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Modeunternehmen Dolzer Maßkonfektionäre: Frisch saniert aus der Insolvenz in den Shutdown

Die Modefirma von Eigentümer Thomas Selkirk ist erfolgreich saniert worden. Doch wegen der Coronakrise muss Dolzer jetzt die Läden wieder schließen.
03.04.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Dolzer entwickelte sich unter seiner Führung zum Marktführer in der Maßkonfektion. Quelle: Medienhaus Main-Echo /André Breitenbach
Thomas Selkirk

Dolzer entwickelte sich unter seiner Führung zum Marktführer in der Maßkonfektion.

(Foto: Medienhaus Main-Echo /André Breitenbach)

München Alles war gerichtet. „Wir waren Musterschüler“, sagt Thomas Selkirk. Das Unternehmen sei saniert, die Kosten reduziert, ein Investor mit frischem Kapital gewonnen worden. Am 16. März wurden die Dolzer Maßkonfektionäre aus dem Insolvenzverfahren entlassen. Mehr als 400 Arbeitsplätze in Deutschland und Tschechien waren gerettet. Doch nur zwei Tage später mussten die 18 Filialen wegen der Corona-Pandemie geschlossen werden.

Und nun sitzt Eigentümer Selkirk daheim in seiner Bibliothek, in Hemd und Sakko aus eigener Fertigung, und versucht zu retten, was zu retten ist. „Ein paar Wochen können wir das schon durchhalten“, sagt er, „aber bei einem zweiten oder dritten Shutdown wird es eng.“ Er hofft auf einen KfW-Hilfskredit. Allerdings sollen nur Unternehmen gestützt werden, die Ende 2019 gesund dastanden. Doch damals befand sich das unterfränkische Unternehmen mitten im Insolvenzverfahren.

Es ist unklar, ob es nun – eigentlich erfolgreich saniert – Anspruch auf staatliche Hilfen hat. „Es kann doch nicht richtig sein, dass gut 400 Arbeitsplätze in einem gerade gesundeten Unternehmen jetzt wieder gefährdet werden, nur weil der Gesetzgeber – wenn auch unbeabsichtigt – wichtige Sonderfälle nicht im Blick hatte“, sagte Christian Graf Brockdorff, Ex-Sachwalter von Dolzer und Partner bei der Kanzlei BBL. „Die Unternehmen sind hier auf eine schnelle Anpassung der Regelungen angewiesen.“

Der gebürtige Brite Selkirk arbeitete nach dem Studium in Oxford für Roland Berger und PwC, doch ein eigenes Unternehmen war immer sein Traum. So übernahm er 1995 das 1963 als Adolf Dolzer Kleiderfabrik gegründete Unternehmen. Die Firma beschäftigt Maßkonfektionäre, die die Kunden über ein Standardgrößensystem vermessen. Die Kunden können dann aus bestimmten Modellen und Stoffen ihr persönliches Kleidungsstück zusammenstellen, das in Tschechien gefertigt wird.

Die Geschäfte sind nicht leichter geworden – nicht nur in Start-ups werden heute öfter T-Shirts statt maßkonfektionierter Sakkos getragen. Doch entwickelte sich Dolzer unter Selkirk zum Marktführer in seinem Segment. Und so wollte er sich 2018 ein wenig zurückziehen und holte einen externen Geschäftsführer. Doch der habe die Prozesse nicht verstanden und die Kosten aus dem Ruder laufen lassen. Als Selkirk zurückkam und frisches Kapital mitbrachte, war es zu spät. Es folgten ein Schutzschirmverfahren und im Nachgang die Insolvenz.

Neuer Mehrheitsgesellschafter

Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung konnte nach nur knapp vier Monaten aufgehoben werden. Selkirk war es gelungen, mit dem Sachwalter Graf Brockdorff sowie dem Sanierungsgeschäftsführer York Zieren von Brödermann Jahn Filialen und Jobs zu erhalten.

Zudem stieg mit Michael Bork ein neuer Mehrheitsgesellschafter ein. Der Partner der Private-Equity-Firma Equistone war Kunde bei Dolzer und engagierte sich mit privaten Mitteln. „Dolzer steht für den Stil der jeweiligen Zeit und ist bei Qualität, Passform und Preis führend“, begründet er sein Engagement. „Die Kleidung wird absolut nachhaltig hergestellt, es gibt keine Lager mit Fertigware.“

Momentan allerdings sind die Beschäftigten in Kurzarbeit, nur im tschechischen Břeclav stellen 20 Mitarbeitern noch Masken und Schutzkittel her. Bestandskunden, deren Maße bekannt sind, können Kleidung nachbestellen, auch der Onlineshop ist geöffnet.

Doch es sind nicht die Zeiten für Shopping. „Wir haben alles getan, um aus der Misere herauszukommen“, sagt Selkirk, doch nun sei ihm das Heft des Handelns aus der Hand genommen worden. Er habe alles durchgerechnet: Wenn der Shutdown nach Ostern ende, habe er eine Chance. Ansonsten sei er auf Hilfe von Staat und Banken angewiesen.

Mehr: Corona bringt viele Modefirmen in Existenznot.

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