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Moritz Kreppel und Benjamin Roth Urban Sports Club will den Studios durch die Coronakrise helfen

Viele geschlossene Sportstudios fürchten jetzt um ihre Existenz. Die Gründer der Plattform aus Berlin entwickeln digitale Konzepte, um sie abzusichern.
08.04.2020 - 03:55 Uhr Kommentieren
Moritz Kreppel (l.) und Benjamin Roth wollen Sportanbietern durch die Krise helfen. Quelle: Klaus Mellenthin
Urban-Sports-Club-Gründer

Moritz Kreppel (l.) und Benjamin Roth wollen Sportanbietern durch die Krise helfen.

(Foto: Klaus Mellenthin)

Düsseldorf Als Yogalehrerin Philippa von Heyden vom heraufschauenden in den herabschauenden Hund wechselt, machen etwa 90 Yogis ihre Bewegung zu Hause nach. Die virtuelle Yogastunde soll isolierten Sportlern ihre tägliche Dosis Bewegung und dem Peace Yoga Studio in Berlin zumindest einen kleinen Teil der Einnahmen sichern.

Etwa zwei Drittel der zugeschalteten Yogabegeisterten kommen über den Urban Sports Club, eine Multisportplattform, die in den vergangenen acht Jahren seit ihrer Gründung ein rasantes Wachstum hingelegt hat. Ein Wachstum, das durch das Coronavirus jetzt zum Stillstand gekommen ist.

Dabei lief alles so gut: Von einem kleinen Start-up in der Hauptstadt hat sich der Urban Sports Club zum europäischen Marktführer unter den sogenannten Sportaggregatoren entwickelt. Das Konzept: Kunden können mit einer einzigen Mitgliedschaft bei unterschiedlichen Sportanbietern schwitzen. „Wir haben etwa 50 unterschiedliche Sportarten im Angebot“, sagt Moritz Kreppel, 38, der den Urban Sports Club 2012 gemeinsam mit Benjamin Roth, 41, gegründet hat. Beide waren früher als Berater tätig.

Der Urban Sports Club scheint den Nerv der Zeit zu treffen. Über 8.000 Studios in zehn europäischen Ländern kooperieren bereits, die Mitgliederzahl liegt im sechsstelligen Bereich.

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Standort erkennen

    Das Start-up hat bereits elf Konkurrenten mit ähnlichen Konzepten in ganz Europa übernommen – vor allem mithilfe der Millionenbeträge ihrer Investoren Holtzbrinck Ventures, Partech und Rocket Internet. In diesem Jahr wollte der Urban Sports Club in weitere sechs europäische Länder expandieren, doch wegen der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Schließungen sind die Pläne ausgesetzt. „Wir haben die Expansion erst mal eingestellt und schauen, wie es mit den bestehenden Partnern weitergeht“, sagt Gründer Kreppel.

    Das Unternehmen versucht derzeit, Konzepte zu entwickeln, um diesen Partnern finanziell durch die schwierige Phase zu helfen. Denn klar ist: Ohne Partner müsste auch der Urban Sports Club zumachen. Eine Lösung sind – zumindest vorübergehend – Livestreams wie der von Peace Yoga in Berlin.

    Für Livestream eigene Verträge

    Normalerweise zahlt der Urban Sports Club für jeden Kunden, der bei den Anbietern Sport treibt, einen bestimmten Betrag. Wie viel die Anbieter pro sogenanntem „Check-in“ von Urban Sports bekommen, wird individuell verhandelt. Moritz Kreppel möchte hierzu keine Angaben machen. Hintergrundgespräche mit den Studios zeigen, dass der Betrag meist etwa fünf bis 20 Prozent unter dem liegt, was sie von dem Kunden direkt bekommen hätten.

    In der Coronakrise bleiben nur noch virtuelle Teilnahmen. Kunden können sich über die App für einen Onlinekurs anmelden und bekommen dann einen Link für Konferenzdienste wie Zoom oder Skype zugeschickt. So können sie von zu Hause aus einchecken und Sport treiben.

