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Mobiles Bezahlen Wie Christian Pirkner mit Bluecode großen digitalen Geldbörsen Konkurrenz machen will

Der Start-up-Gründer will Konzerne wie Google und Apple aus dem Markt drängen – ein Kampf wie David gegen Goliath. Doch er hat bereits Unterstützung.
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Nach seinem Studium hätte er bei McKinsey arbeiten können. Doch es reizte ihn mehr, eigene Ideen zu verwirklichen. Quelle: Bluecode
Christian Pirkner

Nach seinem Studium hätte er bei McKinsey arbeiten können. Doch es reizte ihn mehr, eigene Ideen zu verwirklichen.

(Foto: Bluecode)

Wenn Christian Pirkner seine „Mission“ vorstellt, kann ihn so leicht nichts stoppen. Der 44-jährige Österreicher redet schnell und lässt keinen Zweifel daran, dass er Großes vorhat. Mit der Firma Blue Code International will er sein europäisches System für Zahlungen per Smartphone „Bluecode“ aufbauen und damit sowohl den digitalen Geldbörsen Google Pay und Apple Pay als auch den amerikanischen Kreditkartenanbietern Visa und Mastercard Konkurrenz machen.

Es klingt nach David gegen Goliath, doch Pirkner hat prominente Kooperationspartner und, wie er dem Handelsblatt bestätigt, jetzt auch neue Geldgeber. Wer Pirkner reden hört, könnte meinen, dass der dreifache Vater sein eigenes „Baby“ anpreist. Die ursprüngliche Idee für das Bezahlsystem kam aber von Michael Suitner. Pirkner entdeckte Bluecode 2013 bei einem Start-up-Pitch in Wien.

„Angesichts der amerikanischen Konkurrenz sah ich erst keine Chance, aber dann hat es mich gepackt“, erinnert er sich. Mit elf weiteren Privatinvestoren steckte er Geld in Bluecode und stieg 2015 aktiv ins Geschäft ein. Suitner ist weiterhin an Bord und erklärt die Arbeitsteilung so: „Ich kümmere mich um den operativen Betrieb, und Christian trägt unsere Vision in die Welt.“

Die Zeit drängt. Vor wenigen Monaten sind Google Pay und neue Apps von Banken und Sparkassen gestartet, in Kürze soll Apple Pay folgen. Ihnen gegenüber hat Bluecode zwei Vorteile: Die Nutzer müssen keine Kreditkarte in der App hinterlegen, und der Datenaustausch zwischen Smartphone und Ladenkasse läuft nicht über die Funkverbindung NFC, sondern über einen Strichcode.

So steht das Verfahren auch iPhone-Nutzern offen, denn Apple hat die NFC-Schnittstelle für sein eigenes Bezahlsystem Apple Pay reserviert. Einige Erfolge kann Bluecode schon verbuchen: In Österreich ist es in 85 Prozent der Lebensmittelläden verfügbar – unter anderem bei den Rewe-Töchtern Billa und Merkur, der Spar Österreich- und der Globus-Gruppe. Auch in Deutschland bietet Globus Bluecode ab sofort in allen 46 deutschen Läden an.

Angesichts der amerikanischen Konkurrenz sah ich erst keine Chance, aber dann hat es mich gepackt. Christian Pirkner – Geschäftsführer Blue Code

Es sei „deutlich effizienter und auch mit Mehrwertprogrammen verknüpfbar“, sagt Globus-Geschäftsführer Olaf Schomaker. Auch rund 100 Banken hat Bluecode als Partner gewonnen, darunter zahlreiche Raiffeisenbanken aus Österreich und rund ein Dutzend deutsche Sparkassen. Grundsätzlich können jedoch Kunden aller deutschen und österreichischen Banken Bluecode nutzen – die Zahlungen werden dann nicht direkt von der Bank autorisiert, sondern per Lastschrift eingezogen.

Pirkner hat im Silicon Valley Erfahrungen gesammelt

Für Pirkner ist Bluecode nicht der erste Versuch, ein Start-up groß zu machen. Nach dem Wirtschaftsstudium an der Universität St. Gallen und Dissertation mit Auszeichnung verbrachte er zwölf Jahre in den USA. In San Francisco entwickelte er mit Moodlogic und All Media Guide Software und eine Datenbank zur Musikerkennung und Videosuche.

Die Firmen verkaufte er schlussendlich erfolgreich an Rovi, einen der weltweit größten Anbieter von Medientechnologie (heute Tivo) und kehrte mit einigen Millionen Euro nach Europa zurück. Nun seien Kunden wie Shazam, Apple und Netflix Lizenznehmer der damals von ihm entwickelten Technologien. Damit sich auch Bluecode durchsetzt, ist Schnelligkeit geboten.

„Mit der Verbreitung von Google Pay und Apple Pay in Europa schließt sich aktuell das Fenster für alternative Bezahldienste sehr schnell“, sagt Jochen Siegert, Vorstand der Interbanken-Plattform Traxpay und Zahlungsverkehrsexperte. „Wenn sich die Kunden einmal an ein System gewöhnt haben, steigen sie vermutlich nicht mehr um.“ Anschub für Bluecode soll jetzt eine Kapitalspritze von drei europäischen Family Offices geben. Sie sollen dem Unternehmen 11,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt haben.

„Die Investoren möchten anonym bleiben, es sind renommierte Offices mit einer Affinität zur Finanzbranche und zum Zahlungsverkehr“, sagt Pirk‧ner. Zu seinen nächsten Zielen gehört es, Bluecode in die Bezahl-Apps von Banken und Händlern zu integrieren. „Unternehmen müssen unbedingt den direkten Kontakt zum Kunden behalten“, argumentiert er.

Für die europäischen Banken zeichnet er ein düsteres Szenario: „Wenn sie US-Konzernen wie Apple und Google, Mastercard und Visa den Zahlungsverkehr überlassen, gehen bald nicht nur die Transaktionsgebühren, sondern auch die Zahlungsverkehrsdaten an ihnen vorbei.“ Diese Daten werden in der Branche vielfach als Schatz gepriesen, weil sich daraus sehr genaue Verhaltensprofile der Kunden ablesen lassen.

Bluecode kooperiert mit Alipay

Bluecode selbst will das nicht tun und wirbt damit, dass es keine Kundendaten speichert, sondern nur die Verbindung zwischen Kunde, Bank und Händler herstellt. Das Unternehmen bekommt für jede Zahlung Transaktionsgebühren von den Händlern. „Wir wollen uns dabei an den Gebühren für Zahlungen per Girocard messen“, sagt Pirkner.

Als weiteres Verkaufsargument hat Pirkner eine Kooperation mit der chinesischen Smartphone-Bezahl-App Alipay initiiert. „Wir haben Alipay an unsere Infrastruktur angeschlossen. Bei Händlern, die Bluecode nutzen, können wir auf Wunsch auch gleich Alipay integrieren“, sagt Pirkner. Alipay wird insbesondere an Touristenspots gerne von Händlern angeboten, um damit ihre Attraktivität gegenüber kaufkräftigen Touristen aus China zu steigern.

Die Kundenzahl allerdings ist noch überschaubar, Pirkner spricht von einer sechsstelligen Zahl. „Wenn wir erst mal in Händler- und Banken-Apps integriert wurden, wird sich das schnell ändern“, sagt er selbstbewusst. Pirkner ist keiner, der schnell lockerlässt.

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