer Personen- in eine Kapitalgesellschaft. Dabei bevorzuge man eigentlich die heutige Rechtsform. Sie garantiert eine enge Bindung der Eigentümer an das Unternehmen. „Eine reine Kapitalgesellschaft birgt immer die Gefahr“, sagt Schultz, „dass die Eigentümer dem Unternehmen entrücken – und die Firma darunter leidet.“

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