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Mittelstand Ulrich Dietz: „Die Digitaloffensive der Bundesregierung ist mehr 0 als 1“

Der Gründer von GFT Technologies fordert die Streichung des Soli, ein eigenes Digitalministerium mit einem Chef aus der Wirtschaft und Leuchtturmprojekte für KI.
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Seit Juni 2017 ist Dietz Vorsitzender des Verwaltungsrats der GFT Technologies SE. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Ulrich Dietz

Seit Juni 2017 ist Dietz Vorsitzender des Verwaltungsrats der GFT Technologies SE.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Herr Dietz, die Wachstumsprognose ist runtergegangen, der Ifo-Geschäftsklima-Index ebenso. Welche Strukturreformen sollten aus Ihrer Sicht als mittelständischer Unternehmer als erstes angegangen werden?
Zum Beispiel die Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Die ist längst überfällig. Das Institut der deutschen Wirtschaft schlug schon 2008 die kurzfristige Streichung des Solidaritätszuschlags vor, um die Konjunktur anzukurbeln und die Binnennachfrage zu stärken. Dieses Zögern und Hadern der Regierungsparteien ist unerträglich. Während Milliarden in den Sozialausgleich geflossen sind, ist es nicht möglich eine klare Linie zu bekommen und einen eindeutigen Konjunkturanreiz hier zu setzen.

Wie bewerten sie als Unternehmer aus der IT-Industrie das Bildungssystem?
Die Aufteilung der föderalen Verantwortung zwischen Bund und Ländern wirkt kontraproduktiv bei der Digitalisierung der Schulen. Hier muss sofort konstruktive Abhilfe geschaffen werden, diesen Knoten zu durchschlagen. Für den Bürger sind politischen Streitereien nicht nachvollziehbar. Der Stillstand ist nicht akzeptabel.

Sie haben ihr gesamtes Berufsleben in der digitalen Welt verbracht. Was halten sie von der Digitaloffensive der Bundesregierung?
Bis heute ist die sogenannte „Digitaloffensive“ der Bundesregierung mehr „0“ als „1“. Eine Digitalstaatssekretärin ohne Ministerium ist wie ein Schaffner ohne Pfeife.

Und wie würden Sie da mehr Tempo reinbringen?
Das Beispiel Italien zeigt uns mit der Ernennung des Managers Diego Piacentini (Anm. d. Red.: Piacentini war zuständig für die Digitalisierung des italienischen Verwaltungsapparates), eines ehemaligen Top-Managers von Amazon, wie man pragmatisch und dynamisch vorgehen kann.

Nächstes vieldiskutiertes Thema Künstliche Intelligenz und Internet der Dinge (IoT). Was braucht da Deutschland wirklich?
Notwendig sind wegweisende Leuchtturmprojekte im Bereich Künstlicher Intelligenz und IoT. Cyber Security und Cybercrime werden seit Jahren stiefmütterlich angegangen. Das Ergebnis ist wie bei Gebrüder Grimms Märchen „Der Hase und der Igel“. Die Bösen sind immer schneller. Ein kurzfristiger Ausbau der Hochschulkapazitäten ist zwingend notwendig, ebenso wie Start-up-Programme und entsprechende Infrastrukturumgebungen an den Hochschulen zu selbigen Themen. Die IoT- Plattformen werden das „Internet der Dinge“ entscheiden. Hier sind Wettbewerbe und massive Investitionen in Bildungseinrichtungen notwendig, um die weltweiten Spitzenkräfte anzuziehen und neue Ansätze zu kreieren.

Wie sieht ihre Analyse der deutschen Infrastruktur aus?
Die Infrastruktur in Deutschland wird von Jahr zu Jahr schlechter. Dies ist sowohl am Straßennetz in jeder Großstadt, als auch auf den Autobahnen täglich erkennbar. Die Ausfälle und Verspätungen der Deutschen Bahn dokumentieren die Ohnmacht eines Staatskonzernes mit den Anforderungen im 21. Jahrhundert. Die Ausfälle der Regierungsflieger sind das Bild welches sich hier in den Augen der internationalen Beobachter einbrennt. Ein einst technologisch führendes Land „bleibt am Boden“.

Was ist zu tun?
Wir benötigen ein milliardenschweres Infrastrukturprogramm, koordiniert von einem Bauministerium, welches an der Umsetzung gemessen wird. Außerdem brauchen wir jetzt ein Programm zum Ausbau der Kabel- und 5G-Infrastruktur und keine politischen Ankündigungen von Politikern beliebiger Parteien.

Gibt es bei der Industriepolitik Nachholbedarf?
China, die USA, Russland, selbst Frankreich betreiben eine klare Industriepolitik zu Gunsten der heimischen Industrien – der bestehenden und vor allem der zukünftigen. Deutschland muss in Europa Vorreiter für eine nach vorne gerichtete Industriepolitik für Zukunftsthemen werden.

Wie müsste eine Agenda 2030 für Deutschland aussehen?
Eine Agenda 2030 muss klare Antworten und Zusagen zu den angesprochenen Themen enthalten. Als internationales Unternehmen investieren wir in Ländern, welche uns sowohl von den der Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter, als auch von der Infrastruktur Möglichkeiten zum Wachstum geben. In einem globalen Wettbewerb müssen wir als Unternehmen bestehen. Die Taktgeschwindigkeit wird im Silicon Valley, in Israel und in China vorgegeben, nicht in Berlin oder in Stuttgart.

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