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Motorenölhersteller Kurzarbeit anmelden, aber Dividende zahlen – Das findet der Liqui-Moly-CEO „pervers“

Der Chef des Motorenölherstellers kritisiert Firmen, die ihre Mitarbeiter in den Zwangsurlaub schicken, aber Dividende ausschütten. Ernst Prost ist dafür bekannt, anzuecken.
28.04.2020 - 17:37 Uhr 1 Kommentar
Der Liqui-Moly-Chef will auf Kurzarbeit verzichten. Quelle: LIQUI MOLY GmbH
Ernst Prost

Der Liqui-Moly-Chef will auf Kurzarbeit verzichten.

(Foto: LIQUI MOLY GmbH)

Düsseldorf Diplomatische Umschreibungen oder PR-Sprech sind Ernst Prost fremd, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Eine Sache regt den Chef von Liqui Moly in der Coronakrise besonders auf: „Obszön“ und „pervers“ findet der 63-Jährige andere Unternehmensleiter, die Kurzarbeit anmelden und zugleich an ihren geplanten Dividendenausschüttungen festhalten.

Gewinne des letzten Jahres an Aktionäre auszuzahlen und zugleich Steuergelder kassieren zu wollen. „Das ist eine absolute Unmöglichkeit“, wettert Prost.

Der Chef des Ulmer Motorenölherstellers hat ein großes Sendungsbewusstsein. Auf der Homepage setzt er sich regelmäßig mit aktuellen Themen auseinander. Von Staatsverschuldung über Massenarbeitslosigkeit bis Kurzarbeit und Dividenden arbeitet er sich an den Herausforderungen der Coronakrise ab.

Kurzarbeit sei ein gutes Instrument, aber „nur für Unternehmen, denen das Wasser bis zum Hals steht“, sagt Prost, dessen Firma nicht börsennotiert ist. Wenn Geld vorhanden sei, um es an Aktionäre auszuschütten, sollte dies genutzt werden, um Mitarbeiter weiterzubezahlen.

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    Motorenöle sind in einer Zeit des Stillstands wenig gefragt. Dementsprechend muss auch Liqui Moly, das 2019 noch 569 Millionen Euro Umsatz machte, mit massiven Nachfrageeinbußen klarkommen. Trotzdem möchte Prost keine Kurzarbeit anmelden, zahlt seinen knapp  1000 Mitarbeitern weltweit stattdessen eine Erschwerniszulage von 1500 Euro und verzichtet auf das eigene Gehalt.

    „Unkontrollierter Kapitalismus“

    Prost war schon immer ein Unternehmer, der aneckte. Bescheidenheit und Extravaganz gingen dabei Hand in Hand. 2006 erwarb er das Schloss Leipheim im bayerischen Landkreis Günzburg, renovierte es und nutzt es seither als Wohnsitz. Auch als Schlossherr schimpft Prost gegen den „unkontrollierten Kapitalismus“, der „nur von Geldgier geprägt“ sei. Gerade jetzt müsse die Wirtschaft dem Menschen dienen und nicht umgekehrt.

    Mit seiner unkonventionellen Art ist Prost unternehmerisch erfolgreich. Er hat es vom Kfz-Mechaniker zum Multimillionär geschafft und ist jetzt nur noch angestellter Geschäftsführer der Firma, die er 2018 an die Würth-Gruppe verkaufte.

    Trotz der Übernahme lassen die neuen Eigentümer Ernst Prost weiterhin alle Freiheiten. Auch die, es anders zu machen: unternehmerisch und kommunikativ. Prost schaltet gerade jetzt in der Coronakrise, wo die meisten Firmen Anzeigen stornieren, vermehrt Werbung für sein Unternehmen.

    Liqui Moly hat zudem Produkte im Gegenwert von etwa einer Million Euro an Einrichtungen wie Feuerwehren wie etwa Rettungsfahrzeuge verschenkt – samt anfallender Lieferkosten. Die Feuerwehr Nauheim dankte Liqui Moly per Twitter für die „tolle Unterstützung“. Stolz heißt es in einem von Prosts Briefen: „Wir verschenken mehr als wir verkaufen.“

    Inhaltlich legt sich der wortgewaltige Manager auch mit Kollegen aus der Automobilindustrie an. Damit bewegt sich der Unternehmenslenker eher auf einer Linie mit Politikern und Gewerkschaftsvertretern.

    Ernst Prost, der schon mal als „roter Kapitalist“ bezeichnet wird, betont: „Wir familiengeführten Mittelständler sind weitaus mehr den Menschen als dem Kapital verpflichtet.“ Da gehe es um Verantwortung für die Menschen, um Arbeitsplätze, um die Gesellschaft und das Land, nicht um schamlose Profitmaximierung.

    Schon in der Finanzkrise vor zwölf Jahren habe die Ulmer Firma entschieden: „Wir werden weder an unseren Leuten sparen, noch an unseren Konzepten und klugerweise auch nicht an unserer Zukunft.“ Der Liqui-Moly-Chef betont: „Die einzige opferbare Größe in einer Krise ist der Gewinn.“

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    1 Kommentar zu "Motorenölhersteller: Kurzarbeit anmelden, aber Dividende zahlen – Das findet der Liqui-Moly-CEO „pervers“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Meinung von Herrn Prost ist nachvollziehbar und sicher anstrebenswert.

      Führungspersonal von durchaus erfolgreichen Unternehmen, die in vom Staat verordnete Kurzarbeit gehen, sollten auch die Möglichkeiten nutzen. Die Begründung der Kurzarbeit liegt nicht in schlechter Unternehmensführung oder im Geschäftsmodell des Unternehmens.

      Und jemanden als "pervers" zu beschimpfen, der es legitim anders macht als Herr Prost, ist mit Verlauf asozial und überheblich.
      Er kann ja für sein Unternehmen werben, es so zu machen wie er es macht, aber ohne andere zu beleidigen.
      Das ist kein guter Stil für einen nachhaltig denkenden Unternehmer.

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