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Möbelbranche Ex-Post-Manager Jürgen Gerdes wechselt zum Möbelkonzern Porta

Elf Jahre war Jürgen Gerdes als Vorstand bei der Post aktiv. Nun zieht es ihn nach Porta Westfalica in ein mittelständisches Familienunternehmen.
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Gerdes kommt als familienfremder Manager und auf Wunsch des Firmengründers Hermann Gärtner zum Familienunternehmen Porta. Quelle: dpa
Jürgen Gerdes

Gerdes kommt als familienfremder Manager und auf Wunsch des Firmengründers Hermann Gärtner zum Familienunternehmen Porta.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wahrscheinlich war es am Ende die Gewinnwarnung, die Jürgen Gerdes am 12. Juni den Vorstandsposten bei der Post kostete. Post-Chef Frank Appel hatte vier Tage zuvor per Ad-hoc-Mitteilung verkündet, dass das Brief- und Paketgeschäft, das Jürgen Gerdes bis April geführt hatte, nur 1,1 Milliarden Euro Gewinn erbringen würde. 1,5 Milliarden waren eigentlich geplant.

Gerdes, der zu dieser Zeit gar nicht mehr für das größte Vorstandsressort zuständig war, sondern seit April mit dem neu geschaffenen Verantwortungsbereich „Corporate Incubations“ betraut, verließ Ende Juni den Bonner Konzern – nach 30 Jahren, elf davon im Vorstand.

Nun ist klar, dass der frühere Dax-Vorstand im deutschen Mittelstand gelandet ist, beim Familienunternehmen Porta, das insgesamt 1,35 Milliarden Euro umsetzt. Hermann Gärtner und Wilhelm Fahrenkamp haben Porta 1965 gegründet und daraus eine international aufgestellte Gruppe von Möbelhäusern geformt. Zu der gehören nicht nur die Porta-Einrichtungs- und Küchenhäuser, sondern die SB-Kette Boss sowie weitere Einrichtungshäuser in Deutschland, Tschechien und der Slowakei.

Laut dem Fachmagazin „Möbelkultur“ ist das Unternehmen die Nummer sieben auf dem Markt in Deutschland, hinter Ikea, XXLutz, Höffner, Otto, Tessner und Poco. Zu den Gewinnen sagt Firmengründer Hermann Gärtner nichts – laut Zahlen aus dem Bundesanzeiger stand das Unternehmen zuletzt aber gut da.

Gärtners Tochter Birgit und Achim Fahrenkamp, der Sohn des verstorbenen Mitgründers, führten die Gruppe bislang gemeinsam. Nun kommt Gerdes als familienfremder Manager auf Wunsch des Firmengründers dazu. Seit Anfang Januar ist er dabei, wie das Handelsblatt erfuhr.

Gerdes hatte Hermann Gärtner über einen privaten Kontakt kennengelernt. Sie tauschten sich aus, sprachen über die Herausforderungen durch die Digitalisierung und neue Konsumgewohnheiten. Irgendwann war klar: „Die Chemie stimmt“, sagt Gerdes. Ähnlich drückt es auch Gärtner aus. Das ist wichtig, weil sich auch der Firmengründer mit seinen 84 Jahren noch immer „ums Geschäft kümmert“, wie er sagt. In ein paar Tagen wollen die beiden gemeinsam zur Möbelmesse nach Köln fahren.

Wie die Aufgabenverteilung der nun drei Geschäftsführer bei Porta aussehen soll, ist noch nicht final entschieden. Gerdes soll unter anderem der Expansion des Unternehmens, die etwas ins Stocken geraten sei, „mehr Dampf geben“, sagt Gärtner. „Ich bin zwar kein Möbelspezialist,“ ergänzt Gerdes. Aber bei den Themen Digitalisierung, Online-Geschäft und Logistik kenne er sich aus.

Mit 54 Jahren in eine völlig neue Branche

Seit Tagen diskutiert Gerdes daher mit seinen neuen Kollegen, welchen Einfluss die Demografie auf das Möbelgeschäft hat. Wie verändert die Digitalisierung das Wohnen und das sich wandelnde Kundenverhalten den Möbelhandel?

Gerdes findet es spannend, mit 54 Jahren noch einmal in ein völlig neues Thema einzusteigen. Aber genau dieser Blick von außen gefällt Gärtner. Er habe als Unternehmer die Basis für die vergangenen 54 Jahre gelegt – Gerdes will nun „die Basis schaffen für die nächsten 54 Jahre“. Große Pläne, wenn auch in viel kleinerer Dimension als in seinem letzten Job.

Wie Porta-Gründer Gärtner ist auch Gerdes Westfale. Er hat in Münster BWL studiert und direkt bei der Post als Produktmanager angeheuert. Dort durchlief er unterschiedlichste Stationen. 2007 wurde er Vorstand für das wichtigste und größte Ressort des Konzerns, das Brief- und Paketgeschäft mit rund 220 000 Mitarbeitern.

In dieser Zeit wohnte Gerdes mit seiner Familie südlich von Bonn. Dort wollen seine Frau und die beiden Kinder auch bleiben. Er selbst will sich für die Woche eine Wohnung in Porta Westfalica nehmen. Doch die 250 Kilometer, die er nun fahren muss, schrecken ihn nicht.

Auf dem Weg nach Hause fährt er über die A2, vorbei an vielen Zentralen großer Familienunternehmen: Tönnies, Bertelsmann, Oetker, Miele und Nobilia: „Für mich sind das die erfolgreichen Start-ups von gestern, die sich gerade neu erfinden müssen, weil sie sich gegen die nächste Generation von Angreifern wehren müssen“.

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