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Mittelstand In Europas Ohr – wie Sennheiser den Eurovision Song Contest ausrüstet

Die Tontechnik für den Eurovision Song Contest kommt vom deutschen Audiospezialisten Sennheiser. Für den Mittelständler ist das immer eine Bewährungsprobe.
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Beim Auftritt des Niederländers Duncan Laurence sorgte eine Leuchtkugel kurzzeitig für Frequenzstörungen. Quelle: Reuters
Mit dem Mikro von Sennheiser

Beim Auftritt des Niederländers Duncan Laurence sorgte eine Leuchtkugel kurzzeitig für Frequenzstörungen.

(Foto: Reuters)

WennebostelNur drei Minuten und 45 Sekunden Zeit bleiben, bis die nächsten Sänger auf der Bühne stehen müssen. Der Eurovision Song Contest in Tel Aviv ist eine logistische Herausforderung für die Audio-Technik. Auch in diesem Jahr stammt die vom deutschen Hersteller Sennheiser, der die Show vor Ort mit einem Team unterstützt.

Beim größten Musik-Live-Event der Welt treten am Samstagabend aus 41 Ländern jeweils bis zu sechs Künstler auf. Sie alle müssen im Minutentakt mit individuell eingestellten Mikrofonen, In-Ear-Kopfhörern, Sendern und Empfängern ausgestattet werden – alles drahtlos.

Sound-Ingenieur Volker Schmitt, Director Customer Development & Application Engineering bei Sennheiser, zeigt sich erleichtert. Das heikle Frequenzmanagement klappte problemlos. „Die Proben liefen unglaublich gut, schon in Lissabon im Vorjahr hatten wir ein super stabiles System“, erzählt er im Video-Gespräch mit Branchenkenner „Dr. Eurovision“. „Das ist richtig langweilig für uns – aber so soll es sein.“

Zum 30. Mal stattet Sennheiser den Eurovision Song Contest mit Audiotechnik aus. Für die Niedersachsen längst Routine, aber trotz der jahrzehntelangen Erfahrung immer wieder eine Bewährungsprobe. Den Vorjahreswettbewerb in Lissabon verfolgten immerhin 186 Millionen Menschen live an den Bildschirmen - von Australien bis Russland.

Das Familienunternehmen aus Wennebostel bei Hannover ist einer der weltweit führenden Hersteller von Kopfhörern, Mikrofonen und drahtloser Übertragungstechnik. 1945 wurde die Firma als „Laboratorium Wennebostel“ gegründet vom Großvater der beiden heutigen Chefs, die Brüder Andreas und Daniel Sennheiser. 1958 entwickelte Sennheiser mit dem ZDF das erste drahtlose Mikrofon.

Der Mittelständler hat rund 2600 Mitarbeiter weltweit und machte 2017 etwa 668 Millionen Euro Umsatz. Um sich im Wettbewerb mit mächtigen Konzernen wie Apple, Samsung und Sony zu behaupten, sahen sich die Familienunternehmer zuletzt gezwungen, zu sparen und ihre Organisation umzubauen. „Wir müssen schneller und flexibler werden“, sagen die Brüder. Innovationen sind dabei erfolgsentscheidend.

Wie Sennheiser zum Weltmarktführer wurde
Der Gründervater
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Mit ihm fängt alles an: Elektroingenieur Prof. Dr. Fritz Sennheiser, hier 1935 während seines Studiums, gründet das Unternehmen mit all seinen Ersparnissen am 1. Juni 1945 als „Laboratorium Wennebostel“ in Wedemark nahe Hannover. Das Unternehmen fertigt Röhrenvoltmeter – aus den Vorräten, die die Besatzungstruppen dem Labor gelassen haben. Erster großer Kunde ist Siemens Hannover.

(Foto: Sennheiser)
Labor W in einem Bauernhaus
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Der junge Betrieb, gegründet in einem historischen Bauernhaus, produziert zunächst Röhrenvoltmeter, für die er schnell Abnehmer findet. Doch Fritz Sennheiser reicht das nicht: Er ist getrieben von der Idee, bestehende Produkte noch besser zu machen und Technologien voranzutreiben.

(Foto: Sennheiser)
Das Labor
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13 Jahre später wird „Labor W“ in Sennheiser Electronic umbenannt, denn schon lange ist das Unternehmen kein kleines Labor mehr.

