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Modebranche Warum Tommy Hilfiger und seine Frau in Ostwestfalen landeten

Der Modedienstleister Katag kümmert sich um die erste Textilkollektion von Dee Ocleppo – der Frau von Tommy Hilfiger. Für die Firma ist das ein Lichtblick mitten in der Coronakrise.
13.01.2021 - 13:01 Uhr 1 Kommentar
Das Designer-Ehepaar arbeitet mit der ostwestfälischen Modefirma Katag zusammen. Quelle: dpa
Dee Ocleppo und Tommy Hilfiger

Das Designer-Ehepaar arbeitet mit der ostwestfälischen Modefirma Katag zusammen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Geschichte beginnt mit einem Rätsel: Ende September wurde der Privatjet des US-Modeunternehmers und Stardesigners Tommy Hilfiger auf dem Flughafen Paderborn/Lippstadt gesichtet. Nur wohin er und seine Frau, die Designerin Dee Ocleppo, wollten, das bekamen die örtlichen Journalisten nicht heraus. Daniel Terberger, Vorstandschef des Modedienstleisters Katag, kann nun für Aufklärung sorgen.

Hilfiger und Ocleppo waren auf dem Weg nach Bielefeld, um sich bei Katag umzusehen. Als Einkaufsverbund für rund 350 mittelständische Modehändler werden bei dem Unternehmen Kollektionen zusammengestellt und bei den Herstellern in aller Welt bestellt. Nun kooperiert Katag mit der 54-jährigen Dee Ocleppo bei ihrer ersten eigenen Textilkollektion.

Es ist ein Zeichen der Hoffnung mitten in der Coronakrise. Denn die Pandemie beeinträchtigte auch das Geschäft von Katag. Erneut sind die Läden geschlossen. Adler Modemärkte hat gerade Insolvenz in Eigenregie angemeldet.

Die Pandemie habe die ohnehin angespannte Situation der Modebranche deutlich verschärft, urteilt Patrick Ziechmann, Partner bei PwC Deutschland und Experte für den Handel und die Konsumgüterindustrie. Eine Erholung sei nur langsam zu erwarten. „Die Pandemie wirkt aber auch als Beschleuniger für die dringend notwendige Transformation der Branche und als Katalysator für neue Geschäftsmodelle“, sagt Ziechmann.

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    Terberger zeigt sich nun hoffnungsfroh: „Es ist ein Konter gegen die Krise“, sagt der Katag-Chef über die Kooperation. Der Kontakt sei über Matteo Armilotta, Chef der Marke Dee Ocleppo, entstanden. „Er hat unsere Cashmere-Produkte von The Mercer N.Y. auf der Fashion Week gesehen und befunden, dass die Qualität und die Nachhaltigkeit stimmen.“

    Die Chemie zwischen dem Unternehmenschef und dem Designerpaar habe gleich gestimmt. „Katag ist eine sehr professionelle Organisation mit großer finanzieller Stärke und Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung von Bekleidung“, sagte Tommy Hilfiger dem Handelsblatt.

    Das Thema Nachhaltigkeit wird nach Corona bleiben

    2010 hatte Dee Ocleppo unter ihrem Namen eine Handtaschen- und Accessoire-Kollektion erfolgreich auf den Markt gebracht. Nun soll hochwertige Mode hinzukommen. Ab Herbst/Winter 2021 ist der Einkaufsverbund für Produktion, die Logistik, die Abwicklung und die Qualitätskontrolle der Kollektion zuständig, die im erschwinglichen Luxusbereich angesiedelt sein soll.

    Nach dem Besuch Ende September ist der Vertrag nun unterzeichnet. „Ich bin nüchterner Westfale, und bis zur endgültigen Unterschrift habe ich nicht geglaubt, dass in dieser Zeit von Corona so etwas möglich ist“, sagt Terberger.

    Der Katag-Chef sieht im Thema Nachhaltigkeit die Zukunft der Mode. „Durch unsere langjährige Partnerschaft mit den Herstellern ist die Expertise da, nicht nur Qualität, sondern auch Nachhaltigkeit zu liefern“, sagt er. Die eigene Marke The Mercer NY ist Partner der Initiative Good Cashmere Standard, die sich für nachhaltige Produktion der Wolle einsetzt. Auch in einer PwC-Studie heißt es, die junge Generation erwarte, dass Modeunternehmen sich ihrer Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft stellen.

    Für Katag eröffnet die Zusammenarbeit neue Perspektiven. Bislang ist die Firma mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2019 in Zentraleuropa und vor allem in der deutschsprachigen Region aktiv, der Auslandsumsatz liegt bei rund einem Fünftel.

    Dem Modedienstleister Katag macht die Coronakrise zu schaffen. Quelle: Katag
    Daniel Terberger

    Dem Modedienstleister Katag macht die Coronakrise zu schaffen.

    (Foto: Katag)

    Das Ehepaar hat neben dem eigenen Onlineshop alle großen Online- und Offlinehändler weltweit im Visier, erklärt Tommy Hilfiger: von Rinascente, El Corte Inglés, Harrods, Harvey Nichols, Selfridges, Saks Fifth Ave, Zalando bis Farfetch. Er sieht die Marke mit Schuhen, Taschen und Accessoires als erschwinglichen Luxus aus Italien positioniert.

    Ehrlicherweise lägen 80 Prozent der Hoffnungen auf dem Onlinegeschäft, ergänzt Terberger. Seine Kunden, die rund 350 Modehändler, die derzeit alle geschlossen sind, könnten die Kollektion natürlich auch ordern, aber manche würden einfach aufgrund der Ausrichtung ihres Sortiments nicht infrage kommen. Ein Pullover kann bei Ocleppo schon mal 399 Euro kosten.

    „Ich glaube an gute Qualität und erschwingliche Preise“, erklärt Ocleppo dazu. Hilfiger, 69, der als Berater seiner Frau mit seiner jahrzehntelangen Expertise hinter den Kulissen wirkt, genießt seine Rolle. „Sie entwirft tatsächlich alle Produkte, die sie gerne selbst trägt“, sagt er über seine Frau. „Ihr Geschäft wächst und wächst und erreicht Kunden und Fans weltweit.“

    Ohne wirtschaftliche Risiken ist das für beide Parteien nicht: „Wir haben aber einen langen Atem und werden nicht gleich wieder alles aufgeben, wenn es etwas dauert“, sagt Terberger. „Jede Krise bringt neue Ideen und Stimmungen hervor, daraus versuchen wir jetzt etwas zu machen.“

    Man habe in der Pandemie mehr als 20 Prozent des Umsatzes verloren. „Wenn wir jetzt fünf Prozent plus machen, vielleicht auch erst 2023, dann sind wir Wellenbrecher und nicht Teil der Abwärtsspirale.“ Die Krise sei nicht für jeden eine Chance, urteilt der Unternehmer, aber Jammern sei keine Alternative. „Unser Motto ist eher: Sie hatten keine Chance, aber nutzten sie.“

    Mehr: Vorreiter und Abgehängte: Der Einzelhandel wird sich immer stärker spalten

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