    Der Urban Sports Club bezahlt auch diese Check-ins. Für die digitalen Sportstunden gibt es eigene Verträge. „Die Payouts sind 25 bis 30 Prozent niedriger als sonst“, sagt Moritz Ulrich, Inhaber des Berliner Peace Yoga Studios. „Aber wir rechnen auch mit mehr Teilnehmern.“ Virtuell entstehen schließlich keine Platzprobleme.

    In der Coronakrise nutzen immer mehr Menschen digitale Sportangebote. Quelle: imago images/Panthermedia
    Fitness zuhause

    In der Coronakrise nutzen immer mehr Menschen digitale Sportangebote.

    (Foto: imago images/Panthermedia)

    Mit den niedrigeren Auszahlungen will der Urban Sports Club gewährleisten, dass auch andere Sportanbieter unterstützt werden können. Denn nicht alle Sportarten sind für Onlinekurse geeignet. „Für Schwimmbäder ist das natürlich keine Option“, sagt Kreppel.

    Die monatlichen Einnahmen aus den Urban-Sports-Mitgliedschaften sollen auch an geschlossene Studios verteilt werden. „Je nachdem, wie viele Check-ins sie in den letzten Monaten verbucht haben“, erklärt Moritz Kreppel das Konzept. Auch den Sportlern will der Urban Sports Club entgegenkommen. Es gibt eine „Covid-19-Option“, die Mitgliedschaft für unbestimmte Zeit ruhen zu lassen.

    Urban Sports ist nicht der einzige Sportaggregator, der den Studios durch die Krise helfen will. Auch das US-Unternehmen Classpass, das seit 2019 auf dem deutschen Markt ist, will den Anbietern über Livestreams zu Einnahmen verhelfen. Die Multisport-Plattformen inszenieren sich in der Krise als rettender Anker für Anbieter. Ihr Mehrwert für den Sportmarkt ist allerdings umstritten.

    Nutzen für Studios ist umstritten

    Für Sportler ist der Nutzen klar. Sie sind viel flexibler als bei einer Vereinsmitgliedschaft oder einem Fitness-Abo. Auch viele Sportanbieter profitieren davon, dass sie neue Kunden gewinnen, die sich trauen, bisher unbekannte Sportarten auszuprobieren. Der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) sieht den Urban Sports Club deshalb positiv: „Es ist ein vielversprechendes Modell für die Zukunft. Auf die Branche hat es einen guten Einfluss.“

    In der Hauptstadt zeigt sich allerdings bereits jetzt, was in Zukunft ein Problem sein könnte. Der Inhaber einer Berliner Kletterhalle etwa berichtet, dass bis zu 50 Prozent der Kunden über den Urban Sports Club kämen. Doch eine zu große Marktmacht der Aggregatoren ist für die Betreiber gefährlich. Denn die Studios riskieren, einen Großteil ihrer Kunden zu verlieren, wenn sie die Partnerschaft beenden. Das könnte Urban Sports die Möglichkeit geben, die Preisstruktur zu seinen Gunsten zu ändern.

    Gründer Kreppel sagt, sie wollten den Studios keine direkten Mitgliedschaften wegnehmen. Nadia Hoffmann von dem Kletterhallenbetreiber Boulderwelt berichtet allerdings: „Die Anzahl neuer Kunden war sehr viel geringer als die Zahl derer, die von uns weg zu Urban Sports gewechselt sind.“ 2018 entschloss die Boulderwelt deshalb, aus dem Konzept auszusteigen. Auch der deutsche Fitness- und Aerobicverband (DFAV) warnt vor einer „kritischen Marktmacht der Aggregatoren“ und rät zu einer „intensiven Kosten-Nutzen-Abwägung“.

    Die Sportler aus Philippa von Heydens Yoga-Klasse freuen sich über das virtuelle Sportangebot. „Wir bekommen Anfragen, ob wir das auch nach der Krise weitermachen“, erzählt Studioinhaber Moritz Ulrich.

    Auch der Urban Sports Club will das digitale Angebot langfristig ausbauen. „Wir hatten das schon sehr lange vor, aber jetzt sehen wir auch vonseiten der Studios eine ganz andere Offenheit dafür“, sagt Kreppel.

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