(Foto: Sennheiser)
Erste Erfolge
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Die Ausbeute seines Strebens lässt nicht lange auf sich warten: 1947 bringt Sennheiser das erste eigenentwickelte Mikrofon DM 2 (MD 2) auf den Markt. Neun Jahre später folgt das erste Richtrohrmikrofon.

(Foto: Sennheiser)
Labor W expandiert
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1955 zählt das Werk in Wedemark-Wennebostel bereits 250 Mitarbeiter. Doch irgendwann wird es zu eng: Im selben Jahr legt Sennheiser den Grundstein für einen aus damaliger Sicht modernen Neubau.

(Foto: Sennheiser)
Der erste offene Kopfhörer der Welt
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Im Jahr 1968 läuft der erste offene Kopfhörer der Welt, der legendäre HD 414, den Mikrofonen den Rang ab und schafft damit quasi den Kopfhörermarkt. Schon zehn Jahre später machen Kopfhörer 50 Prozent des Umsatzes bei Sennheiser aus.

(Foto: Sennheiser)
Kopfhörer-Boom
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Der HD 414 löst damals einen regelrechten Boom aus und ist bis heute der meistverkaufte Kopfhörer aller Zeiten. Auch war er einer der ersten Vorgänger für den modernen Kopfhörer „Momentum On-Ear.“

(Foto: Sennheiser)

Ein Renner im Profibereich ist beispielsweise das Sennheiser Digital-6000-Mikrofon. Das wird nicht nur beim ESC benutzt, auch Pink sang damit beim Superbowl 2018 die amerikanische Nationalhymne. Bei dem Profimikrofon kam Sennheiser anfangs in den USA kaum mit der Produktion nach.

Viele Stars vertrauen seit langem auf Audiosysteme des deutschen Mittelständlers. „Prince war ein ganz großer Fan von Sennheiser und ist gern mit einer vergoldeten Mikrofon-Sonderanfertigung von uns aufgetreten. Von Madonna über Rihanna bis Beyoncé setzen viele Stars auf unsere Technik“, sagte Andreas Sennheiser einmal dem Handelsblatt.

Doch bei Live-Konzerten gibt es immer wieder Unwägbarkeiten. So auch beim diesjährigen ESC in Tel Aviv. Bei der Probe des Niederländers Duncan Laurence, einer der Titelfavoriten, wurde eine blinkende Leuchtkugel auf die Bühne heruntergelassen. Das Licht verursachte Frequenzstörungen bei den drahtlosen Mikrofone. Sennheiser benutzt in Tel Aviv rund 100 Drahtlos-Kanäle. Die störende Kugel wurde nach der Probe durch einen LED-Ball ausgetauscht.

Die australische Sängerin Kate Miller-Heidke wiederum steht bei ihrem Lied „Zero Gravity“ auf unsichtbaren Stelzen und scheint auf dem langen Kleid durch die Lüfte zu schweben. Die Mikrofone und Tontechnik müssen ihr die Audio-Techniker vor dem Auftritt auf Stangen hochreichen.

„Der ESC ist für uns eine riesengroße Spielwiese, wir probieren viele neue Sachen aus“, sagt Schmitt. So zeigte sich, dass die beiden israelischen Moderatorinnen, darunter Topmodel Bar Refaeli, sehr schmale Gesichter haben. Flugs wurden extra kleine Headsets für die beiden gebaut. „Wir arbeiten immer sehr kundenspezifisch“, betont der Sennheiser-Experte.

Gab es beim ESC in Lissabon nur eine Halle, sind es in Tel Aviv drei Hallen, die recht weit auseinander liegen. Eine Herausforderung. 16 Mischpulte von Sennheiser sind aufgebaut, vier weitere befinden in den Sendetrucks. Es gibt zwei identische Übertragungswagen - doppelter Boden, damit bei der Live-Sendung nichts schief geht.

„Das Allerwichtigste ist Sicherheit“, betont Schmitt gegenüber „Dr. Eurovision“. Nicht auszudenken, wenn es zu Tonstörungen käme. Die Stimmung in der Halle, in der knapp 8000 Zuschauer sitzen, und im Green Room mit weiteren 2000 Fans könnte schnell kippen.

Sennheiser ist es wichtig, für verlässliche und vor allem unkomplizierte Tontechnik zu sorgen. Schmitt: „Schließlich sollen sich die Künstler ganz auf ihren Gesang konzentrieren können.“

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