Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mittelstand Familienunternehmer weisen IWF-Kritik in offenem Brief scharf zurück

„Geradezu fahrlässig interpretierte Zuschreibung“: Der Verband widerspricht dem Vorwurf, Familienunternehmen seien der Quell für steigende Ungleichheit in Deutschland.
Kommentieren
Von Eben-Worlée führt den Verband der Familienunternehmer. Quelle: Christian O. Bruch/laif
Reinhold von Eben-Worlée

Von Eben-Worlée führt den Verband der Familienunternehmer.

(Foto: Christian O. Bruch/laif)

Düsseldorf Eine Woche ist es nun her, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) in einem Bericht über Deutschland die Familienunternehmer für eine auffällige Entwicklung verantwortlich gemacht hat: Einkommen und Vermögen würden in Deutschland immer stärker auseinanderdriften. „Deutschland ist eines der Länder mit der höchsten Vermögens- und Einkommensungleichheit der Welt“, schrieben die IWF-Ökonomen.

In den Familienunternehmen konzentriere sich der Reichtum des Landes in den Händen einiger weniger. Die Erfolge der exportstarken Familienunternehmen – vor allem in China – hätten den im System angelegten Effekt seit dem Jahr 2000 erheblich verschärft, heißt es.

Ein Vorwurf, der seitdem für mächtig Unruhe sorgt. Mehrere Familienunternehmer widersprachen den Aussagen des IWF mit deutlichen Worten. Nun reagiert auch der Verband der Familienunternehmer unter Führung ihres Präsidenten, Reinhold von Eben-Worlée. In einem offenen Brief an den IWF, der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, heißt es, dass man „irritiert zur Kenntnis“ genommen habe, dass der IWF für Deutschland „die familiengeführten Unternehmen unseres Landes für eine vermeintlich wachsende Vermögensungleichheit (mit)verantwortlich macht“.

Man halte „dies für eine in der Sache nicht gut begründete und geradezu fahrlässig interpretierte Zuschreibung“. Der Verband bittet daher um einen vertieften Blick des IWF in die deutsche Familienunternehmerlandschaft. Der Unterzeichner von Eben-Worlée führt selbst ein Familienunternehmen in fünfter Generation, den 1851 gegründetem Rohstofflieferanten Worlée, der zum Beispiel Gewürze und Tees, aber auch Rohstoffe für die Kosmetik- und Farbindustrie liefert.

Die Familienunternehmen seien ein wichtiger Stabilitätsanker, das habe sich auch in der Finanz- und Wirtschaftskrise erwiesen, heißt es weiter. Gerade weil die Unternehmen ihre Gewinne thesaurierten und ihre Eigenkapitalbasis ausbauten, hätten sie die Krise besser gemeistert als andere. Ihr Einfluss auf Wachstum und Wohlstand sei „kaum zu überschätzen“ für die Volkswirtschaft.

Das Reinvestieren, das der IWF als Wohlstand für wenige interpretiere, sei der Grund für viele Patente, die in deutschen Unternehmen liegen. Viele Mittelständler investierten in Zukunftstechnologien. „Fast die Hälfte aller familiengeführten

Weltmarktführer, der sogenannten ‚Hidden Champions‘ (...), kommt aus Deutschland“, schreiben die Familienunternehmer. Das alles sei ohne die besondere Verschonung von Betriebsvermögen in der Erbschaftsteuer nicht möglich.

Auch der Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen, Tom Rüsen, urteilt, dass die Kollegen vom IWF nur makroökonomisch draufschauten. „Sie haben den Unterschied zwischen privatem Geldvermögen und reinvestiertem Verantwortungskapital oder, anders ausgedrückt, dem treuhänderischen Vermögen nicht verstanden.“

Tatsächlich ist es so, dass die Erbschaftsteuer hierzulande schon traditionell niedriger als zum Beispiel in den USA ist. So hat die Stiftung Familienunternehmen gerade in einer Studie die Spezies der Familienunternehmen in den USA mit der in Deutschland verglichen. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung, sagt, dass es in den USA schwerer sei, diese Firmen über Generationen in der Hand einer Familie zu erhalten. „Dies hängt unter anderem mit der über Jahrzehnte konfiskatorischen Erbschaftsteuerbelastung zusammen.“

Vermögen wird reinvestiert

Während in den USA das Bild des Selfmademans auch im Steuerrecht Pate stand, war in Deutschland stets die Familie als generationenübergreifende Institution ein schützenswertes Gut. Auch der Verband der Familienunternehmer stellt diesen Zusammenhang in seinem offenen Brief als schützenswert dar: Anders als in angelsächsischen Ländern, wo „niedrige Einkommensteuern zu Lebzeiten und hohe Erbschaftsteuern“ gelten, sei es in Deutschland genau umgekehrt, damit die nächste Generation das Unternehmen weiterführt. „Aus unserer Sicht verdient dieses auf Konstanz und Nachhaltigkeit hinwirkende Prinzip Wertschätzung und sollte nicht in einem gleichmacherischen Furor zur Disposition gestellt werden, auch nicht vom IWF“, findet Reinhold von Eben-Worlée klare Worte.

Der Verband der Familienunternehmer geht in seinem Brief auch darauf ein, dass die Ungleichheit der verfügbaren Einkommen in Deutschland unterhalb des OECD-Durchschnitts liege. Zudem verdopple man das Durchschnittsvermögen, wenn man die Rentenanwartschaften mit einbeziehe. Der IWF weist aber nachdrücklich darauf hin, dass einerseits die Globalisierungsgewinne in die Hände weniger flössen und andererseits darunter liegende Einkommensbezieher durch fehlende Lohnerhöhungen und eine vergleichsweise schwach entwickelte Kultur des Wohneigentums davon nicht profitierten.

Der Verband leugnet daher auch in seinem Brief nicht, dass viel Vermögen in den deutschen Familienunternehmen gebunden ist. Es komme aber durch Investitionen in Technologien und Arbeitsplätze der gesamten Volkswirtschaft zugute.

Mehr: Dem Währungsfonds zufolge verstärkt sich die Ungleichheit in Deutschland immer mehr. Als Quell des Übels macht der IWF die Familienunternehmen aus.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: Mittelstand - Familienunternehmer weisen IWF-Kritik in offenem Brief scharf zurück

0 Kommentare zu "Mittelstand: Familienunternehmer weisen IWF-Kritik in offenem Brief scharf zurück"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote