Nach Mifa-Pleite Verkauft Familienunternehmer Heinrich von Nathusius jetzt sein Lebenswerk Ifa?

Heinrich von Nathusius sanierte das Gelenkwellenwerk Ifa, scheiterte aber bei der Rettung von Radbauer Mifa. Jetzt drohen Millionenzahlungen.
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Der Ifa-Sanierer ist von der Politik in Sachsen-Anhalt enttäuscht. Quelle: Franz Bischof
Heinrich von Nathusius

Der Ifa-Sanierer ist von der Politik in Sachsen-Anhalt enttäuscht.

(Foto: Franz Bischof)

Es war eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, die vor wenigen Tagen für viel Wirbel in Haldensleben in Sachsen-Anhalt sorgte. „Der Autozulieferer Ifa Rotorion steht zum Verkauf“, stand darin. Das Familienunternehmen beschäftigt rund 2000 Menschen.

„Es herrscht hier große Verunsicherung, zumal asiatische Geschäftsleute im Hause gesichtet wurden“, sagte daraufhin Henning Raguschke vom Betriebsrat des Familienunternehmens. Ifa allerdings wollte eventuelle Verkaufspläne derzeit dem Handelsblatt weder bestätigen noch dementieren.

Der Gelenkwellenhersteller mit Werken in China, den USA und Polen beliefert Autobauer wie BMW, Daimler, VW und Ford. Und gehört der Familie von Nathusius. Diese ist in finanzieller Bedrängnis, seit sie sich mit der Sanierung des insolventen Radbauers Mifa in Sangerhausen – ebenfalls Sachsen-Anhalt – überhob.

Zwei Jahre nach der Mifa-Übernahme musste Heinrich von Nathusius, 75, im Januar 2017 Insolvenz anmelden. Nun wurde er vom Insolvenzverwalter und der Investitionsbank Sachsen-Anhalt auf insgesamt 15 Millionen Euro verklagt. Muss er zahlen, könnte er gezwungen sein, sich von seinem Lebenswerk Ifa – oder zumindest von Teilen zu trennen.


Der westdeutsche Stahlmanager wurde durch Zufall zum Ost-Sanierer. Nach der Wende hatte ihn der Landrat der Magdeburger Börde überredet, die Heimat der Vorfahren mit aufzubauen. Vor 200 Jahren waren diese dort erfolgreiche Unternehmer. Mit Geschick und Fördergeld sanierte Nathusius das marode Gelenkwellenwerk Ifa. Mit 80 Leuten fing er an, kaufte 2009 West-Konkurrent Rotorion. 2014 übergab er die Geschäfte an Sohn Felix, wechselte in den Beirat.


Millionengrab Mifa


Damals ging just Radbauer Mifa pleite. Politiker baten den Sanierer zu helfen. Obwohl über 70 Jahre alt, stieg der Erfolgsverwöhnte mit seiner Familie ein. Nathusius wollte das „effizienteste Fahrradwerk Europas“ schaffen, die Just-in-time-Produktion vom Auto- auf den Radbau übertragen, erzählte er damals dem Handelsblatt. Für rund 17 Millionen Euro baute er eine neue Halle, gefördert vom Land. Doch die Familie musste immer wieder Millionen in die Mifa pumpen.

Nach der Insolvenz versuchte Nathusius vergebens, die Gläubiger von einem neuen Mifa-Konzept zu überzeugen, brauchte er doch Nutzer für seine neue Halle. Doch die Restfirma mit 130 von einst 520 Mitarbeitern ging an Stefan Zubic. Als Sachsenring Bike Manufaktur versucht diese im alten Werk einen Neustart. Über die Mifa-Krise sollen sich zudem Vater und Sohn Nathusius überworfen haben, sagen Insider. Sohn Felix trat Anfang 2017 von der Ifa-Spitze ab.

Das Mifa-Abenteuer könnte für Heinrich von Nathusius ein teures Nachspiel haben. Insolvenzverwalter Lucas Flöther hat nun gegen den Ex-Mifa-Geschäftsführer beim Landgericht Halle geklagt. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung. Flöther fordert zehn Millionen Euro. Nathusius weist den Vorwurf gegenüber dem Handelsblatt zurück: „Ich gehe davon aus, da wird sich nichts ergeben.“

Ungemach droht ihm zudem von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt. Die verklagte ihn auf Zahlung von fünf Millionen Euro aus einer Bürgschaft für ein Millionen-Darlehen für die Mifa. Das Landgericht Berlin gab der Bank in erster Instanz recht.

„Herr von Nathusius hat im Berufungsverfahren verschiedene Vorwürfe gegen das Land und die Investitionsbank Sachsen-Anhalt erhoben. Die Bank tritt den Vorwürfen vollumfänglich entgegen“, verlautete diese auf Anfrage. Nathusius argumentierte in der „Volksstimme“, die Bank habe bei der Darlehensvergabe gegen EU-Beihilferecht verstoßen, somit sei seine Bürgschaft unwirksam. Zudem habe ihn Ministerpräsident Reiner Hasseloff (CDU) im Regen stehen lassen.

„Ich werde keinen Euro mehr in Sachsen-Anhalt investieren und auch allen raten, es nicht zu tun“, wetterte Nathusius in der „Mitteldeutschen Zeitung“. Ein Satz, der Verkaufsgerüchte um Ifa anheizt. Im Gespräch spielt Nathusius seine Aussage herunter. „Das sagt man schnell mal, wenn man von der Politik enttäuscht ist.“ Verkaufspläne für Ifa bestreitet er: „Es ist aber richtig, dass wir für strategische Partner offenstehen für die Expansion in China.“ Dort will Ifa laut CEO Robert Gutsche die Produktion bis Ende 2018 verdoppeln.

Für Ifa dürfte es indes nicht so einfach sein, Partner oder Käufer zu finden. In der Firma sei „einiges quer gelaufen“, sagt ein Insider. Das neue Werk in Polen für rund 100 Millionen Euro kämpft mit Startschwierigkeiten, berichtet Betriebsrat Raguschke. Das Werk baut Seitenwellen, die auch in Elektroautos verbaut werden.

Gelenke und Längswellen, die Ifa heute hauptsächlich herstellt, sind indes beim E-Antrieb überflüssig. Noch ein Argument, die Firma abzustoßen. Laut „Reuters“ wird Ifa mit etwa 500 Millionen Euro bewertet, der Umsatz lag zuletzt bei 650 Millionen Euro.

„Sollten sich die Verkaufsgerüchte bewahrheiten, hat das Ifa-Management mit falschen Karten gespielt“, sagt Tatjana Stoll, IG Metall Haldensleben, gegenüber dem Handelsblatt. Der Abbau von 50 Stellen – begründet mit Problemen in Polen – könne ein Indiz sein, dass die „Braut hübsch gemacht werde“. Viele Beschäftigte jedenfalls sind verunsichert und enttäuscht von Heinrich von Nathusius, ihrem einstigen Retter: „Ein Verkauf muss für Ifa nicht das Schlechteste sein.“

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